Die aktuelle Debatte um die Zölle verdeckt die Tatsache, dass die US-Finanzeliten die Europäer und Chinesen seit Jahrzehnten vor allem über die Kapitalmärkte schröpfen. Wir befinden uns in einem Finanzkrieg.

Von Marco Maier

Derzeit dominiert die Debatte um die Zölle und das Außenhandelsdefizit die Schlagzeilen. Klar, die Vereinigten Staaten haben dort seit vielen Jahren ein gewaltiges Minus vorzuweisen. Im Jahr 2016 waren es beispielsweise ziemlich genau 500 Milliarden Dollar an Wert, den die Importe der Amerikaner deren Exporte überschritten. Dabei lag jenes mit den Chinesen bei 310 (47,7 Prozent des Handelsvolumens) und jenes mit den Mexianern bei 62 Milliarden Dollar (oder 10,5 Prozent des Handelsvolumens).

Mit der Europäischen Union verzeichneten die Vereinigten Staaten von Amerika im selben Jahr ein Defizit vo 93 Milliarden Dollar (aber nur 8,5 Prozent des Handelsvolumens), davon fielen 68 Milliarden Dollar an Deutschland (29,6 Prozent des Handelsvolumens) Den höchsten Überschuss hatten die Amerikaner demnacht mit 29 Milliarden Dollar – oder 46,9 Prozent des Handelsvolumens – mit Hongkong (was eigentlich mit der chinesischen Bilanz verbunden sein müsste).

Doch wie kann ein Land dauerhaft mehr Waren importieren als exportieren, ohne dass das nationale Finanzsystem ausblutet? Ganz einfach: Entweder durch Geld drucken und Externalisieren (was im Falle der USA durch die Stellung des US-Dollars als Weltreservewährung und Haupt-Handelswährung möglich ist), durch einen entsprechenden Zustrom von Kapital aus dem Ausland, oder eben beidem. Die USA können hierbei auf beides zählen. Immerhin werden die US-Staatsbonds weltweit gekauft und gehandelt, wer Öl, Gold, Weizen usw. kaufen will muss diese (noch) weitestgehend mit US-Dollar bezahlen und dann gibt es noch die Finanzmärkte…

Gesamtvolkswirtschaftlich gesehen leben die USA in Sachen Konsum nämlich eigentlich nicht auf Pump, real hingegen jedoch schon. Denn: Die ganzen Kapitalzuflüsse – sei es beispielsweise durch im Ausland tätige US-Unternehmen oder durch Dividenden und realisierte Kursgewinne an den Börsen – kommen mehrheitlich nur den oberen fünf Prozent zugute. Die breite Mehrheit der Amerikaner hingegen führt ein Leben (man beachte die explodierenden Kreditkartenschulden, die Studentenkredite, die Autokredite usw.), in dem möglichst viel Geld geliehen wird.

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Das ganze Trara um Schutzzölle und dergleichen ist nur eine öffentlichkeitswirksame Show für die US-Wähler, die unter anderem auch aufgrund der desaströsen Geldpolitik der Fed mitansehen mussten, wie hunderttausende gutbezahlter Jobs verschwanden, weil es sich in anderen Ländern billiger produzieren lässt, so dass die Dividenden und Profite noch höher sprudeln konnten – und die finanziellen Ungleichgewichte in den Vereinigten Staaten selber noch stärker anwuchsen. Während die Milliardäre und Multimillionäre immer reicher und reicher werden, wächst die Anzahl jener Menschen, die von "Food Stamps" des Landwirtschaftsministeriums leben, sowie jener Menschen, die sich kein Dach über dem Kopf mehr leisten können und in einer der vielen Zeltstädte des Landes leben müssen.

Donald Trump mag zwar aus der Sicht der einfachen US-Bevölkerung richtig handeln, doch was ist mit der US-Finanzoligarchie? Was ist mit den Superreichen des Landes, die seit Jahrzehnten die volkswirtschaftlichen Gewinne der Europäer, Afrikaner, Asiaten usw. abschröpfen, weil sie Dank der Fed-Geldpolitik und der Hegemonialpolitik der US-Regierungen ein globales Netzwerk an Unternehmen, Betriebsstätten und Tochterfirmen aufgebaut haben? Das ist ein großangelegter Finanzkrieg. Man muss sich das nur einmal so vorstellen: Rund dreißig Prozent der Aktien der Dax-Unternehmen sind in US-Hand. Bei den anderen Aktienbörsen weltweit sieht es größtenteils nicht viel anders aus. Da werden Gewinne abgeschröpft, die aus der Großinfiltration der Weltmärkte resultieren. Und dagegen sehen die Unternehmenskäufe der Chinesen noch harmlos aus.

Schutzzölle sind generell an und für sich kein Problem, wenn einzelne Länder bestimmte Industrien und Branchen (bzw. die Landwirtschaft) schützen wollen, um diese auch konkurrenzfähig zu halten. Auch den Entwicklungs- und Schwellenländern muss man solche Schutzmaßnahmen zugestehen. Immerhin geht es hierbei um die Realwirtschaft. Wichtiger jedoch ist es, Begrenzungen für ausländisches Kapital zu etablieren. Vor allem bei börsennotierten Unternehmen und – je nach Markt und Branche – bei den Direktinvestitionen auch in mittelständische Unternehmen. Denn ansonsten findet ein ständiger Abfluss von Kapital in die Haupt-Investorenländer ab – im aktuellen Fall vor allem in die USA.

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