Selber setzen die Vereinigten Staaten Uranmunition ein, töten unschuldige Frauen und Kinder bei Drohnenangriffen, besitzen selbst Unmengen an Chemiewaffen – und glauben, moralisch über Syrien und andere Länder richten zu können.

Von Marco Maier

Die Kriegstreiber in Washington – unabhängig davon, ob sie nun bei den Republikanern oder den Demokraten sitzen – erweisen sich immer wieder als geifernde kriegsgeile Falken. Auch wenn sie zumeist nur die Sprachrohre der Finanzoligarchie sind, so verbinden sie ihre Forderungen nach militärischen Interventionen immer wieder mit moralischen und ethischen Punkten – wie auch beim jüngsten Angriff auf syrische Stellungen. Dazu reicht ein Blick auf die Forderungen und Kommentare der US-amerikanischen Politiker, die bis auf wenige Ausnahmen (z.B. die Gouverneurin Hawaiis, Tulsi Gabbard) den Waffengang befürworten und teilweise sogar eine US-Invasion fordern.

Doch woher nehmen diese Leute, die an den "American exceptionalism" glauben, also an die Einzigartigkeit der Amerikaner, mit der (ähnlich der religiösen Lehre des "auserwählt seins" der Juden) geradezu ein missionarischer Eifer auch einen Großteil der Bevölkerung erfasst hat, dies her? Liegt es daran, dass ihr Land nach wie vor militärisch eine Supermacht ist? Liegt es an der Geschichte des Landes, wonach das "the land of the free" in dem man es "vom Tellerwäscher zum Millionär" schaffen könne, einfach eine besondere Rolle spielt? Wer weiß.

Fakt ist, dass ein Land, welches den Einsatz von Napalm bzw. Agent Orange im Vietnamkrieg nach wie vor verteidigt und an diversen Kriegsschauplätzen mit DU-Munition (also Uran-Munition – was man eigentlich auch als Atomwaffeneinsatz bezeichnen müsste, da die Einsatzgegend radioaktiv verseucht wird) herumschießt und zudem auch noch die größten Chemiewaffenarsenale der Welt besitzt, gar nicht das Recht dazu haben kann, ethisch oder moralisch über einen – angeblichen – Giftgaseinsatz in Syrien zu urteilen. Auch der Vorwurf, Assad sei ein "Frauen- und Kindermörder", ist ein Fake-Vorwand.

Denn: Wer attackiert mit schwer bewaffneten unbemannten Drohnen mehrere Länder der Welt und tötet dabei immer wieder unschuldige Frauen und Kinder (als "Kollateralschaden")? Was ist mit den Hunderttausenden Kindern, die in all den Jahren der Blockade des Iraks infolge von Mangelernährung und unzureichender medizinischer Versorgung elend verreckten? Wer sieht stillschweigend zu, wenn die Saudis im Jemen eine ebensolche Hunger-Blockade durchführen und dort immer mehr Menschen – zumeist Frauen und Kinder – verhungern und aus Mangel an Medikamenten an einfach zu behandelnden Krankheiten sterben? Was ist mit den vorsätzlichen Bombardierungen von jemenitischen Schulen und Krankenhäusern durch die Saudis, bei denen immer wieder Frauen und Kinder zerfetzt werden? Warum werden dann keine Cruise Missiles auf Riadh abgeschossen, auf Damaskus hingegen schon?

Die Amerikaner müssen lernen, dass sie nichts Besonderes auf dieser Welt sind. Sie müssen lernen, dass sie nicht das Recht haben, sich einfach so über das Völkerrecht und international akzeptierte Regeln und Normen hinwegzusetzen. Sie müssen lernen zu verstehen, dass die Welt keinen amoklaufenden Pseudo-Weltpolizisten braucht, der zudem Ankläger, Richter und Henker zugleich ist. Die Vereinigten Staaten sind nicht mehr das "the land of the free", welches es vielleicht einmal irgendwann einmal war. Inzwischen sind die Vereinigten Staaten nur noch ein Bürokraten-Moloch, in dem die Spitzenpolitiker die Agenda der Finanzoligarchie und der Konzerne vollziehen und in dem sich ein "deep state" etabliert hat, welcher eigene Vorstellungen umsetzt.

Übrigens: Der Angriff auf Syrien durch die USA, Großbritannien und Frankreich war völkerrechtswidrig – unabhängig davon, ob es nun Beweise für einen Giftgasangriff gibt oder nicht. Denn: Die Charta der Vereinten Nationen (an welche auch diese drei Staaten gebunden sind) lässt militärische Schläge gegen andere Länder nur dann zu, wenn ein Fall der Selbstverteidigung vorliegt. Der Sicherheitsrat hat über Maßnahmen in anderen Fällen zu entscheiden – was ja nicht der Fall war.