Die Zeiten ändern sich. Von den vertriebenen Deutschen der Nachkriegszeit leben nicht mehr viele, aber es gibt noch deutsche Minderheiten über den Kontinent verteilt. Deren Interessen müsse man auch vertreten.

Von Michael Steiner

Ursprünglich setzte sich der "Bund der Vertriebenen" (BdV) vor allem für die Interessen und Belange jener Menschen ein, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den deutschen Ostgebieten und den osteuropäischen deutschen Siedlungen vertrieben wurden. Doch mit der Zeit gibt es nun einmal auch immer weniger Menschen der "Erlebnisgeneration". Auch deshalb hat sich die Aufgabenstellung des Bundes in den letzten Jahrzehnten sukzessive geändert.

Nun überlegt man eine Namensänderung. "Der Name "Bund der Vertriebenen" ist, wenn er die Vertreibung als einzige Klammer der Zusammengehörigkeit darstellt, nicht mehr vollständig", sagte BdV-Präsident Bernd Fabritius (CSU) der "Welt". Er habe eine interne Debatte darüber angestoßen, wie der Verbandsname erweitert werden könne.

Die Vertreibung gehöre zur Identität des Interessenverbandes, so Fabritius, allerdings seien inzwischen "sehr viele Menschen in unserem Verband vereint, die nie vertrieben wurden". Außerdem hätten sich die Aufgaben weiterentwickelt. "Das, was wir abdecken, ist inzwischen viel mehr, als nur diesen historischen Moment Vertreibung zu thematisieren."

Stärker wolle man sich künftig auf die deutschen Minderheiten etwa in Polen, Rumänien oder Russland konzentrieren, sagte Fabritius. "Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Schlesiern, die vertrieben wurden und den Schlesiern, die heute noch in ihren Herkunftsregionen leben." Die deutschen Minderheiten könnten "Botschafter" sein im bilateralen Verhältnis zwischen Deutschland und Polen. Gleiches gelte für Russlanddeutsche.

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"Es gibt über eine halbe Million Russlanddeutsche, die noch in Russland leben", sagte Fabritius. "Das sind ganz loyale Staatsbürger ihres heutigen Heimatlandes Russland, aber genauso überzeugte Deutsche." Sie erfreuten sich einer eigenen Kulturkreiszugehörigkeit und wollten diese auch leben. "Das ist eine Chance für die bilateralen Beziehungen."

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