Der "Ground Zero" nach dem Einsturz der WTC-Türme. Bild: Flickr / U.S. Navy photo by Chief Photographer's Mate Eric J. Tilford. CC-BY-SA 2.0

Die Anschläge vom 11. September 2001 waren der Startschuss für umfangreiche militärische Kampagnen der Vereinigten Staaten und deren Alliierten in Afghanistan, im Irak und in Pakistan. Wie viele Menschen mussten dabei sterben?

Von Marco Maier

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon haben die Vereinigten Staaten und deren Alliierten im Rahmen ihres "War on Terror" mehrere Länder attackiert und besetzt. Dabei starben unzählige Menschen infolge der direkten und indirekten Folgen dieser militärischen Operationen. Hier erfolgt ein Versuch, die Opfer dieser Angriffskriege und Militäroperationen zu erfassen.

US-amerikanische Angriffskriege und militärische Interventionen, die – nach offiziellen Zahlen – mit dem Tod von rund 3.000 Menschen gerechtfertigt wurden, die eben an diesem Tag infolge der Attacken starben. Doch die Anzahl der Todesopfer als Folge der militärischen Interventionen können im besten Falle nur geschätzt werden, so dass die nachfolgenden Zahlen auf den zuverlässigsten konservativen Daten beruhen, die bislang erhoben wurden.

Irak

Der Irak, obwohl weder mit 9/11 selbst noch mit anderen Terrorattacken in Verbindung zu bringen, gehört zu den Hauptopfern des "Kriegs gegen den Terror" den US-Präsident George W. Bush und seine neokonservativen Politikerfreunde im Jahr 2001 ausriefen. Angebliche Chemiewaffen (welche allerdings nie gefunden wurden) galten zumindest für die Öffentlichkeit als Hauptkriegsgrund, doch in Wirklichkeit ging es nur um die Wiedererlangung der US-Kontrolle über den Nachbarstaat des Irans.

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Body Count: Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror", ein Bericht der Physicians for Social Responsibility (PSR) von 2015 ergab, dass die Lancet-Studie 2006 die umfassendste und zuverlässigste Mortalitätsstudie im Irak war, basierend auf dem Studiendesign, der Erfahrung und der Unabhängigkeit des Forschungsteams seit den dokumentierten Todesfällen und seiner Kohärenz mit anderen Gewaltmaßnahmen im besetzten Irak. Diese Studie schätzte, dass in den ersten 39 Monaten des Krieges und der Besatzung im Irak etwa 601.000 Iraker getötet wurden, während der Krieg auch etwa 54.000 gewaltfreie Todesfälle verursacht hatte. Übrigens: 4.804 Soldaten der von den US-geführten multinationalen Streitkräften starbein zwischen März 2003 und Februar 2012.

Allerdings wurde die oben genannte Lancet Studie vor beinahe zwölf Jahren verfasst. Die Okkupation des Iraks hält jedoch weiterhin an. Unter anderem auch deshalb, weil sich in dem Nach-Saddam-Hussein-Machtvakuum und dem "Arabischen Frühling" ab 2011 bei den Sunniten der "Islamische Staat" als Gegenbewegung zur eher Iran-freundlichen schiitischen Zentralregierung in Bagdad etablierte. Der "Krieg gegen den Terror" konnte also weitergehen – und forderte weitere Tote. Insgesamt, so Schätzungen, wurden seit 2007 (also nach der Lancet-Studie) weitere 760.000 Menschen infolge von Kampfhandlungen getötet. Nimmt man die Minimum-Zahlen und jene der höchsten Schätzungen her, kommt man auf zwischen 1,5 und 2,4 Millionen Tote Iraker seit 2003.

Afghanistan

Das zentralasiatische Land Afghanistan, welches als Rückzugsort des angeblichen "Terrorfürsten" Osama bin Laden galt, der dort unter dem Schutz der radikalislamischen Taliban lebte, wurde recht kurz nach 9/11 von den US-geführten westlichen Streitkräften attackiert.

Allerdings gibt es für Afghanistan keine umfangreichen Statistiken, Studien und Zahlen – nur Schätzungen. Und diese gehen je nach Quelle von einem Minimum von 640.000 und einem Maximum von 1,4 Millionen getöteten Afghanen seit 2001 aus.

Pakistan

Im Jahr 2004 wurde der Afghanistan-Krieg auf Pakistan ausgeweitet. Während die CIA (und später auch das Pentagon) mindestens 430 Drohnenangriffe auf pakistanisches Gebiet durchführte, startete die pakistanische Armee unter Druck der Vereinigten Staaten von Amerika eine Militäroperation in Süd Waziristan.

Dieses Gebiet wurde im Jahr 2007 von den Taliban übernommen und im Jahr 2009 von der pakistanischen Armee zurückerobert. Das Ergebnis: 3,4 Millionen Binnenvertriebene, sowie Zehntausende Tote. Insgesamt kostete die Ausweitung des "Kriegs gegen den Terror" auf Pakistan dort weitere 150.000 bis 500.000 Tote mit sich.

Fazit

Auch wenn die Datenlage für Afghanistan und Pakistan recht dünn ist und man quer durch die Bank auf Schätzungen angewiesen ist, so sind die Zahlen dennoch erschütternd. Alleine im Irak, in Afghanistan und in Pakistan starben im Nachspiel von 9/11 infolge der US-amerikanischen Militärinterventionen, die auch von den US-Alliierten mitgetragen wurden, zwischen 2,3 und 4,3 Millionen Menschen. Plus ein paar Tausend toter Soldaten der USA, Großbritanniens, Deutschlands und so weiter. Da sind die Interventionen und Kriege in Libyen, in Syrien usw. noch gar nicht miteinkalkuliert.

Doch wurde die Welt infolge des "War on Terror" sicherer? Nicht wirklich. Gerade die ganzen Militärinterventionen und Attacken sorgten dafür, dass sich immer mehr Muslime radikalisierten und nach der Ermordung von Eltern, Kindern, Geschwistern, Freunden und so weiter durch alliierte Raketen, Bomben und Granaten erst zu "Terroristen" wurden. Dieser "Anti-Terror-Krieg" bekämpft keine Terroristen, er schafft welche. Ein Perpetuum Mobile für die Rüstungsindustrie, die sich über nie versiegende Aufträge freut.

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