Macht Armut dick?

Studienergebnisse lassen darauf schließen, dass vor allem die Armen übergewichtig sind, während wohlhabendere Menschen mehr auf ihr Gewicht achten (können). Was sind die Gründe dafür?

Von Marco Maier

Es gab Zeiten, da war das Nahrungsmittelangebot recht beschränkt, so dass der "Wohlstandsbauch" auch tatsächlich einer war. In manchen von Hungersnöten geplagten Drittweltländern dürfte dies ebenfalls noch so sein. Doch gerade in den als wohlhabend geltenden Industrieländern mangelt es kaum an genügend Kalorien – im Gegenteil, es gibt sogar einen enormen Überfluss. Und nicht umsonst gehören gerade viele ärmere Länder Dank des billigen Fetts und Zuckers zu jenen, in denen ein wachsender Anteil an übergewichtigen Menschen lebt.

Das Problem hierbei: Gerade das Essen mit den meisten Kalorien ist am billigsten. Günstige industriell hergestellte Fertiggerichte voll mit Geschmacksverstärkern, Konservierungsmitteln und Chemikalien sind gerade für die einfache erwerbstätige Bevölkerung in der z.B. beide Elternteile Vollzeit arbeiten (müssen) um die Familie zu ernähren und sich zumindest einfache Annehmlichkeiten zu leisten die einfachste Lösung. Großartig einzukaufen und auch noch stundenlang selbst zu kochen ist dort nicht selten kaum mehr möglich.

In wohlhabenderen Haushalten sieht es anders aus. Zwar wird auch dort oftmals überdurchschnittlich lange gearbeitet, aber wenn man dann auswärts essen geht, dann nicht etwa bei einem Schnellimbiss (mit sehr kalorienreichem Essen), sondern eher in einem Restaurant. Energiemäßig und in Bezug auf Vitamine, Mineralien und Spurenelemente natürlich eine ganz andere Dimension. Dieser Umstand macht sich natürlich auch bemerkbar – nicht nur bei den Erwachsenen, auch bei den Kindern.

Forscher des Institute of Education des University College London analysierten Daten über die Gesundheit von 22.500 Kindern im Alter von sieben Jahren, 34.873 im Alter von 11 Jahren und 26.128 im Alter von 15 Jahren in vier Gruppen von 1946 bis 2001. Basierend auf den Ergebnissen der Studie, ärmere Kinder, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, waren dünner und nicht so groß wie die Kinder aus wohlhabenderen Familien. Dies war vor allem darauf zurückzuführen, dass das Nahrungsmittelangebot damals recht bescheiden war.

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Als dann das Millenium kam, waren die Kinder aus ärmeren Haushalten im Schnitt größer, allerdings hatten sie auch eine Tendenz zu Übergewicht und gar Fettleibigkeit. Frühere Studien untersuchten Trends in Bezug auf Body Mass Index (BMI), nicht Größe und Gewicht getrennt. Diese Studie, die in The Lancet Public Health Journal veröffentlicht wurde, hatte festgestellt, dass sich von 1953 bis 2015 die Diskrepanz des BMI zwischen Kindern aus armen und reichen Familien erweitert hatte. Der Unterschied in ihrer Größe hat sich jedoch verringert und weniger benachteiligte Kinder sind kleiner als jene die es besser haben.

Dies verdeutlicht allerdings auch die bestehenden Ernährungsprobleme: In armen Familien besteht die Fehlernährung heutzutage nicht mehr in einem Mangel an Kalorien (im Gegenteil: es sind sogar zu viele), sondern in einer fehlenden Ausgewogenheit bei der Auswahl der Nahrungsmittel. Gegessen wird vor allem was schnell geht und billig ist – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen.

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