Indien: Todesstrafe für Kinderschänder

Jüngst publik gewordene Fälle von schwerer Vergewaltigung an Kindern sorgten in Indien dafür, dass auf dieses Delikt bald schon die Todesstrafe verhängt werden kann.

Von Michael Steiner

In Indien wird nach wie vor die Todesstrafe verhängt, wenngleich diese nur selten auch vollstreckt werden – unter anderem auch, weil das Justizsystem langsam arbeitet und korrupt ist. Doch zwei jüngere Vergewaltigungsfälle von Minderjährigen sorgten dermaßen für Proteste und Empörung im Land, dass sich die Politik dazu gezwungen sieht, mit drastischen Strafandrohungen zu reagieren.

Einer der besonders empörenden Fälle war die Gruppenvergewaltigung eines achtjährigen muslimischen Mädchens in der Provinz Jammu und Kaschmir durch Hindus, welche sie daraufhin ermordeten, der zweite Fall war der sexuelle Missbrauch einer Jugendlichen durch einen Abgeordneten der nationalistischen Hindupartei Regierungspartei BJP im Bundesstaat Uttar Pradesh.

Nun bestellte Premierminister Narendra Modi das Kabinett nach seiner Rückkehr vom Commonwealth-Gipfel ein um eine Verschärfung der Gesetze für Sexualverbrechen umzusetzen. Nun kann gegen Vergewaltiger von Kindern unter zwölf Jahren die Todesstrafe verhängt werden, aber auch bei den anderen Sexualdelikten wurden die Mindeststrafen erhöht. Nun wird das Dekret der Regierung dem Staatspräsidenten vorgelegt, dessen Zustimmung nur als Formsache gilt. Danach tritt es erst einmal für ein halbes Jahr in Kraft und wird Gesetz, sobald des Parlament den Änderungen zustimmt.

In Indien werden jährlich rund 40.000 Sexualdelikte angezeigt, wobei die Dunkelziffer sehr viel höher liegt. Insbesondere die Angehörigen der unteren Kasten trauen sich oft nicht jene der oberen Kasten anzuzeigen, was auch auf das religiöse System in Indien zurückzuführen ist.

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