Rentner Geld

Gesetzliche Krankenkassen: Werden ältere Menschen benachteiligt?

Immer öfter gibt es Beschwerden darüber, dass ältere Menschen von den gesetzlichen Krankenkassen aus finanziellen Gründen benachteiligt werden. Das System ist eine Fehlkonzipation.

Von Redaktion

Das deutsche System aus vielen gesetzlichen und privaten Krankenkassen soll eigentlich dazu führen, dass ein Wettbewerb zwischen den Kassen zu besseren Leistungen für die Versicherten führt. Doch gerade für ältere und (chronisch) kranke Menschen scheint dies nicht zu gelten – denn sie sind in erster Linie Kostenträger, auch wenn sie zuvor oftmals viel Geld beigetragen haben. Anstatt einen allgemeinen Wettbewerb zu haben geht es inzwischen vor allem darum, möglichst keine Kostenträger zu haben und so die Kassen besser aufzufüllen.

So beklagt sich die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, gegenüber der "Bild" darüber, dass die gesetzlichen Krankenkassen Alte und Kranke diskriminieren würden. Dabei verwies sie auf einen Bericht des in dem Auswüchse des zunehmenden Wettbewerbs unter den Kassen zulasten Älterer und Kranker angeprangert werden. "Die Ergebnisse des BVA-Berichts bestätigen das, was wir aus der VdK-Beratungspraxis leider nur zu gut kennen", sagte Mascher. "Ältere, die ja meist ein Leben lang ihrer Krankenkasse treu sind, fühlen sich zu Recht diskriminiert."

Die Aufsichtsbehörde BVA warf den Kassen in einem Sonderbericht vor, gegen das Solidaritätsprinzip in der gesetzlichen Krankenversicherung" zu verstoßen. Sie betrieben "unlautere Wettbewerbsstrategien zur Gewinnung und Bindung gesunder Versicherter". Kritisiert wird in dem Bericht z.B. dass viele Kassen gezielt Angebote machen, "die vorwiegend junge und gesunde Versicherte anlocken, wie Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung". Diese würden "häufig aus Kulanz" gewährt. Dagegen würden Anträge Älterer und Kranker häufiger abgelehnt. Bei Rehabilitationen betrage die Ablehnungsquote 19,4 Prozent, bei Hilfsmitteln 24,5 Prozent. Zudem würden externe Unternehmen, die neue Mitglieder für die Kassen werben, vor allem auf junge und gesunde Versicherten angesetzt.

Zudem würden externe Unternehmen, die neue Mitglieder für die Kassen werben, vor allem auf junge und gesunde Versicherten angesetzt. Der Bericht stellt fest: "Für Rentner und Hausfrauen erhielten Werber gar keine Werbeprämien." Einige Kassen böten jungen Mitgliedern außerdem bis zu 900 Euro Wechselprämie an und zahlen diese sogar als Sofortbonus. Dabei dürften solche Prämien erst nach einer erfolgreichen Teilnahme, beispielsweise an Sportkursen oder Früherkennungsmaßnahmen ausgezahlt werden. Oft würden nicht einmal Belege von den Versicherten verlangt.