Kirche und Moschee in Mannheim.

Europa gilt weitestgehend als christlich geprägter Kontinent. Doch in vielen Ländern bezeichnen sich mehr als die Hälfte der jungen Europäer als religionslos.

Von Marco Maier

Seit der Christianisierung Europas gilt der Kontinent als einer, der unter dem Zeichen des Kreuzes steht. Kreuzzüge und die Verbreitung des Glaubens in die Kolonien rund um die Welt inklusive. Doch quer durch die Bank driftet der Kontinent zunehmend in die Areligiosität ab – wenn man den Zustrom der jungen Muslime einmal außen vor lässt. Diese könnten auch in Zukunft in einigen Ländern hinsichtlich der Religiosität eine Trendwende herbeiführen – allerdings nicht zu Gunsten des Christentums.

Wirft man einen Blick auf den Kontinent, findet man nicht nur große Unterschiede bei der Sprache, auch zeigt sich in Sachen Religiosität je nach Land ein unterschiedliches Bild, welches nicht unbedingt überall historisch zu begründen ist. Vor allem dann, wenn man die jungen Menschen von 16 bis 29 Jahren befragt, wie es bei der "The European Social Survey" in den Jahren 2014-2016 der Fall ist, deren Daten kürzlich veröffentlicht wurden.

An der Spitze der areligiösen Jungen stehen die ehemaligen Ostblock-Länder Tschechien und Estland mit 91 bzw. 80 Prozent junger Menschen, die sich selbst als areligiös bzw. ohne Religion bezeichnen. In Schweden (75 Prozent), den Niederlanden (72 Prozent), dem Vereinigten Königreich (70 Prozent) und Ungarn (67 Prozent) sind es ebenfalls noch mehr als zwei Drittel dieser Altersgruppe, die mit Religion nichts am Hut haben. Wenn man dabei bedenkt, dass gerade die Schweden, Niederländer und Briten einen recht hohen Anteil (junger) Muslime haben, kann man davon ausgehen, dass der Anteil der Einheimischen Atheisten/Agnostiker deutlich höher liegt.

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In Belgien (65 Prozent), Frankreich (64 Prozent), Dänemark und Finnland (je 60 Prozent), Norwegen (58 Prozent) und im eigentlich sehr katholisch geprägten Spanien (55 Prozent) sind es immerhin noch mehr als die Hälfte der jungen Menschen. Im ehemals ebenfalls kommunistischen Russland hingegen bezeichnen sich nur 49 Prozent der jungen Menschen als religionslos, was wohl auch mit dem Wiedererstarken der Orthodoxen Kirche zu erklären ist. Auch in der Schweiz (46 Prozent) und Deutschland (45 Prozent) sind es knapp weniger als die Hälfte.

Überraschend ist, dass gerade die doch eher als "erzkatholisch" geltenden Länder Portugal (42 Prozent) und Irland (39 Prozent) einen solch hohen Anteil an religionslosen jungen Menschen aufweisen. Aber auch in Slowenien (38 Prozent) und Österreich (37 Prozent) liegt der Anteil immer noch bei mehr als einem Drittel. Aus der Reihe tanzen die ehemaligen Ostblockländer Litauen (25 Prozent) und Polen (17 Prozent), in denen die Jugend doch noch sehr stark religiös geprägt ist.

In einer Grafik hat "Statista" einen Überblick dazu erstellt:

Junge Europäer ohne Religion

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