Die anhaltende Migration in die EU-Staaten führt auch zur zunehmenden Vergabe von Staatsbürgerschaften an die Migranten.

Von Michael Steiner

Wie die Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigen, haben die 28 EU-Staaten von 2009 bis 2016 insgesamt 6,9 Millionen Migranten die Annahme der Staatsbürgerschaft gewährt. Auf Deutschland entfallen hierbei rund 870.000 Einbürgerungen, was in etwa einem Achtel aller Fälle entspricht. Österreich hingegen war in Sachen Einbürgerungen deutlich strikter: Dort gab es in diesen acht Jahren insgesamt knappe 60.000 Einbürgerungen.

Besonders interessant im Vergleich ist hierbei die Schweiz: Die Eidgenossen haben von 2009 bis 2016 sogar fast 303.000 Migranten die Annahme der Staatsangehörigkeit gewährt. Das entspricht in etwa dem Fünffachen dessen, was das in Sachen Bevölkerung in etwa auf gleichem Niveau befindliche Österreich ermöglichte. Das ebenfalls sehr Migrationsfreundliche Schweden (welches im selben Bevölkerungsbereich liegt) vergab im selben Zeitraum rund 353.000 Staatsbürgerschaften an Zuwanderer.

Total_number_of_acquisitions_of_citizenship_in_the_EU-28_and_EFTA,_2009-2016

Wie man anhand der Zahlen auch sieht, waren es im Jahr 2016 Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich, die zusammen die Hälfte der neuen Staatsbürger begrüßten. Zusammen mit Frankreich und Deutschland haben die fünf größten EU-Länder mit insgesamt rund drei Viertel Anteil dazu beigetragen.

Five_main_EU-28_Member_states_granting_citizenship,_2016

Rechnet man die Vergabe der Staatsbürgerschaften jedoch auf die Bevölkerungszahl um, ergibt sich ein anderes Bild: Im Jahr 2016 erhielten in der ganzen EU im Schnitt 2,7 von Hundert Nichtbürgern die Staatsbürgerschaft ihres Aufnahmelandes. Während Kroatien (9,7/100), Schweden (7,9) und Portugal (6,5) die höchsten Raten vorzuweisen hatten, lag diese in Österreich, Lettland und der Slowakei beispielsweise bei 0,7, in Estland und Litauen bei 0,9. Bei den fünf größten Ländern liegen Italien (4,0), Spanien (3,4) und Frankreich (2,7) am bzw. über dem EU-Schnitt, das Vereinigte Königreich (2,6) und Deutschland (1,3) darunter.

Wie die EU-Statistiker zudem mitteilten, waren im Jahr 2016 ganze 87 Prozent aller Neubürger zuvor kein Staatsangehöriger eines anderen EU-Landes. Dreißig Prozent aller dieser Neubürger kamen aus Afrika, aus Nord- und Südamerika kamen 15 Proeznt, aus Asien 21 Prozent und aus Europa außerhalb der EU 20 Prozent. Eine Besonderheit: Während die Nicht-EU-Bürger insgesamt die Mehrheit stellen, waren in Luxemburg (dort vor allem Portugiesen, Franzosen, Italiener, Deutsche und Belgier) und in Ungarn (dort vor allem rumänische Staatsbürger, wobei es sich da zumeist um dort lebende ethnische Ungarn handelt) zumeist Bürger anderer EU-Staaten.

Insgesamt erhielten im Jahr 2016 laut Eurostat 101.300 (10,2 Prozent) Marokkaner, 67.500 (6,8 Prozent) Albaner, 41.700 (4,2 Prozent) Inder, 32.900 (3,3 Prozent) Pakistanis und 32.800 (3,3 Prozent) Türken die Staatsbürgerschaft eines EU-Staates. Die Mehrheit der Marokkaner erhielt dabei die spanische, italienische oder französische Staatsangehörigkeit, während die Albaner fast ausschließlich jene Italiens und Griechenlands erhielten. Die Inder und Pakistanis erhielten zumeist die britische Staatsangehörigkeit, während die Hälfte der Türken jene Deutschlands bekam.