Frauenquote

Gerade die FDP, die lange Zeit die Fahne von Qualifikation statt Quoten hochhielt, will sich nun selbst eine Frauenquote geben.

Von Michael Steiner

Eigentlich kann man mit einem gesunden Menschenverstand davon ausgehen, dass irgendwelche Quoten prinzipiell schon nicht unbedingt mit einer Erhöhung der Qualität einher gehen. Wenn es um die Besetzung von Positionen in Politik und Wirtschaft geht, muss man Posten so besetzen, dass man auch die fähigsten Personen an der richtigen Stelle hat – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sonstigen "Kriterien".

In der FDP sieht man das inzwischen offensichtlich anders, und das, obwohl man dort dem Quoten-Gedanken lange Zeit argumentativ entgegen hielt, dass dieser aus logischen Gründen einfach unsinnig ist. Weil sich jedoch laut FDP-Bundesgeschäftsführer Marco Mendorf "leider zu wenig Frauen" in seiner Partei engagieren, müsse man "als Partei für Vielfalt und Chancengerechtigkeit" selbstkritisch sein.

Um das zu ändern, müsse die FDP "endlich auch über bisherige Tabus nachdenken wie eine Selbstverpflichtung und eine konkrete Quote, wenn wir damit Frauen besser fördern können als bisher", so der Politiker zur "Welt". Doch was ist, wenn die Politik allgemein einfach für viele (wenngleich auch dafür begabte) Frauen prinzipiell zu unattraktiv ist? Was, wenn man z.B. bei fünfzig Listenplätzen die Hälfte an Frauen vergeben möchte, sich jedoch nur zehn Frauen finden, die auch tatsächlich (für die jeweilige Partei) politisch tätig sein wollen?

In einer Beschlussvorlage mit dem Titel "Mehr Chancen durch mehr Vielfalt – Bildung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe Diversity Management", die an diesem Montag vom Parteipräsidium verabschiedet werden soll, sind 13 Maßnahmen aufgeführt, die von einer 14-köpfigen Arbeitsgruppe nun ergebnisoffen diskutiert werden sollen. Ziel sei es, so zitiert die "Welt" aus dem Papier, "effektive Maßnahmen zu entwickeln, um neue weibliche Mitglieder und Wähler zu gewinnen sowie mehr Frauen in die Parteiarbeit und die Führungsebene zu integrieren". Eine dieser Maßnahmen ist die Frauenquote, die von der FDP bislang abgelehnt wurde.

Nun fragt man sich, was als nächstes kommt: Eine Migranten-, Sexuelle-Minderheiten-, Altersgruppen- und Religionen-Quote? Welche Prinzipien gibt die Partei noch auf?