Alles läuft darauf hinaus, dass der Westen eine militärische Klärung der Syrien-Situation anstrebt. Keine gute Idee, wenn man die Rahmenbedingungen betrachtet.

Von Viribus Unitis

Ich habe in meinen Artikeln immer wieder einen Standardsatz verwendet, der da hieß, „Wer gegen Russland vorgeht, begeht Selbstmord“. Diesen Standardsatz möchte ich nun ergänzen mit den Worten „egal ob in Russland selbst, oder sonst wo, wie in Syrien“.

Trump und Putin gefangen in den Obamistisch-Hillaryistischen Strukturen

Beide Kontrahenten haben sich ihre Situation nicht ausgesucht. Hätten nicht die Obama-USA mit Außenministerin Hillary Clinton die Islam-Terroristen aufgebaut und unterstützt hat, um Assad – wegen seiner Pipeline- Entscheidung – zu stürzen, so hätten die Russen keine Notwendigkeit für ein Eingreifen gehabt.

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Würde Trump nun dieser russischen Dominanz in Syrien und im östlichen Mittelmeer und in der Nord-Zufahrt zum Suez-Kanal tatenlos zusehen, würde er vom Kongress schwere Probleme bekommen. Nicht nur von seiner eigenen Partei, vor allem die Demokraten würden Trump hart zusetzen, wenn er in Syrien nicht hart agiert und versucht die Russen zu stoppen, bzw. die Russen aus Syrien rauszuwerfen.

Man hofft im Westen natürlich, wenn man Russland in Syrien substantiell schwächt, dann würde sich möglicherweise mit einem geschwächten Russland, auch die Ukraine lösen lassen.

Weitergehend muss man feststellen: Grundsätzlich ist es sogar gut, wenn die Situation geklärt wird. Aktuell haben wir in Syrien eine West-Ost-Teilung, wobei West-Syrien von der Russland-unterstützten Assad-Regierung, und Ost-Syrien von West-unterstützten islamistischen Milizen gehalten wird.

Aktuell eine Situation wie ehemals in Deutschland, West- und Ost-Deutschland. In Europa war diese Teilungssituation über 50 Jahre lang in Kraft, für Syrien sollte man sich einen ähnlichen Zeitraum nicht wünschen. Vielleicht gelingt es, diesen Zeitraum mit dieser nun angestrebten militärischen Klärung zu verkürzen.

Zwei Fronten ein Ziel: Damaskus

Diese Offensive des Westens wird von zwei Fronten getragen, einer „Druck-Front“ und einer „Offensiv-Front“.

Die Druck-Front, die Süd-Front: Israelische Grenze und Umgebung

Von der israelischen Grenze bis nach Damaskus sind es nur 100 km – also die Entfernung München-Ulm, wobei die von Israel unterstützten islamistischen Milizen teilweise nur ca. 50 km vor Damaskus stehen.

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Diese Front ist aber zu nahe bei Israel. Die Gefahr dass Israel hier mit hineingezogen werden könnte ist groß, und das will keiner. Diese Süd-Front ist nur dazu da, um den Druck auf die syrische Armee zu maximieren, große Vorstöße sind hier nicht zu erwarten.

Die Offensiv-Front, Süd-Ost-Front: Syrisch-irakisches Grenzgebiet mit direkter US-Versorgungsstruktur

Der Hauptstoß kommt aus dem irakisch-syrischen Grenzgebiet. Von dort sind es nach Damaskus nur ca. 200 km, also die Entfernung München-Stuttgart. Auf irakischer Seite ist es die Nationalstraße 11 und die Grenzstation Al Waleed. Auf syrischer Seite ist es die Nationalstraße 2 (11 geht in 2 über bzw. umgekehrt) und die Grenzstation – ???

Die Grenzstation ??? = keine Ahnung, denn Google Maps liefert für diesen Bereich keine Ortsangaben. Und auch Bing Maps liefert nichts. Betrachtet man die Situation, so ist ein Halbkreis von 100 Meilen / 160 km Durchmesser ohne genauere geographische Beschreibung, bei beiden Online-Kartensystemen. Es ist die Hauptstraße mit ihren beiden Y-Form-Verzweigungsästen angezeigt, sonst nichts.

Ein Halbkreis – Mittelpunkt ist der Grenzpunkt Syrien/Irak der Straße 2/11 – ein Halbkreis innerhalb Syriens von der syrisch-jordanischen Grenze im Westen bis zur syrisch-irakischen Grenze im Osten, der einen Durchmesser von 100 Meilen hat (=160 km).

Die West-unterstützten islamistischen Extremisten haben hier ein Gebiet unter Kontrolle, das in etwa – der Grenzpunkt 2/11 als Mittelpunkt – einen Halbkreis von 70 km Durchmesser umfasst. Also eine gute Aufmarschbasis, um eine Offensive vorzubereiten.

Das ganze Gebiet hier ist Wüstengebiet, also als Aufmarschgebiet geeignet – und auch nicht. Es ist dünn besiedelt, das ist gut. Es ist hauptsächlich Geröll- und Sandwüste, das ist weniger vorteilhaft, weil man Truppenkonzentrationen sehr leicht aus der Luft erkennen kann. Ein russischer Spionage-Satellit hat mit einfachen Mitteln alles im Blick.

Ablauf: Der Westen will den Sieg über Assad, Russland aber wird die West-Islamisten ausradieren

Geplant ist offenbar, dass die islamischen Extremisten die Bodentruppen stellen, wobei diese Bodentruppen von US-amerikanischen Special Forces und auch US-amerikanischen Stabsakteuren informiert und geleitet werden. Der Westen stellt einen umfassenden Luftschutz für die vorrückenden islamischen Extremisten, und so müsste es gelingen, die syrischen Truppen, unterstützt von den iranischen Revolutionsgarden, zu überwinden. Das ist die Theorie, das ist theoretisch gut, das funktioniert theoretisch auch perfekt.

Das einzige praktische Problem dahingehend ist, dass die Russen dies so nicht wollen. Und wenn die Russen dies nicht wollen, dann passiert es auch nicht so. Schon in der Türkei wollte der Westen Erdogan stürzen – ohne russische Genehmigung. Der Putsch bzw. der Erdogan-Sturz misslang, weil die russische Luftwaffe die Situation zu Gunsten Erdogans klärte.

Es wird keinen Luftschutz für die vorrückenden islamischen Extremisten geben, weil die Russen diesen Luftschutz nicht gestatten werden. Sie werden die West-Luftwaffe elektronisch ausschalten – System Ratschag (рычаг – Hebel) und andere Systeme. Die West-Luftwaffe einzusetzen mag per Theorie funktionieren – im realen Ablauf geht das aber nicht. Ohne Luftschutz aber, sind die islamischen Extremisten leichte Beute für die Russen.

Russland macht derzeit (fast) alles von einer Air Base, nämlich von Latakia. Vermutlich wird die russische Luftwaffe eine Außenstelle extensiver nutzen als bisher, nämlich die Sharyat Airbase, ca. 30 km südöstlich von Homs.

Manche mögen meinen, so gefährlich sei die russische Luftwaffe nicht mehr – vor allem im Bodenkampf. Schließlich sei Anfang 2018 eine russische Su25 – eine gerade auf modernsten Stand modifizierte Version – von syrischen Islamisten abgeschossen worden. Abgeschossen mit einem chinesischen „FN-6 passive infrared homing (IR) man portable air defence system“, das die Jihadisten von der syrischen Armee erbeutet hatten.

So einfach sollte man die russische Luftwaffe nicht abschreiben. In dieser Zone flogen zwei Su25, der Schütze hatte auch versucht die zweite vom Himmel zu holen – ohne Erfolg. Russland hat schon 11 Luftfahrzeuge (Kampfflugzeuge und Hubschrauber) seit 2015 verloren, Verluste sind im Kriegsalltag eine Normalität. Russland hat für den „Close Air Support“ auch noch die neu entwickelte Mil Mi 28, die man nicht sehr ernst nehmen sollte, und die Kamov Ka52 „Alligator“, die man sehr ernst nehmen sollte.

Am Ende ist entweder Assad weg – oder aber fast alle West-Islam-Jihadisten sind bei den 72 Jungfrauen in Allahs Paradies. Alle bei den Jungfrauen und Allah, und der Westen hat danach keine irdische Kriegsmasse mehr, die willigen arabischen Krieger alle bei Allah und neue Krieger wird man nicht so leicht finden, bei der Ausfalls- also Allah-Quote – so die Überlegungen der Russen.

Es wird auch so kommen, weil die Russen aktuell militärisch dem Westen um Lichtjahre voraus sind. Die Obama-Jahre, 8 Jahre nur Geldverteilen an die Rüstungskonzerne und keine Gegenleistung verlangen, genau das hat dem Westen seinen Vorsprung gekostet. Man hatte gelaubt, die russische Rost-Armee wäre in diesem Jahrhundert kein Gegner mehr – was für eine Fehleinschätzung! Was Obama in 8 Jahren versäumt hat, kann Trump nicht in einem Jahr wieder aufholen, das ist auch klar.

Zum Abschluss jenen Absatz den ich schon eingangs schrieb: Ich habe in meinen Artikeln immer wieder einen Standardsatz verwendet, der da hieß, „Wer gegen Russland vorgeht, begeht Selbstmord“. Diesen Standardsatz möchte ich nun ergänzen mit den Worten „egal ob in Russland selbst, oder sonst wo, wie in Syrien“.

Weiterer Nebeneffekt: Dem Iran wird bewusst gemacht, dass der „große Bruder“ Russland doch noch gebraucht wird. Würden nämlich die Russen nicht mit ihren Mitteln den Westen kastrieren, so hätten die Iraner mit den Syrern keine Chance gegen die West-unterstützten Jihadisten.

Russland zeigt damit dem Iran – der schon glaubte der Hauptakteur zu sein, weil es neben der syrischen Armee die Hauptlast der Bodenkämpfe trägt – also Russland zeigte dem Iran, dass Russland die großen Parameter klärt – ohne die die kleinen Parameter nicht umgesetzt werden könnten.

Der Iran lernt, ohne Russland geht nix. Das kann auch dem Westen bei den Verhandlungen zu Gute kommen, weil der Iran nun seine Grenzen zu erkennen beginnt. Vielleicht wird dadurch Teheran im Rahmen der kommenden Gespräche etwas realistischer und kompromissbereiter. Das wäre durchaus positiv.

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