Trump: „Handelskriege sind einfach zu gewinnen“

Von den Verlierer-Generälen lernen heißt für Trump siegen lernen. In einem Tweet schrieb er, Handelskriege seien "gut und einfach zu gewinnen".

Von Marco Maier

Offenbar hat US-Präsident Donald Trump sehr viel von seinen Verlierer-Generälen gelernt, die seit Vietnam wohl jeden Krieg verloren (oder zumindest nicht gewonnen) haben. Dies zeigt sich auch in seinem jüngsten Tweet zum Thema Handelskriege.

Auf gut Deutsch: "Wenn ein Land (USA) im Handel viele Milliarden Dollar mit nahezu jedem Land verliert, mit dem es Geschäfte macht, sind Handelskriege gut und einfach zu gewinnen. Zum Beispiel, wenn wir bei irgendeinem Land um 100 Milliarden runter gehen und diese schlau sind und nicht mehr handeln – wir gewinnen viel. Es ist einfach!"

US-Handelsdefizti ohne Öl

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Angesichts dessen, dass das US-Außenhandelsdefizit inzwischen neue Rekordmarken erreicht, ist Trumps Äußerung zwar einerseits nachvollziehbar, doch andererseits würde ein ausgewachsener Handelskrieg der Vereinigten Staaten mit der EU, China und Kanada (sowie mit anderen Staaten, die von den protektionistischen Zöllen betroffen wären) wie ein Bumerang auf die US-Wirtschaft zurückfliegen.

Es ist durchaus möglich, dass Trump dabei auch auf lange Sicht denkt und mit solch einem Handelskrieg die Inflationsrate für die nächsten Jahre massiv in die Höhe treiben will, was angesichts der (nur langsam nachziehenden) niedrigen Zinsen faktisch einer partiellen Entschuldung gleichkäme. Auch würde der US-Dollar massiv unter Druck geraten, was die US-Exportindustrie stärken könnte. Sollte er nach seiner ersten Amtszeit (trotz wahrscheinlich zuerst stark steigenden Arbeitslosenzahlen) wiedergewählt werden, könnte er (wegen der zwischenzeitlich wieder gestärkten Exportunternehmen) die Zölle wieder schrittweise senken und so die Handelskriege wieder entschärfen bzw. beenden.

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Die Frage ist nur: Geht ein solcher Plan auf? Vielleicht, nur ist das eher unwahrscheinlich. Man muss nur einmal die Lage Russlands analysieren. Das Land hat infolge der Sanktionen angefangen früher vom Westen importierte Produkte entweder selbst herzustellen oder aber Ersatzlieferanten zu finden. Ähnlich werden auch jene Länder reagieren, mit denen sich die USA dann im Handelskrieg befinden. Das heißt, US-Unternehmen werden dadurch auch viele Kunden verlieren, was deren Stellung auf dem Weltmarkt gefährdet. Trump macht es sich in diesem Punkt wahrscheinlich zu einfach – wie wohl auch seine Generäle, die sich glorreiche Siege für ihre Feldzüge ausmalen, die jedoch seit Jahrzehnten regelmäßig im Chaos enden.

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