Jedes Jahr fließen Unsummen aus Saudi-Arabien in andere Staaten, um dort Moscheen, Kulturzentren, Schulen und dergleichen zu errichten und zu unterhalten. Der Preis dafür ist hoch: Man lehrt dort den wahhabitischen Islam – Salafismus.

Von Marco Maier

Das wahhabitische Königreich Saudi-Arabien gilt als einer der größten Financiers von Moscheen, Medresen (Koranschulen der Moscheen), Schulen und islamischen Kulturzentren der Welt. Doch mit dem vielen Geld kommen auch wahhabitische (also salafistische) Imame, welche die besonders extremistische Auslegung des Korans predigen und vorleben. Dies führte schon während der letzten Jahrzehnte dazu, dass zuvor eigentlich recht liberale und offene muslimische Gesellschaften – wie z.B. in Indonesien oder Malaysia – zunehmend stockkonservativ wurden.

Ein Beispiel für umfangreiche Saudi-Finanzierungen der jüngeren Zeit: Alleine in Indien kamen von 2013 bis 2015 insgesamt 25.000 saudische Kleriker an, während die Golfmonarchie insgesamt über 250 Millionen Dollar zum Bau von Moscheen und Universitäten ausgab, sowie um Seminare abzuhalten. Im muslimischen Nachbarland Bangladesh, welches in der letzten Zeit immer öfter mit Islamisten zu kämpfen hat, will Riadh dem Vernehmen nach fast eine Milliarde Dollar investieren um 560 neue Moscheen zu bauen – in denen dann natürlich auch der salafistischen Islam gepredigt wird.

Wenn man nun bedenkt, dass viel Geld aus Saudi-Arabien (und anderen arabischen Golfstaaten) nach Deutschland fließt, sieht man, dass nicht nur die mehrheitlich muslimischen Länder betroffen sind, sondern auch jene mit starken muslimischen Minderheiten. Kein Wunder also, dass sich die Anzahl der Salafisten in Deutschland alleine in den letzten fünf Jahre auf rund 10.000 verdoppelte – und es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der radikalen Muslime infolge der Einflussnahme der Araber in Zukunft noch schneller wächst als bisher schon.

Jede Regierung, die eine solche Einflussnahme der Saudis und der anderen Golf-Araber auf die Muslime im eigenen Land zulässt, müsste eigentlich aufgrund von staatsgefährdendem Verhalten zum Rücktritt gezwungen werden. Immerhin sorgen die Wahhabiten bzw. Salafisten nicht nur für eine massive Radikalisierung, sondern auch für gesellschaftliche Probleme. Einerseits sind sie stark missionarisch tätig, andererseits gehen sie auch gegen jene Muslime vor, die sich ihrer Ansicht nach nicht den stregen Regeln des Korans nach ihrer Auslegung beugen. Liberale oder laizistische Muslime, aber auch die Sufis, werden von ihnen massivst bekämpft, weil das in deren Augen ein "Abfall vom wahren Glauben" darstellt, was für sie noch schlimmer ist als einfach nur "ungläubig" zu sein.

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