Maria Zakharova - Sprecherin des russischen Außenministeriums. Bild: rt.com
Maria Zakharova - Sprecherin des russischen Außenministeriums. Bild: rt.com

Russland lässt Gift-Bombe platzen: Keine Hinweise auf einen Stoff Namens Novichock

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums teilt mit, dass es keine Hinweise dafür gäbe, dass ein Stoff Namens Novichock, wie vom Westen behauptet, in der Sowietunion hergestellt worden sei.

Von Viribus Unitis

Gleiches gelte für Russland: Es gebe keine Hinweise darauf, dass ein Stoff oder eine Stoffgruppe dieses Namens hergestellt worden sei. Der Name sei eine West-Erfindung und welcher Stoff es denn sei, sei aktuell völlig unbekannt – wenn es denn überhaupt so einen Stoff gäbe.

Um ein besseres Verständnis für die Sachlage zu bekommen, hier eine Ablaufdarstellung, mit Erklärung des russischen Außenministeriums. Sehr geehrte Leser, bitte haben sie Verständnis dafür, dass wir die englsichen Texte nicht übersetzen – um Verfälschungen zu vermeiden.

Großbritannien: Novichock in Russland in den letzten Jahren produziert, der Einsatz höchstwahrscheinlich von Putin persönlich angeordnet

Diese britisch-russische Gift-Geschichte bekam eine neue Dimension damit, als der britische Außenminister Boris Johnson mitteilte, dass mit überwältigender Möglichkeit die Giftanschlag-Entscheidung vom russischen Präsidenten Putin getroffen worden sei. Im Originalton:

… our quarrel it was Putin´s Kremlin, and with his decision, and we can get overwhelmingly likely that it was his decision, to directly use of a nerve agent on the streets of – of the uk, on the streets of europe, for the first time, since the second world war, that is why …

Dann wurden die Beschuldigungen gegen Russland durch Johnson ausgeweitet:

… about russian stockpiles of chemical weapons. We actually have evidence, within the last ten years, russia has not only been investigating te delivery of nerve agents for the purposes of – of assassination, but has also been creating and stockpiling novichoc. …

Die britische Regierung sagt damit dass sie Beweise für dies alles hätte. Das ist interessant, denn in allen internationalen Erklärungen – von NATO, EU, ja den Briten selbst wird beim angeblich verwendeten Giftstoff immer die Phrase „of a type, developed by russia“ verwendet. Keine der Erklärungen sagt definitiv, dass der verwendete Giftstoff in Russland hergestellt wurde.

West-Medien, Wissenschaftler und Intellektuelle: Novichock eine bekannte Größe aus der Sovietunion

Diese Darstellungen des britischen Außenministers werden von West-Intellektuellen, West-Wissenschaftlern und West-Medien vollinhaltlich gestützt und ergänzt.

Die New York Times stellt am 13. März fest, Novichock sein in Usbekistan hergestellt worden: "Andrew C. Weber, a former assistant secretary of defense for nuclear, chemical and biological defense programs, recalls picking his way through a secret, abandoned Soviet research facility in Nukus, Uzbekistan, which the United States was asked to helped destroy in the early 2000s."

Und weiter: "Dan Kaszeta, a chemical weapons specialist who once served as an adviser to the Secret Service, said the agents were “so shrouded in mystery that I don’t know how many chemical compounds are in the Novichok family."

Der britische Guardian wiederspricht in einem Artikel vom 14. März der New York Times und teilt mit, dass es nur eine Novichock-Fabrik gegeben habe, in Shikany, einem Städtchen mitten in Russland, an der Wolga gelegen, ca. 400 km nördlich von Wolgograd (ehemals Stalingrad):

The nerve agent novichok was developed and produced in Shikhany, home of a military research establishment in central Russia, according to a chemical weapons expert. Hamish de Bretton-Gordon said the information was contained in a report submitted several years ago by Russia to the international body that monitors chemical weapons, the Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW). 

Anne Applebaum am 13. März 2018 in ihrem Artikel "The nerve agent attack on British soil has exposed London´s isolation" in der Washington Post: „Add a new word to your vocabulary: Novichok. It´s a chemical weapon developed in the Soviet Union in the late 1980s, a nerve agent reportedly 10 times more potent than its better-known predecessors.“ Applebaum wörtlich über Novichock weitergehend: „ It's a chemical weapon developed in the Soviet Union in the late 1980s, a nerve agent reportedly 10 times more potent than its better-known predecessors. A Russian scientist who was accidentally exposed to a small amount reported seeing “brilliant colors“ …“

Während andere Kommentatoren die Entwicklung von Novichock als „in den 1980ern“ angeben wurden laut Appelbaum die Arbeiten an Novichock erst 1992 eingestellt – also ein paar Monate nach dem Ende der Sowjetunion. Damit widerspricht Anne Applebaum auch dem britischen Außenminister Johnson, der mitteilte, dieser Kampfstoff sei in den letzten 10 Jahren in Russland wieder hergestellt worden, und Russland habe dahingehend ein umfangreiches Lager (siehe obiges Johnson- Satement).

Russland: Keine Hinweise darauf, dass es Novichock überhaupt gab oder gibt

Im russischen Fernsehbericht unten wird bekanntgegeben, Russland habe die Schließung des britischen Konsulats in St. Petersburg und der British Council verfügt. Damit ist Gleichstand zwischen Russland und Großbritannien hergestellt.

Russland hat in Großbritannien diplomatische Vertretungen in Edinburg und London, also zwei, Großbritannien hatte bisher 3 Standorte, und nach der Schließung von St. Petersburg bleiben noch Jekaterinburg und Moskau als Standort. Moskau hat Gleichstand hergestellt. Das waren die allgemein bekannten Ist-Zustände, was aber dann kam war so nicht erwartet worden.

Der russische Fernsehsender machte dann im Bericht weitergehend ein Interview mit Maria Zakharova. Sie ist die Sprecherin des Außenministeriums. Sie ist eine von 3 Personen – neben dem Außenminister und dem 1. Stellvertretenden Außenminister, die von Präsident Putin persönlich ernannt worden sind. Andere Mitarbeiter des Außenministeriums werden vom Außenminister ernannt. Wenn das russische Außenministerium spricht, so hat es nur zwei Stimmen, den Außenminister selbst, und die 43-jährige Zakharova.

Ab Minute 3:20 stellt der Reporter eine Frage, die sich auf eine Aussage des britischen Botschafters bezog, der britische Botschafter sagte: „London gave Russia a chance to register the substance used in Salisbury with th OPCW, but it wasn´t done.“

Als Antwort erklärt Zakharova, dass man von dieser „Chance“ nichts wisse, dass Russland bisher keine Informationen über Novichock erhalten habe – man kenne nur was im Fernsehen von den britischen Politikern und von den Medien dargestellt wurde.

Ab Minute 4:15 dann eine Sensation. Zakarova erklärt, Novichok sei ein Mysterium, denn dessen Existenz sei nicht nachvollziehbar. Der Name Novichock sei im Westen erfunden worden, nicht in Russland und es gäbe keine Aufzeichnungen darüber, dass in Russland – oder der Sowjetunion – jemals ein Stoff oder eine Stoffgruppe Namens Novichock hergestellt worden sei. Es sei auch kein derartiger Stoff jemals bei der OPCW (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons) registriert worden. Wer oder was Novichock sei wüsste Russland nicht und die Briten würden dahingehend auch keine Antwort geben.

Seltsam sei auch, so Zakharova, dass die Briten den Stoff so eindeutig zordnen könnten, das ginge normalerweise nur, wenn man entsprechende Gegenproben habe. Ohne Gegenproben keine Zuordnungsmöglichkeit. Woher haben die Briten diese Proben, wenn es den Stoff doch so wie dargestellt nie gegeben hat?

Diese Erklärung würde die seltsam anmutende Erklärung des britischen Botschafters über die Registrierung bestätigen und verständlich machen.

Seltsam – und zur russischen Erklärung irgendwie passend. Die Eintragungen über "Novichock" in Wikipedia beginnen im deutschen Wiki ab 16. März 2018, im englischen Wiki ab 18. März 2018. Vorher gab es nichts, erst seit diesem Datum ist dieser Begriff mit Erklärungen dazu online in Wikipedia.

Kann es sein, dass man in der britischen Regierung einfach mal irgendeine Geschichte erfand, dann händeringend nach einem Namen für den Giftstoff suchte, und eine Fernseh- affine Mitarbeiter(in) dahingehend die Novichock- Idee hatte – kann das sein?

Die Eintragungen für Novichock in Wikipedia beginnen ab 16. März 2018 – bei OPCW gibt es keine Registrierung bezogen auf Novichock – Novichock war aber schon vor dieser aktuellen Geschichte bekannt, aus einer amerikanisch-britischen Fernsehserie mit Namen „Strike Back“. In Episode 50 / Erstausstrahlung 21.11.2017, Episode 51 / 28.11.1017 und Episode 52 / 31.01. 2018 wird Novichock erwähnt – hier ein Ausschnitt. Dies hat die US-Seite "Moon of Alabama" noch einmal in Erinnerung gebracht.

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