Protektionismus: Trump international auf Crashkurs

Donald Trump und seine Regierung legen sich in Sachen Zölle und Handel mit der EU, mit Kanada und mit China an. Das kann in die Hose gehen. Das Wort "Handelskrieg" geht immer öfter um.

Von Marco Maier

Momentan geht es vorrangig um Stahlimporte in die USA, doch die Ankündigung Donald Trumps, auf Stahlimporte umfangreiche Einfuhrzölle von pauschal 25 Prozent erheben zu wollen, stößt bei den Handelspartnern in Europa, in Kanada und in China auf massives Unverständnis. Und mehr noch: Immer wieder ist von einem Handelskrieg die Rede. Trumps Versuch, die desaströse Außenhandelsbilanz mit protektionistischen Maßnahmen zumindest schrittweise wieder etwas auszugleichen, könnte so auch in die Hose gehen.

Denn beispielsweise EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker machte klar, dass die EU "nicht tatenlos zusehen" werde, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden." Auch deutsche Politiker von Union und SPD forderten Gegenmaßnahmen in Form von Strafzöllen auf US-Produkte ein.

Aus dem US-Nachbarland Kanada waren ähnliche Töne zu vernehmen. So werde die kanadische Regierung auf die Erhebung solcher Zölle "mit Maßnahmen reagieren, um seine Handelsinteressen und seine Arbeiter zu schützen", wie Außenministerin Chrystia Freeland sagte. Denn gerade beim nördlichen Nachbarn kann man Trumps Stahl-Protektionismus nicht nachvollziehen, zumal die Vereinigten Staaten im bilateralen Stahlhandel mit Kanada einen Überschuss von etwa zwei Milliarden kanadischen Dollar erzielt. "Kanada kauft mehr amerikanischen Stahl als jedes andere Land der Welt, was mehr als die Hälfte der US-Exporte ausmacht", sagte Freeland.

Auch in China sieht man das Ganze kritisch. Bereits vor wenigen Wochen, als erste konkrete Zahlen hinsichtlich der Zölle bekannt wurden, sagte Wang Hejun vom chinesischen Handelsministerium, die USA sollten die Stahl- und Aluminiumimporte nicht "leichtsinnig" mit weiteren Beschränkungen belegen. "Wenn die endgültige Entscheidung der Vereinigten Staaten die Interessen Chinas berührt, werden wir notwendige Maßnahmen ergreifen, um unsere Rechte zu verteidigen", sagte Wang.

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Betrachtet man das Gesamtbild, dann droht der vom Außenhandel abhängigen US-Wirtschaft jedoch ein Desaster, sollte es tatsächlich zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommen. Vor allem jedoch verprellt Trump so auch die engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten – nämlich Kanada und die europäischen Staaten. Zudem kann der desolate US-Staatshaushalt eine Wirtschaftskrise nicht wirklich verkraften. Trump riskiert so in weiterer Linie auch das US-Empire.

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