Die USS John C. Stennis, Flugzeugträger der US-Pazifikflotte. Bild: Flickr / U.S. Navy CC BY 2.0

Aller Versuche zum Trotz, einen Dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen, verlief 2017 nicht so schlimm wie erwartet. Aber: Der politische Spannungsaufbau geht weiter. Bereits in den nächsten Jahren könnte es ordentlich krachen.

Von Marco Maier

Eines ist gewiss: Mit der gegenwärtigen globalen Politlandschaft – und vor allem mit der weiterhin unter der Knute der Finanzoligarchie stehenden westlichen Regierungen – werden die nächsten Jahre noch "interessant". Vor allem die Konfliktherde, die von Washington, London und Brüssel seit einiger Zeit befeuert werden, haben das Potential für einen Weltkrieg. Doch welche dieser Konflikte hat tatsächlich das Zeug dazu, solch einen Weltenbrand zu entfachen?

Nordkorea

Pjöngjang versucht nun seit einiger Zeit das Verhältnis mit Seoul wieder zu verbessern und verzichtete auch auf Raketen- und Atombombentests. In Washington, wo gerade die Neocons eigentlich nur darauf warten, dass Kim Jong Un einen falschen Schritt setzt, stößt dies nicht gerade auf viel Freude. Lieber hätte man eine Eskalation der Lage gehabt, um so die gesamte Koreanische Halbinsel unter Kontrolle zu bringen und mit den eigenen Soldaten bereits direkt an der chinesischen Grenze zu stehen.

Fazit: Es ist durchaus möglich, dass die US-Geheimdienste (allen voran die CIA) versuchen werden, mit Hilfe einer False-Flag-Aktion einen Krieg vom Zaun zu brechen. Da dies jedoch auch Japan, China und Russland beträfe, wäre eine Ausweitung zu einem Dritten Weltkrieg unter Umständen durchaus möglich.

Taiwan

Auch wenn die "abtrünnige chinesische Provinz", wie die Insel von Peking betrachtet wird, derzeit bei vielen Menschen nicht wirklich auf dem Radarschirm auftaucht, so sollte man nicht vergessen, dass das Land insbesondere von der Trump-Administration stark gehätschelt wird. Die Volksrepublik China selbst führt um die Insel herum immer wieder Militärmanöver durch während die Amerikaner umfangreiche Waffendeals mit Taipeh abschließen.

Fazit: Das Risiko eines militärischen Konflikts ist bislang zwar noch relativ gering, doch wenn es eskaliert, dann knallt es richtig. Da weder die Chinesen noch die Amerikaner alleine dastehen, wäre ein Dritter Weltkrieg als Folge durchaus möglich.

Ukraine

Seit dem vom Westen initiierten und unterstützten Maidan-Putsch gehen die Provokationen gegen Russland mit voller Fahrt voran. Kaum ein Tag vergeht, in dem nicht ein ukrainischer Spitzenpolitiker gegen Russland hetzt, ein EU- oder US-Politiker gegen Moskau wettert oder westliche Medien Sanktionen, Strafen und mehr fordern. Gleichzeitig stationiert die NATO immer mehr Kriegsgerät samt Truppen in Osteuropa. Präsident Poroschenko und dessen Regierung sehen sich jedoch auch Ukraine-intern massiven Angriffen gegenüber. Stützt das vom Westen unterstützte Regime, könnten nationalistische Hardliner die Führung übernehmen und in ihrer Überheblichkeit gleich auch noch Russland den Krieg erklären.

Fazit: Auch wenn der Konflikt derzeit als "eingefroren" gilt, reicht schon ein politischer Umschwung in der Ukraine aus, um einen richtigen Krieg gegen Russland vom Zaun zu brechen. Auch wenn das osteuropäische Land kein NATO-Mitglied ist, so darf man davon ausgehen, dass das westliche Kriegsbündnis dann einen Vorwand finden wird, ebenfalls gegen Russland zu marschieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Dritten Weltkrieg eskaliert, ist hierbei recht groß.

Levante & Co

Die Levante (hauptsächlich Syrien, Libanon, Israel, Jordanien und Palästina) und das Gebiet darum herum (Türkei, Irak und Ägypten) ist derzeit ein Hexenkessel. Ob nun der Syrien-Krieg, die Probleme im Irak oder aber auch der Libanon-Disput – durch die Involvierung der Regionalmächte (Türkei, Iran, Saudi-Arabien), sowie Russland, China und NATO, ist die Lage höchst brenzlig. Auch wenn bislang trotz einiger Attacken zwischen den einzelnen Hauptbeteiligten von Außerhalb nach außen hin Ruhe bewahrt wurde, sind neuerliche Eskalationen nicht auszuschließen. Die Türkei dreht (entgegen dem Willen der NATO) ihr eigenes Ding in Syrien und im Irak und immer wieder wird klar, dass verschiedene Kräfte in der Region die Grenzen neu ziehen wollen, was jedoch andere Kräfte zu verhindern versuchen.

Fazit: Aktuell eine der "heißesten" Konfliktregionen der Welt in der auch sämtliche großen Mächte und Bündnisse involviert sind. Aufgrund der extremen Instabilität ist der Ausbruch eines Weltkrieges in der Region durchaus wahrscheinlich.

Persischer Golf

Vor allem Saudi-Arabien und der Iran als wichtigste Regionalmächte liegen sich in den Haaren. Im Jemen wird ein (Stellvertreter-)Krieg geführt, Katar wurde von den Saudis und deren Vasallen in der Region isoliert und im Irak nähert sich die schiitische Regierung Teheran an, während man zu Washington und der NATO zusehends auf Distanz geht. Gleichzeitig bleibt der US-Ton gegenüber dem Iran äußerst scharf, während man den Saudis deren Machenschaften weitestgehend durchgehen lässt. Die Saudis selbst attackieren den Iran derzeit noch verbal, allerdings will man auch in Riadh einen Krieg gegen die Perser nicht ausschließen. Dies würde jedoch nicht nur einen Flächenbrand in der muslimischen Welt verursachen, sondern auch die Verbündeten der einzelnen Staaten mit sich ziehen.

Fazit: Nach der Levante gilt gerade die Golfregion als eine der Favoriten in Sachen Start eines Dritten Weltkriegs.

Conclusio

Klar gibt es auch sonst noch einige Regionen mit Konflikten (z.B. in Lateinamerika oder in Zentralasien, aber auch im Dreieck Pakistan-Indien-China), doch derzeit sollte man sein Hauptaugenmerk vor allem auf diese Länder und Regionen richten. Die Wahrscheinlichkeit, dass von dort aus der nächste große Weltkrieg gestartet wird, ist sehr hoch. Die Frage ist nicht "ob" dies geschieht, sondern eigentlich nur noch "wann" dies der Fall ist. Das haben wir (auch) der herrschenden Politik in den USA und Europa zu verdanken, die anstatt auf Deeskalation zu setzen lieber noch mehr Öl ins Feuer gießt.