Der Großraum Damaskus mit Ghouta. Bild: Wikimedia / MrPenguin20 CC BY-SA 3.0

Ost-Ghouta, eine Islamisten-Hochburg direkt am Stadtrand von Damaskus, ist gefallen. Eine Niederlage nicht nur die die Islamisten, eine Niederlage vor allem für Katar und Europa.

Von Viribus Unitis

Ost-Ghouta war eine Hochburg der von den Moslembrüdern finanzierten Islamisten. Die Moslembrüder wiederum sind eine von Katar finanzierte Organisation, mit der das reiche Emirat seine politische Macht im arabischen Raum sicherstellen will – also eigentlich wollte.

Zu ihren Hochzeiten waren die Moslembrüder – nach dem Arabischen Frühling – in vielen Staaten an der Macht, wurden aber zwischenzeitlich wieder entfernt. Berühmtester Moslembruder war Ägyptens Staatschef Mursi, den die Saudis gegen den Willen Obamas durch den Nicht-Moslembruder aber Saudi-Vertrauten al-Sisi ersetzten.

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Aktuell haben die Moslembrüder nur noch direkten Zugriff auf die letzten Reste ihrer einstigen Macht – und das ist nicht mehr viel. Die Hamas im Gaza-Streifen lebt von Katar-Geld, die West-Libyen-Regierung auch. Dann gibt es noch einiges an Islam-Extremistengruppen, die sich Katar als eine Art „internationale Armee“ hält, und dann ist es auch schon aus. Mehr ist nicht mehr.

Katar ist engster Arabien-Verbündeter Europas – Katars Emir war bei der Sicherheitskonferenz 2018 in München Ehrengast und hielt die Eröffnungsrede. Das Duo Mogherini-Ischinger glaubte offenbar, durch diesen bewussten Schritt die Saudis politisch unter Druck setzen zu können.

Deutschland ist in Bezug auf Saudi-Arabien aktuell ohne Stimme. Saudi-Arabien hat im November 2017 seinen Botschafter aus Berlin abgezogen und seither keinen neuen mehr hingeschickt. Damit hat Saudi-Arabien die Beziehungen zu Deutschland herabgestuft – keine gute Sache für die deutsche Außenpolitik.

Die Sicherheitskonferenz machte damit einen bewussten Affront gegen Saudi-Arabien, denn die Saudis zusammen mit Ägypten, den VAE und anderen arabischen Staaten haben eine Blockade gegen Katar verhängt.

Es war eine klare Botschaft an Saudi-Arabien, sich einzufügen, was diese aber nicht tun, denn die Saudis sind gut integriert. Die Trump-USA stehen voll hinter den Saudis und auch für Russland sind die Saudis erster Ansprechpartner in Arabien – obwohl sie an jeden Waffen verkaufen, der sie will – auch an die Kataris.

Nun hat Katar eine Hochburg in Syrien verloren, was den Saudis und den USA relativ egal ist, aber für Europa eine vernichtende Niederlage darstellt. Nun hat Europa nur mehr die Hamas im Gaza-Streifen und die West-Libyen-Regierung (mit Menschenhandel und mehr). Keine Nobel-Verbündeten, aber wenn man sonst nichts hat, muss man nehmen was man kriegen kann.

Und die Lage für Europa – vor allem für Deutschland – wird nicht besser. Der Iran als nächste Problemzone wartet schon. Der saudische Außenminister im Februar 2018 in einem Interview mit CNBC:

CNBC: I want to kick off by asking you about some comments we heard from America's top National Security Advisor over the last couple of days. He was saying that companies, and European nations like Germany that do business with Iran are essentially writing a blank cheque to the revolutionary Iranian Guard. Do you agree? FM: Yes.

Der saudische Außenminister, der sagte einfach ja. Das sollte Europa zu denken geben, vor allem wenn man sich auch diese Sätze der Saudi-Außenministers liest: We have extremely important and strategic ties with the United States, and have had them for over 80 years. We are developing very strong relations with Russia, and we continue to work on those relations and so our objective is to have the best relations we can with every country.

Europa muss seine außenpolitischen Aktivitäten von Grund auf überdenken und sich neu positionieren, sonst ist es ein isoliertes Nichts im großen Kreis der vernetzten Akteure.

Der Fall von Ost-Ghouta: Hilfe für die Islamisten von Überall, ohne Erfolg

Jene Islamisten die nicht in Ost-Ghouta den Weg zu Allah nehmen wollten, wurden mit Bussen nach Idlib gefahren, einer Provinz an der Grenze zur Türkei, westlich von Aleppo. Bei allen bisherigen Extremisten-Hochburg-Auflösungen gab es das gleiche Muster. Die Russen boten den Islamisten an entweder kämpfend zu sterben, oder man würde ihnen freies Geleit (Handfeuerwaffen dürfen mitgenommen werden) nach Idlib an. Aus vielen ehemaligen Hochburgen wurden so schon Islamisten nach Idlib gefahren – und nun auch aus Ost-Ghouta.

Nun könnte man meinen, wenn schon Idlib durch diese ganzen Sammelfahrten zur Islamisten-Hochburg aufgebaut wurde, dann ist dort ja viel Islamisten- Kampfkraft versammelt. Diese Kampfkraft hätte man doch nutzen können, um im Rahmen einer Idlib-Offensive eine Entlastung für Ost-Ghouta sicherstellen zu könnnen.

Das hätte man tun können, ja, und hat man auch gemacht. Wochen vor der Ost-Ghouta-Offensive hatte man bemerkt, dass die Syrer hier was planen. Um die Syrer anderweitig zu beschäftigen organisierte man eine Offensive aus Idlib, einen Ausfall aus der eingeschlossenen Region.

Die Islamisten machten eine Offensive, die aber nach wenigen Kilometern im Kugelhagel der iranischen Hezbollah und der syrischen und russischen Luftwaffe liegenblieb. Auch das russische Oberkommando hatte mitbekommen, dass hier Action sein sollte und sich vorbereitet. Nach dem Steckenbleiben kam der Rückzug, denn nun gab es einen Vormarsch der Syrien-Verbündeten. Am Ende der Offensive hatten die Islamisten auch noch Gebiete verloren, die sie vorher gehalten hatten.

Israels Luftwaffe flog in den letzten zwei Monaten ständig Luftangriffe gegen die sich massierenden syrischen Truppen im Raum Ost-Ghouta. Ein Flugzeug wurde abgeschossen, mehrere beschädigt, die syrische Armee war mehr oder weniger unbeschädigt. Aus Europa wurde und wird Druck auf Russland gemacht – die britisch-russische Gift-Geschichte – auch das half nichts.

Nun hat Europa seine sorgsam aufgebaute stärkste Syrien-Position verloren. Die Ost-Ghouta-Südfront der Euro-Islamisten war nur ca. 10 km von Assads Palast entfernt gewesen. Nun ist sie weg, und damit auch die militärische Macht Europas und der Katar-finanzierten Moslembrüder. Europa und sein arabischer Verbündeter, Katar, haben eine fürchterliche Niederlage hinnehmen müssen.

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