China bereitet sich auf neuen Kalten Krieg vor

China rüstet auf. Massiv. Peking will sich für einen neuen Kalten Krieg wappnen. Diesen werden die USA wahrscheinlich nicht (mehr) gewinnen.

Von Marco Maier

Die Volksrepublik China gilt – ganz im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten von Amerika – an und für sich außenpolitisch und militärisch nicht gerade als expansiv orientiert. Man setzt in Peking vielmehr auf Handel und wirtschaftliche Beziehungen anstatt auf politische Einmischung, was auch z.B. bei den ehemaligen Kolonien in Afrika goutiert wird. Doch seit der Jahrtausendwende findet ein umfangreicher militärischer Aufbauprozess statt, zumal sich das Reich der Mitte den expansiven Amerikanern nicht als leichte Beute präsentieren will.

Nicht umsonst hat China seit dem Jahr 2000 mehr U-Boote, Zerstörer, Fregatten und Korvetten gebaut aus Japan, Südkorea und Indien zusammen – also jene Staaten in der direkten Nachbarschaft, mit denen es Grenzstreitigkeiten bzw. (insbesondere durch die militärische US-Präsenz) politische Dispute gibt. Die Gesamttonnage der in dieser Zeit in Dienst gestellten Flotte ist sogar deutlich größer als jene, welche die gesamte französische Kriegsmarine besitzt.

Inzwischen, so heißt es, bereitet sich Peking bereits auf einen neuen Kalten Krieg vor, zumal die US-Militärpräsenz in der Region ständig wächst und auch die Satellitenstaaten des US-Imperiums (darunter auch Japan, welches sich von der pazifistischen Verfassung der Nachkriegszeit verabschiedete) ihre Streitkräfte immer weiter modernisieren und aufbauen. Das Hauptziel der Chinesen: Die pazifische Flanke bestmöglich militärisch absichern, während man mittels der "Neuen Seidenstraße" ("One Belt, One Road") die asiatischen Nachbarn möglichst auch als eigene Satellitenstaaten (wenngleich ohne politische Einflussnahme, wie (früher) die Sowjetunion oder die Vereinigten Staaten) aufzustellen versucht.

Schätzungen gehen davon aus, dass China bis zum Jahr 2050 in Sachen militärischer Kapazitäten entweder mit den Vereinigten Staaten von Amerika gleichziehen oder diese sogar überholen wird. Unter Umständen kann dies sogar schon früher der Fall sein, wenn – trotz der derzeitigen Ausweitung der Finanzmittel für das Pentagon – Washington in eine schwierige Finanzlage stürzt. Dieses Szenario ist angesichts der desolaten Haushaltslage (trotz einer relativ robusten Konjunktur ohne größere Krise) durchaus möglich. Da die Aufwendungen für das Militär einen gewaltigen Posten im US-Bundeshaushalt ausmachen, sind Sparmaßnahmen dort dann fast unvermeidlich. Auch deshalb wollen die US-Strategen China möglichst Ketten anlegen.

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Herrscht zwischen dem Westen und Russland faktisch bereits erneut ein Kalter Krieg, so zeichnet sich ein solches Szenario inzwischen auch zwischen den USA, deren pazifischen Vasallen/Alliierten und der Volksrepublik ab. Den Chinesen, insbesondere Präsident Xi Jinping, ist dies durchaus bewusst. Auch deshalb, um sein Land darauf vorzubereiten, ließ er sich eben erst seine Macht einzementieren – da bleibt ihm angesichts der drohenden Gefahr auch gar nichts anderes übrig, um die Zukunft Chinas abzusichern. Aber: Er kann darauf zählen, dass sein Land dadurch wohl den längeren Atem hat und dieses Mal die Amerikaner es sein werden, welche den – also diesen – Kalten Krieg verlieren werden.

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