Der Nervengift-Anschlag auf einen früheren russischen Doppelagenten in Großbritannien riecht förmlich nach einer Geheimdienst-Aktion. Wurde Skripal zum Opfer von MI6 und CIA, um den NATO-Bündnisfall auszulösen?

Von Marco Maier

Vor am 4. März wurden der ehemalige russische Doppelagent Sergei Skripal und dessen Tochter Yulia mittels eines Nervengifts schwerst verletzt und in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank gefunden. Insgesamt mussten 21 Personen wegen den Vergiftungen behandelt werden. Umgehend war für die britische Regierung der Schuldige schon gefunden: Russland.

Denn das verwendete Nervengift, "Novichok" (zu deutsch: "Neuling"), welches in den 1970er-Jahren von den Sowjets entwickelt wurde und von dem es insgesamt rund 100 Varianten gibt, soll eben russischer Herkunft sein. Doch da gibt es ein Problem: Der Entwickler, Wil Mirsajanow, lebt in den USA und verriet den Amerikanern bereits im Jahr 1992 alle Formeln dieses Giftgases, welches bis zu acht mal so wirksam sein soll wie das Nervengift VX.

Hinzu kommt das fehlende Motiv: Warum sollten die Russen einen Doppelagenten töten, den sie 2010 zusammen mit drei anderen westlichen Agenten gegen vom FBI verhaftete russische Spione austauschten? Für Moskau hat er gar keinen Wert. Vielmehr ist es doch so, dass der Mord angesichts der ohnehin grassierenden antirussischen Hysterie im Westen dazu dienen soll, die Stimmung weiter aufzuheizen. Viel eher ist es wahrscheinlich, dass die Geheimdienste Großbritanniens (MI6) und/oder der USA (CIA) das Ganze inszenierten, wie sie auch in der Vergangenheit schon immer wieder mit kriminellen und gefährlichen Aktionen Kriege, Putsche und Revolten auslösten.

Inzwischen geht sogar die Angst um, dass dieser Vorfall sogar zu einem Krieg zwischen dem westlichen Kriegsbündnis NATO und Russland führen könne. Die transatlantisch ausgerichtete "Bild" titelte mit "Angstwort 'Bündnisfall' – Wie gefährlich wird die Gift-Krise für uns?" Denn Premierministerin Theresa May drohte mit "noch weit drastischeren" Maßnahmen gegen Russland, sollte Moskau "keine glaubwürdige Antwort geben". Für sie stellt der Vorfall (ohne auch nur einen einzigen Beweis vorzulegen, wie das im Westen scheinbar üblich ist, wenn man die Giftgas-Einsätze in Syrien betrachtet, bei denen ohnehin immer Assad Schuld ist) "einen gesetzeswidrigen Einsatz von Gewalt des russischen Staates gegen das Vereinigte Königreich" dar. London will dabei auch die NATO mit einbinden.

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Nun stellt sich die Frage: Wird dies ein neues Beispiel von "False Flag" wie bei Pearl Harbor, dem Golf von Tonkin, den angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen und den angeblich getöteten Brutkastenbabies in Kuwait? Möglich erscheint inzwischen leider schon zu Vieles, auch wenn die Wahrscheinlichkeit (noch) zu gering dafür ist, dass die NATO tatsächlich zu einem Angriffskrieg gegen Russland greift.

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