Wladimir Putin und Xi Jinping. Bild: RIA Novosti Kremlin, Mikhail Klimentyev, Presidential Press Service

Die Bilderberger wollten die Welt erobern – nun nicht mehr die Ganze. China und Russland werden als Eroberungsziele aufgegeben.

Von Viribus Unitis

Unter dem Thema “Revise, Rebuild, Reboot: Strategies for a Time of Distrust” wurde die aktuelle Lage der transatlantischen Bilderberg-Gemeinschaft abgehandelt. Die „German Marshall Fund´s“ organisierten die Veranstaltung, die von 8. bis 10. März 2018 in Brüssel stattfand. Josh Rogin berichtet über die Veranstaltung in seinem Washington-Post-Artikel vom 11. März 2018: „The liberal international order mounts a comeback“ (Die Liberale Demokratische Ordnung arbeitet an einem Comeback).

Heftige Kritik an Trump – was sonst – gepaart mit partieller (partieller – sic!) Realitätserfassung, so kann man das Treffen charakterisieren.

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Der Grundtenor passiv: Es gelang nicht Russland und China zu knacken, Russland und China sind nicht zu knacken, und deshalb werden wir sie als Eroberungsziele aufgeben.

Der Grundtenor aktiv: Der Rest der Welt wartet noch darauf, von uns beglückt (also erobert) zu werden. Wenden wir uns dieser Aufgabe mit voller Energie zu! Immerhin, Selbstkritik:  "We lost sight of what it took to create this international order and what an act of defiance of history and even defiance of human nature this order has been. We have the capacity to push back — we just need to understand the pushback needs to start occurring," so meint Robert Kagan, Autor, Politberater und Ehemann der ehemaligen Stellvertretenden US-Außenministerin Victoria Nuland.

Er meint also, dass man mit Rückschlägen bzw. Zurückdrängungen dieser Art rechnen müsse, sie kämen vor. Russland und China solle man vergessen, der Rest der Welt wartet – also los geht’s – auf zum Comeback, auf zum Neustart.

Aufmunterung tut not, und wird gegeben. Jake Sullivan von Carnegie versucht es mit Realismus (alle Hoffnung verloren) zum Optimismus (ein neuer US-Konsens sollte gefunden werden) in Foreign Affairs schreibt er: It is tempting to conclude that all hope is lost. That conclusion, however, is not only unproductive; it is also wrong. In every dimension—from technology to security, development to diplomacy, economic dynamism to human capital—the United States’ advantages are still significant. The opportunity remains to reconstitute the old consensus on new terms.

Man will also weitermachen, unklar ist aber wer dahingehend die Führung übernehmen sollte. Ehemals hatte Hillary Clinton geführt, mit Obama, dann Obama, und mit Trump kam die Tea Party an die Macht, die mit den Bilderbergern nichts am Hut hat – ja eine eigene Kraft bildet, die den Bilderbergern die Macht abnimmt.

Nach Obamas Abgang war Merkel als die wahre Führerin der freien Welt auf den Führungsthron gehievt worden. Nun, nach mehr als einem Jahr ist man klüger. Merkel hat weder das Format, noch hat Deutschland die Macht und Größe um mit Gewicht einerseits die Bilderberger zu führen, und andererseits mit der Macht des Landes international etwas zu bewegen. Merkel bewegt nichts. Weder bewegt Merkel, noch hat Deutschland die Stärke Bewegung zu machen.

Wer sollte also Führen – Teresa May bringt sich gerade in Stellung, mit ihrer Russen-Gift-Geschichte. Aber May ist noch unfähiger als Merkel – und die Briten noch schwächer als Deutschland. Die Bilderberger brauchen eine Führung, aber sollte man eine schwache Merkel durch eine sehr schwache May ersetzen? Keine gute Idee!

Brüssel, gemeint ist die EU, glaubt die Führung übernehmen zu können. PESCO, so meint man, wäre militärisch das richtige Mittel dazu, und schließlich, so meint man auch, sei ja Europa, die EU die größte Wirtschaftsgemeinschaft der Welt, die mit Macht sehr viel vorantreiben könnte. Man wird sehen, wen die transatlantischen Träumer zum Ober-Träumer auserkoren werden.

Die Frage stellt sich nur – wohin wollen die sich noch ausbreiten – die Welt ist besetzt!

Man will also weiter agieren, nur eben Russland und China als „unbelehrbar“ ignorieren. Da stellt sich die Frage, wen will man sonst missionieren?

Die von diesen Aktivisten sehr negativ bewertete Trump-USA ist gerade dabei, eine indo-pazifische Allianz zu schmieden, bestehend aus Indien, Australien, Japan und den USA. Trump hat Indien angeblich eine 100-jährige Partnerschaft angeboten. Diese Länder sind schon mal weg.

Dann die Länder des China-Commonwealth. Grundsätzlich ist BRICS eine China-Commonwealth-Organisation. In Lateinamerika ist das Reich der Mitte mit der China-CELAC seit Jahren sehr erfolgreich aktiv. In Eurasien hat China die Shanghai Cooperation Organisation (SCO) als Umsetzungsorgan.

Ganz Afrika wird von Peking sehr erfolgreich mit der China-FOCAC bearbeitet. China ist in Frankreichs Finanzkolonien in Afrika erfolgreicher aktiv als Frankreich selbst, gemeint ist die CFA-Zone (14 Staaten mehr als 175 Millionen Einwohner – die ärmsten Staaten der Welt gemäß UN-HDI). Werden es die Bilderberger wenigstens schaffen, mit Hilfe von Europas neu geschaffener Militärallianz PESCO die CFA-Zone unter Kontrolle zu bringen? Unwahrscheinlich. Seit Jahren laufen dort Militäraktionen durch Frankreich (Operation Barkhane) und Deutschland (Mali-Einsatz) und es ist keine Beruhigung der Lage in Sicht.

Natürlich, könnte man meinen, diese Bilderberger-Akteure könnten doch in Europa… Europa? Welches Europa? Mit welcher Macht? Das muss man da sofort fragen. Damit sind nicht die Brexit- Briten gemeint, die sind das geringste Problem dabei. 16 EU-Staaten – der gesamte ehemalige Ostblock – mit 110 Millionen EU-Bürgern sind schon Teil des China-Commonwealth, im Rahmen der China-CEEC. In Westeuropa hat China Sonderverträge mit Spanien und Portugal. Portugal ist in China-Macau eingebunden, einer weltweiten Acht-Staaten-Gemeinschaft, in der China die lusophonen (portugiesisch-sprachigen) Länder der Welt versammelt hat.

Des Weiteren ist von Europa bald nichts mehr übrig, Chinas Firmen kaufen Europas Unternehmen en Masse – was bleibt von Europas technolosicher und wirtschaftlicher Macht, wenn die Euro-Techno-Firmen alle chinesisch sind? Was wollen die regieren?

Dass es diese ahnungslose Chaos-Truppe schafft in Lateinamerika, Afrika, China und Eurasien adäquate Organisationen entgegenzustellen ist unwahrscheinlich. Sie werden nicht mal in Europa eine Wirtschafts-Verteidigungspolitik gegen China schaffen.

Welche Zukunft hat also diese Vereinigung. Keine, darf man vorsichtig aber bestimmt prophezeien. Am Kadaver der Bilderberger laben sich längst zwei Aasgeier. Einerseits die Tea Party-Trump-USA und andererseits die China-gesteuerten Davosianer. Streit zwischen Beiden gibt es um die besten Stücke, nicht darüber den Bilderberger-Kadaver aufzulösen.

Die Bilderberger, ein Kadaver, zermahlen zwischen Trumps Tea Party und den China-gesteuerten Davosianern. Ein Zermahlen, dass der Rest der Welt vermutlich mit Erleichterung zur Kenntnis nimmt. Ja – Erleichtung, wenn die Bilderberger ihre Macht verlieren – und zwar deshalb:

Bilderberger an den Rest der Welt: Brav sein oder Knute spüren!

Nun sollte man, wenn man den Rest der Welt erobern will, dem Rest der Welt zeigen was er zu erwarten hat. Das machen die Bilderberger auch. Allerdings, allgemein ist üblich besonders positive Beispiele zu bringen – die Bilderberger verbreiten sehr bewusst mit einer harten Botschaft. Entweder brav sein, oder Knute spüren – so die Botschaft.

Was aktuell mit Russland gemacht wird, ist mit verbrannter Erde so weit als möglich Russland international in die Ecke zu stellen, China auch irgendwie zu isolieren und so im „Rest der Welt“ doch noch erfolgreich zu sein. Die Akteure – getrieben von Größenwahn – haben ein Problem. Mit Ihrer „verbrannten Erde“ – Politik zeigen sie dem „Rest der Welt“ was sie erwartet wenn sie nicht spuren.

Rest der Welt, darunter fallen Staaten wie Indien, Malaysia, Indonesien, und etc. viele mehr. Diesen zeigt man genau, wie man mit ungehorsamen Staaten verfällt – man statuiert ein Exempel. So ein Exempel kann zwei Wirkungen haben: Zum Einen die Angst des Zielstaates und dessen Unterordnung unter die harten Aktionsstaaten.

Es kann aber auch dazu führen, dass sich Zielstaaten sagen, mit denen keinesfalls, lieber unter Knute von Russen oder Chinesen, aber niemals mit diesen US-Euro-Brutal-Akteuren. Dann hat man im Rahmen des Kampfes um den Rest der Welt umso größere Hindernisse zu überwinden.

Über die Bilderberger wird man sich bald keine Gedanken mehr machen müssen, denn die haben sich zwischenzeitlich mit ihrer „Verbrannte-Erde-Politik“ beim Rest der Welt selbst überwunden. Und scheinbar hat sich noch keiner der Teilnehmer mit dem größten Gegner auseinander gesetzt, und der heißt China Commonwealth!

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