Albanien will rasch in die EU

Brüssel dürfe den Balkan nicht vernachlässigen, so der albanische Premierminister. Er spielt dabei auch die Russland-Karte aus. Er erwartet baldige EU-Beitrittsverhandlungen.

Von Redaktion

Mittels einer Art "moralischer Erpressung" versucht Edi Rama, der albanische Premierminister, die EU dazu zu drängen, sein Land möglichst rasch aufzunehmen. Denn: "Es wäre nicht gut für die EU, den Balkan als Grauzone zu belassen, in der dann Dritte mitreden würden", so der Politiker gegenüber der "Welt", der auch die Russland-Karte ausspielt.

"Man sollte auch nicht vergessen, dass wir bereits NATO-Mitglied sind. Es ist paradox, dass wir nicht in der EU sind. Man hat ja nicht zuletzt in Montenegro gesehen, wohin die russische Beeinflussung führen könnte. Eine Anti-NATO- oder Anti-EU-Regierung ist durchaus eine realistische Möglichkeit." Dabei ist derzeit vor allem der Einfluss der Türkei und der arabischen Staaten am zunehmen, während Moskau sich ja eher auf die slawischen Staaten konzentriert. Aber die "Russland-Karte" zieht immer, wird er sich denken.

Rama erhofft sich die Aufnahme baldiger Beitrittsverhandlungen mit der EU. So habe Albanien inzwischen sämtliche Auflagen der EU-Kommission erfüllt, darunter auch eine umfassende Justizreform: "Ehrlich gesagt: Ich glaube, wir könnten mit den Beitrittsgesprächen inzwischen begonnen haben, denn wir haben die Verpflichtungen erfüllt. Die wichtigste war die Justizreform, deren Umsetzung schwierig war. Wir mussten dazu unsere Verfassung ändern, das ist nichts Alltägliches."

Weiters habe man die Grenzkontrollen verschärft um die Auswanderungswelle in die EU zu minimieren.  Vor allem Frankreich hatte darauf gedrängt, da die Zahl albanischer Asylbewerber dort 2016 stark gestiegen war. Rama kritisierte allerdings, dass Albaner im Vergleich zu anderen Balkanbewohnern schlechter gestellt seien: "Das Verfahren ist nicht fair: Es gab im vergangenen Jahr 50.000 Kroaten, die ihr Land verlassen haben. Aber die zählt niemand, denn sie sind halt EU-Bürger. Sie suchen sich woanders einen Job, und das gilt als normal. Wenn unsere Leute das machen, müssen sie Asyl beantragen, denn sie haben keinen Zugang zum EU-Arbeitsmarkt."

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