Volksparteien? Von wegen!

CDU, CSU und SPD werden gerne als Volksparteien bezeichnet. Doch das sind sie absolut nicht (mehr).

Von Marco Maier

Deutschland hat rund 83 Millionen Einwohner. Davon sind rund 72 Millionen auch Staatsbürger und rund 61,5 Millionen auch wahlberechtigt. Das heißt: Will man die relative Größe der Parteien als Gradmesser verwenden, geht man auf die Bevölkerungsgruppe der wahlberechtigten Staatsbürger zu. Das ist die einzig relevante Zahl in diesem Zusammenhang.

Bedenkt man, dass mit Ende 2016 sowohl CDU/CSU als auch SPD mit jeweils rund 575.000 bzw. 433.000 Mitgliedern zusammen gerade einmal etwa 1,6 Prozent aller Wahlberechtigten als Mitglieder für sich gewinnen konnten, erscheint der Terminus schon nicht mehr wirklich passend. Zum Vergleich: In Österreich kommt alleine die ÖVP (auch Dank der Bünde) laut dem "Kurier" auf 500.000 Mitglieder, während die SPÖ mit 180.000 Mitgliedern im Vergleich zur SPD auch viel besser dasteht. Das heißt auch, dass die beiden österreichischen "Volksparteien" (wenn man die FPÖ aus Vergleichsgründen weglässt) mit 680.000 Mitgliedern bei 6,4 Millionen Wahlberechtigten immerhin rund 10,6 Prozent der erwachsenen Staatsbürger vertreten.

Da darf man sich durchaus die Frage stellen, ob man CDU/CSU und SPD tatsächlich noch als "Volksparteien" bezeichnen soll. Bis zur Wende 1989 mag das vielleicht noch ansatzweise der Fall gewesen sein. Immerhin hatte die SPD damals noch mehr als 921.000 Mitglieder, während CDU und CSU immerhin noch 848.000 Mitglieder verzeichnen konnten. Zusammen also in etwa 1,77 Millionen – und das bei 45,77 Millionen Wahlberechtigten! Damals waren also fast 3,9 Prozent aller Wahlberechtigten noch Mitglied von Union oder SPD.

Insofern braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn diese drei Parteien zusammen inzwischen bei den Umfragen schon unter die Fünfzig-Prozent-Marke fallen. Und wenn man bedenkt, dass die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl im Bereich von 75 Prozent herum liegt, heißt das auch: Schlussendlich können diese "Volksparteien" auch nur noch auf gerade einmal rund ein Drittel der Wahlberechtigten zählen – und selbst das wird noch als "Große Koalition" verkauft. Aber die Verarsche funktioniert offenbar problemlos.

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