Tillerson will IS-Sponsoren für Irak-Aufbau gewinnen

Die arabischen Golfstaaten sollen den Wiederaufbau des Iraks mitfinanzieren, um den Einfluss des Irans zu reduzieren. Das sind Mafiamethoden.

Von Marco Maier

In Sachen Wiederaufbau des Iraks gehen die Amerikaner sprichwörtlich vor, wie die lokale Mafia, welche nachts die Fensterscheiben einschlägt und sie dafür dann am nächsten Tag repariert. Denn die US-Regierung unter Führung von Außenminister Rex Tillerson will die Partner des Golfkooperationsrats (GCC), namentlich Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, für den Wiederaufbau des durch den "Islamischen Staat" erneut verwüsteten Iraks gewinnen.

So heißt es in einem Reuters-Artikel: "Die Vereinigten Staaten führen die Koalition und hoffen nach dem dreijährigen Kampf zur Niederschlagung der Milizen, dass es in großen Teilen auf die Golf-Alliierten zählen kann, um die Last des Wiederaufbaus des Iraks zu schultern und eine Wiederannäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Irak, um so den Einfluss des Irans im Land abzuschwächen, welches von einer schiitisch geführten Regierung regiert wird". Weiter heißt es, dass Spender und Investoren sich in Kuwait trafen um den Aufwand zum Wiederaufbau der irakischen Volkswirtschaft und der Infrastruktur des Landes zu diskutieren.

Allerdings konstatierte bereits im Jahr 2014 der britische "Telegraph", dass "unsere Alliierten in Kuwait und Katar" den "Islamischen Staat finanzieren". So schrieb man damals: "Das Bargeld des Islamischen Staates wurde mit der stillschweigenden Genehmigung und manchmal mit der aktiven Unterstützung von deren Regierungen in Kuwait und Katar gesammelt oder dort durchgeleitet."

Dabei war doch schon seit langem klar, dass insbesondere die westlichen und arabischen Regierungen und Geheimdienste, sowie jene der Türkei, daran arbeiteten, die "schiitische Expansion" – insbesondere in Syrien – zu stoppen. Dafür war man sogar bereit, ein "salafistisches Fürstentum" in Ostsyrien (Hasaka und Deir Zor) zu etablieren, um der syrischen Regierung zu schaden. Dies zeigt ein Memo der US Defense Intelligence Agency (DIA) aus dem Jahr 2012, welches später an die Öffentlichkeit gelangte.

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Die Kriege im Irak und in Syrien waren eigentlich Stellvertreterkriege, die gegen den Iran gerichtet waren und die starke Rolle der Perser in diesen Ländern schwächen sollten. Doch anstatt dies zu erreichen, ist nun genau das Gegenteil der Fall: Sowohl in Damaskus als auch in Bagdad sieht man Teheran als treuen und wichtigen Verbündeten an. Und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Denn die irakische Regierung wird sich ganz gewiss davor hüten, jene Staaten als Investoren ins Land zu holen, welche mit ihrem Terror-Sponsortum dazu führten, dass das Land beinahe in drei Teile zerfallen wäre. Die Amerikaner wird man zwar so schnell nicht wieder los, doch auch Washington gegenüber wird das politische und gesellschaftliche Klima wieder deutlich rauer. Der IS mag zwar weitestgehend besiegt sein, doch dessen Sponsoren kreisen wie die Geier um den Irak.

 

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