Täuschten Merkel und Seehofer ihre Parteien mit Hilfe der Meinungsforschungsinstitute?

Nach vorliegenden Daten scheint es so zu sein, dass Merkel ihre CDU und Seehofer seine CSU mit jeweils optimierten Meinungsforschungsergebnissen getäuscht hatten, um ihre politische Linie nicht zu gefährden.

Von Viribus Unitis

Durch diesen Manipulationsmechanismus gelang es dem auf Merkel-Kurs aktiven Seehofer den auf Franz-Joseph-Strauß-Kurs aktiven Söder unter Kontrolle zu halten. Die Umfragen machten den skeptischen Söder, der schon seit ein, zwei Jahren heftig gegen Seehofers Merkel-Kurs agitierte, zum polternden Idioten. „Was will er denn, für die CSU ist doch alles in Ordnung“ – so stellten es die Umfragen dar, und so verteidigte auch Seehofer seinen Merkel-Kurs.

Ebenso in der CDU wurde mit dem gleichen Mittel der rechte Flügel ruhig gestellt. Man legte dem rechten Flügel dar, dass deren Ängste und Besorgnisse völlig unbegründet seien, die CDU habe für den Merkel-Kurs eine breite Wählerbasis. Der rechte Flügel wurde als Schwarzseher ohne Polit-Verständnis diffamiert.

Doch die CSU-Ortsgruppen schlugen Alarm, der Kurs gehe so nicht, und auch die Anrufe in der CSU-Hotline waren ähnlich. Doch beide Warninstrumente, die Ultra-Alarm signalisierten, wurden durch die Meinungsforschungsinstitute neutralisiert. Die Meinungsforschungsinstitute teilten mit, alles sei in Ordnung.

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Nur das für die Bild-Zeitung arbeitende INSA-Insitut aus Erfurt – es machte 2 Tage vor der Wahl die korrekteste Prognose für die Wahl – sah die Sachlage anders. Pech für die CSU, dass bei der CSU jene Gruppen die Meinungsforschungsinstitute lenkten, die den Seehofer-Kurs wollten. Der Bayerische Rundfunk hat als Haus-Meinungsforscher Infratest-Dimap, und Sat1- Bayern die auch von der CSU beauftragte GMS.

Die Institute taten wohl alles, um Seehofer mit seinem Merkel-Kurs gegen Söder und seinen Realistenkurs zu stärken. Am Wahltag kam dann das böse Erwachen – für Seehofer. der die Lügen der Umfrageinstitute geglaubt hatte weil er sie glauben wollte, für Seehofer und dessen Merkel-Kurs-Anhänger in der CSU – aber auch in der CDU.

Die Umfragen für die CSU für Bayern zeigten Seehofer – und dem dazu skeptischen Söder – dass für die CSU alles in Ordnung sei, ja sie sogar im Laufe des Jahres zugelegt hatte. War noch im Jänner 2017 von Kantar in SPD-Auftrag die CSU mit 42 Prozent gelistet worden, so steigerte sich die Partei bezogen auf Infratest-Dimap (Umfrage in BR-Auftrag) auf 47-48 Prozent.

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Die Haupt-Umfrager in Bayern war jedoch die GMS, im Auftrag von Sat1 Bayern. GMS war und ist aber auch direkt für die CSU aktiv, und zwar auch für die Hans Seidel Stiftung. Direkt anschließend an die 42 Prozent von Kantar attestierte GMS der CSU 44-45 Prozent, ließ sie dann auf 47-49 Prozent steigen, und prognostizierte der CSU in einer Umfrage vom 14-20.09. 2017 – also 4 Tage vor der Bundestagswahl – ein Ergebnis von 47 Prozent. Wobei die CSU diese 47 Prozent als Niedrigstwert ansahen, schließlich hatte GMS noch im Juli 49 Prozent festgestellt, und in der Umfrage vor der finalen, Anfang September, wurden der CSU 48 Prozent prognostiziert.

Auch die nicht speziell in Bayern umfrangenden Institute konnten ihre sehr optimistischen CDU-CSU-Gesamtprognosen nur mit einer Überbewertung der CSU darstellen. Infratest-Dimap hatte 7 Tage vor der Wahl CDU und CSU 37 Prozent zugeordnet (Wahl = 32,9), GMS 3 Tage vor der wahl ebenso diese 37 Prozent, die Forschungsgruppe Wahlen 3 Tage vor der Wahl bei 36 Prozent, wie auch FORSA. Von beiden Instituten wurden allerdings noch 1-2 Monate vorher 38 – 40 Prozent prognostiziert worden. Emnid war bei 35 Prozent, hatte 1-2 Monate vorher aber ständig 38-39 Prozent für die Union prognostiziert.

Das war nicht nur Hilfe für den schwer unter Druck und auf Merkel Kurs agierenden Seehofer, sondern auch Hilfe für die schwer unter Druck agierende Merkel, die ihren Kritikern jeweils mit den neuesten Umfragen darstellte, dass die Lage doch so dramatisch gar nicht ist. Dass die Lage tatsächlich noch schlimmer war – und ist – wie sie selbst die pessismistischsten CDUler sahen, zeigte der Wahlabend.

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Auch in der CDU wurde mit gleichem System der rechte Flügel ruhig gestellt, ja als ahnungslose Schwarzseher diffamiert. Dass Generalsekretär Tauber, für Umfragen in der CDU hautzuständig, gleich nach der Wahl – erst 43-jährig – einer schweren Krankheit anheim fiel scheint Zufall zu sein (aufgeopfert für den Wahlkampf?).

Dass Tauber nun zurückgetreten ist, scheint krankheitsbedingt – oder doch nicht. Hat der rechte Flügel der CDU erkannt, dass er vom Generalsekretariat mit „optimierten" Umfrageergebnisse getäuscht worden war – und das über eine lange Zeit? Wurde Tauber untragbar? Beim politischen Aschermittwoch war Seehofer auch krank – nur mehr Söder da, der seine schlimmsten Befürchtungen durch das Wahlergebnis bestätigt erhalten hatte.

Nun, nach der Wahl, braucht man offensichtlich die wahren Umfrageergebnisse nicht mehr „optimieren“. Nun prognostiziert GMS der CSU realistische 36-39 Prozent, auch INSA hatte Mitte Dezember für die BILD in Bayern prognostiziert und für die CSU 37 Prozent ermittelt. Normalerweise müsste sich die CSU „völlig verarscht von der GMS“ fühlen. Normalerweise müsste in der CDU das gleiche Gefühl gegen alle Umfrageinstitute herrschen.

Und auch die anderen Institute sind nun im Bezug auf die Union partiell realistischer – partiell!. Betrachtet man die letzten 2 Monate so kamen die Merkel-freundlichen Institute auf Merkel-freundliche Umfragen. Emnid, 33-34 Prozent, Infratest-Dimap und Forschungsgruppe Wahlen auf jeweils 31-33 Prozent, GMS auf 32 Prozent und FORSA auf 31-34 Prozent.

Nur Umfrage-Desperado INSA tanzt aus dieser optimistischen Merkel-Reihe und attestiert dem Unions-Patienten CDU und CSU eine hin und her gerissene Wählerbasis. Höchstwert der letzten zwei Monate war 33,5 Prozent, Niedrigstwert war 29,5 Prozent. INSA zeigt ein heftiges Wähler-hin und her zwischen CDU und AfD, was CDU und CSU verlieren, bekommt die AfD hinzu.

Die CDU-CSU-Gesamtergebnisse lagen bezogen auf die Umfragen um mehr als 4 Prozent partiell daneben. Die GMS hatte noch 3 Tage vor der Wahl der CSU um mehr als 8 Prozent mehr Wählerstimmen prophezeit, als sie dann bekam. 47 prophezeite zu 38,8 bekommenen. Um mehr als 8 Prozent danebenliegen – so wie es GMS tat – das ist nicht in der normalen Schwankungsbreite von Umfragen, die normalerweise bei 2-3 Prozent liegt. Das ist alles zuviel – das ist "optimiert".

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Dies zeigt die infatile Denkweise, die bei Merkel und Ihren Akteuren im Bundeskanzerlamt herrscht, und die auch bei Seehofer und seinen Merkel- Akteuren herrschte. Man glaubte, wenn man die Umfragen nur nicht in Ihrer wahren Realtiät zur Kenntnis nehmen würde, dann würde sie auch nicht eintreten – als Wahlergebnis.

So ein Verhalten kennt man normalerweise von Kindern die sich oder das Corpus Delikti verstecken, wenn sie etwas angestellt haben. Kinder haben nocht nicht den Überblick dahingehend, dass Realitäten nicht verborgen werden können. Erwachsene – Merkel, Seehofer und ihre Akteure – sollten derartiges schon wissen, sind aber offensichtlich charakterlich zu schwach, um dies so zu bearbeiten, wie Erwachsene dies bearbeiten sollten.

Merkel und Seehofer sollten alte Meister lesen, wie den alten Aristoteles, der da meinte: Einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken heißt, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen. Und weiter gilt Martin Luther, der da meinte, „Die Lüge ist wie ein Schneeball – je länger man sie fortwälzt, desto größer wird sie.“

Söder, der die Wahrheit die ganze Zeit ahnte mag sich mit Albert Schweizer trösten, der schon vor Jahren erkannte: Es ist das Schicksal jeder Wahrheit, vor ihrer Anerkennung ein Gegenstand des Lächelns zu sein.

Und für die Union, also CDU und CSU als Ganzes, gilt was schon Robert F. Kennedy erkannte: Fürchtet nicht den Pfad der Wahrheit, fürchtet den Mangel an Menschen, die diesen gehen.

Datenbasis: Wahlrecht Bund und Wahlrecht Länder.

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