Zusammen mit den Saudis haben die westlichen Geheimdienste versucht, vereinzelte Proteste im Iran zu einem großen Aufstand zu konvertieren. Doch das ist gnadenlos gescheitert.

Von Marco Maier

Als Ende Dezember des letzten Jahres in mehreren iranischen Städten Menschen auf die Straßen gingen um dort gegen Fehlentwicklungen im Land zu protestieren, sahen die Feinde der iranischen Regierung schon einen "iranischen Frühling" heranziehen. Erwartungsgemäß musste die Intervention der westlichen (und saudischen) Geheimdienste zur Schaffung eines landesweiten Aufstands scheitern.

Wer waren denn jene, die tatsächlich auf die Staßen gingen? Einerseits die "verwestlichte Jugend" des nördlichen Teherans, die immer wieder Untergrundparties feiern und ein völlig verzerrtes Bild von den Vereinigten Staaten von Amerika haben. Diese zogen nahe der Universität von Teheran durch die Straßen und zerbrachen dort Fenster und fackelten Autos ab. Andererseits gibt es noch die Anhänger des autokratischen und von Washington unterstützten Schahs, die in Sprechchören "Reza Shah! Reza Shah!" riefen. Und nicht zu vergessen die sich selbst als "Islamo-Marxisten" bezeichnende Terrorgruppe Mujahadeen E-Khalq (MEK), die ebenso ihre Unterstützer losschickten.

Hinzu kamen lokale Separatistengruppen – wie von den Kurden und den Balutschen – die ebenfalls die Gunst der Stunde nutzten und zudem insbesondere von den Saudis unterstützt werden. Diese können sich nämlich auch bis zu einem gewissen Maße darauf verlassen, bei den sunnitischen Gruppen im Iran auf positive Resonanz zu stoßen.

Vor allem jedoch: Anstatt – wie gewünscht – die Regierung in Teheran zu schwächen oder gar zu stürzen, steht vor allem Präsident Hasan Rohani heute stärker da denn zuvor. Der als Reformer geltende Staatschef, der sich immer wieder im Clinch mit den radikalkonservativen schiitischen Mullahs befindet, weil dieser – so die "Prinzipalisten" – ja die "Islamische Revolution unterminieren" würde, konnte sich schlussendlich profilieren.

Denn Rohani ließ offiziell verlautbaren: "Die Menschen sind absolut frei darin, die Regierung zu kritisieren und zu protestieren, aber die Proteste sollten so vonstatten gehen, dass sie die Lage im Land und deren Leben verbessern … Kritik unterscheidet sich von Gewalt und der Zerstörung öffentlichen Eigentums … Die Probleme zu lösen ist nicht einfach und wird Zeit benötigen. Die Regierung und das Volk sollten sich gegenseitig helfen um die Probleme zu lösen."

Damit machte der iranische Präsident deutlich, dass die Regierung durchaus kein Problem mit Protesten und Kritik hat, jedoch mit Gewalt und Zerstörung. Eine klare Ansage, die auch in den liberalen Kreisen auf Zustimmung stößt – doch gerade auf diese Kreise zählt Washington, wenn es um den Sturz des erzkonservativen Mullah-Regimes geht. Das Ergebnis ist also eigentlich genau das Gegenteil dessen, was man sich beim US-Establishment und in Jerusalem erhofft hat.