Während die Menschen in den ärmeren Ländern eine Verbesserung der Lebensumstände erkennen können, sieht es in den Industriestaaten schlecht damit aus. Den Millenials geht es nicht wirklich besser als ihren Eltern.

Von Marco Maier

Einer großangelegten Umfrage in mehreren Ländern der Welt zufolge fühlen die Menschen durchaus die wirtschaftlichen Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten ereignet haben. Doch während gerade die ärmeren Länder offenbar eine Verbesserung der Lebensumstände erlebten, scheint dies in den entwickelten Ländern nicht der Fall zu sein.

Millenials Lebensumstände Umfrage

Die obige Grafik verdeutlicht, das allgemeine Bild. Während in China 78 Prozent der Menschen denken, dass die heutige Jugend ein besseres Leben haben als ihre Eltern und nur sieben Prozent dies verneinen (15 Prozent sehen keine wirklichen Veränderungen), glauben beispielsweise in Frankreich nur zehn Prozent, dass es die heutige Jugend besser habe als deren Eltern. Wobei dort dürften vor allem die Zuwanderer einen positiven Wandel sehen. Im Gegenzug sehen 71 Prozent der Franzosen für die heutigen Jugendlichen schlechtere Lebensumstände.

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Zum Vergleich: In Deutschland liegt das Verhältnis bei 32 zu 46 Prozent. Das heißt, offenbar sind die Lebensumstände auch für die jungen Menschen in Deutschland nicht mehr so gut wie sie es für die Eltern waren. In Schweden, welches in den letzten Jahren massive demographische Verschiebungen erlebte, sieht es nicht besser aus: 27 Prozent sehen für die Jugendlichen eine Verbesserung während 34 Prozent eine Verschlechterung sehen. Mit 39 Prozent an Menschen, die glauben die Lage sei in etwa gleich geblieben, weist das nordeuropäische Land den höchsten Wert diesbezüglich auf.

Aber das ist noch nicht alles. "Bloomberg" berichtet unter Berufung auf eine Untersuchung der Denkfabrik "Resolution Foundation", dass Millenials (also jene, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden) im Alter von 30-34 Jahren im Schnitt ein um vier Prozent niedrigeres Haushaltseinkommen haben als jene der "Generation X", also jenen Menschen die zwischen 1965 und 1980 zur Welt kamen. Besonders interessant: Während diese "Generation X" in den untersuchten Ländern (Norwegen, Großbritannien, Finnland, Dänemark, USA, Deutschland, Italien und Spanien) in diesem Altersbereich durchwegs ein höheres Einkommen vorweisen konnten als die "Babyboomer" (geboren zwischen 1946 und 1965), sieht es bei der "Generation Y", also den sogenannten "Millenials", deutlich anders aus.

In Norwegen beispielsweise haben sowohl die "Generation X" (+35 Prozent) als auch die "Generation Y" (+13 Prozent) im Alter von 30 bis 34 Jahren ein deutlich höheres Einkommen und auch in Großbritannien (+54 und +6 Prozent) und Finnland (+27 und +5 Prozent) sieht es für die jüngeren Generationen also besser aus. In Dänemark sieht es mit +13 Prozent zumindest für die "Generation X" nicht so schlecht aus, während die Millenials ein Minus von einem Prozent bei ihrem Haushaltseinkommen haben.

In den Vereinigten Staaten (+11 Prozent zu -5 Prozent), Deutschland (+5 Prozent zu -9 Prozent) und Italien (+8 Prozent zu -17 Prozent sieht es schon schlechter aus. Ganz schlimm hat es hingegen die Spanier erwischt: Verzeichnete die "Generation X" infolge des starken Wirtschaftswachstums noch ein starkes Einkommensplus von 62 Prozent gegenüber den "Babyboomern", müssen die Millenials hingegen infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2007/2008 ein sattes Minus von 30 Prozent verkraften.

Wie man es auch dreht und wendet: Gerade die jungen Menschen in den westlichen Industriestaaten haben es nicht wirklich leichter oder besser als die früheren Generationen. Klar gibt es auch Ausnahmen, aber die Zeiten des starken Wirtschaftswachstums und des Arbeitsüberangebots sind vorbei – und sie werden angesichts der Automatisierung auch nicht so schnell wiederkommen.

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