Gute Bomben – schlechte Bomben

Das Gezeter um die syrische Stadt Ghouta und die Todesopfer dort ist groß. Aber auch nur deshalb, weil es keine US-Bomben waren, welche dort Menschen töteten. Doch: Wer hat den Syrienkrieg erst losgetreten?

Von Marco Maier

Vorweg, ganz am Anfang: Gibt es so etwas wie "gute" und "schlechte" Bomben? Eigentlich nicht. In jedem Krieg sterben Zivilisten und Soldaten die in den Konflikt von Eliten hineingezogen werden, obwohl sie ziemlich sicher keine große Lust dazu haben, sich auf dem Schlachtfeld Kugeln und Granatsplitter einzufangen. Doch in unseren Konzernmedien spielt das keine Rolle.

Nein, vielmehr ist es dort ein wichtiger Faktor, wer nun Bomben abwirft und wer irgendwelche Zivilisten dabei tötet. Man muss sich nur einmal die Schlacht um die Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul erneut ins Gedächtnis rufen. Rund 4.000 Kämpfer des IS hatten sich dort verschanzt und dabei rund Hunderttausend Zivilisten quasi als Geiseln und lebende Schutzschilde benutzt. Wie blutig das Ganze war, zeigen schon folgende Zahlen: Laut der US-Botschaft in Bagdad starben dabei 1.400 irakische Soldaten, 7.000 weitere wurden verwundet. Auch rund 100 US-Soldaten fielen dort, weitere 500 wurden verwundet. Der damals zuständige US-General, Stephen J. Townsend, sagte damals gegenüber der New York Times: "Es war der härteste Kampf den ich in 35 Jahren miterlebte – Es war Falludscha auf Steroiden." Dass dabei – nach offiziellen Angaben – nur 112 Zivilisten getötet wurden, erscheint jedoch als höchst unwahrscheinlich, zumal auch die IS-Milizen dort Zivilisten abschlachteten.

Doch all diese Toten – genauso wie jene Zivilisten, die bei der Befreiung von Raqqa durch die Kurdenmilizen und US-Truppen starben – waren den Konzernmedien kaum eine Träne wert. Notwendige Opfer eben, um die Stadt von den bösen Islamisten zu säubern. Dasselbe Spiel wird gespielt, wenn die US-Streitkräfte (oder deren Verbündete) Krankenhäuser und Schulen bombardieren. Das ist halt so, kann man nicht ändern.

Lesen Sie auch:  Kreml: Russisch-polnische Beziehungen auf Tiefstpunkt

Wehe aber, wie nun im Falle von Ost-Ghouta aber auch an sonstigen Kriegsschauplätzen – beispielsweise die syrischen Regierungstruppen oder die russischen Streitkräfte bei ihrem Einsatz gegen die Dschihadisten Zivilisten töten, dann ist das mediale Geschrei groß. Doch wenn in der Stadt rund 400.000 Zivilisten leben und dann bei den Gefechten innerhalb von drei Tagen offenbar rund 400 von ihnen getötet wurden, dann ist das in deren Augen eine Gräueltat.

Loading...

Doch in einem Krieg sterben nun einmal nicht nur Soldaten, sondern eben auch Zivilisten. Ein Umstand, der sich leider nicht verhindern lässt, wenn man sich auf eine militärische Auseinandersetzung einlässt. Und wenn man bedenkt, dass der ganze Syrienkrieg von Anfang an von den Amerikanern und ihren nahöstlichen Verbündeten (siehe hier) eingefädelt wurde, dann gehen auch diese Toten – wenngleich sie nicht durch US-Waffen starben – auf die Kappe Washingtons, Langleys, Riads & Co.

Und jene im Westen, in Politik und Medien, die angesichts des hohen Blutzolls nun einen Aufschrei nach dem anderen loslassen, sollten sich zuerst einmal Gedanken darüber machen, wem man diese Todesopfer nun tatsächlich zurechnen sollte. Und als kleiner Hinweis am Rande: Es sind nicht die syrischen Regierungstruppen, die russischen Soldaten oder jene des Irans.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...