Weil in Europa eine Grippewelle grassiert, fordert die EU-Kommission die Bürger dazu auf, sich und die Kinder impfen zu lassen. Der Gesundheitskommissar will die Impfraten in der EU generell massiv erhöhen.

Von Marco Maier

Obwohl die Grippeimpfung Studien zufolge (wir berichteten bereits hier und hier) weitestgehend ineffektiv und nutzlos ist, fordert die EU-Kommission die Bürger dazu auf, sich und ihre Kinder gegen den Influenzavirus impfen zu lassen. "Ich appelliere an alle Bürger in der Europäischen Union, sich selbst und ihre Kinder impfen zu lassen. Damit schützt man nicht nur die eigene Person, sondern auch die Mitbürger", sagte der zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis der "Welt".

Dabei forderte er die Menschen dzau auf, den "Mythen und Fehleinschätzungen über Impfungen nicht zu glauben". Impfungen seien eine "wichtige Maßnahme zur Erhaltung der öffentlichen Gesundheit und sollten eine Selbstverständlichkeit sein", so der Litauer. Ungeachtet der ganzen anderslautenden Studienergebnisse betonte er, dass Impfungen gegen Grippe jetzt besonders wichtig seien.

"Wir befinden uns derzeit mitten in der Grippezeit und viele EU-Staaten berichten über überdurchschnittliche viele Krankenhausaufenthalte infolge von Grippeerkrankungen", so Andriukaitis. Der Gesundheitskommissar verwies mit Bezug auf aktuelle Zahlen der EU-Agentur für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) darauf, dass jedes Jahr 40.000 Menschen in der EU, Liechtenstein, Island und Norwegen frühzeitig durch Komplikationen sterben, die mit dem Ausbruch einer Grippe in Verbindung stehen. "Wir sind 2018 noch weit entfernt von dem EU-Ziel, dass 75 Prozent der älteren Menschen gegen Grippe geimpft sein sollten", so Andriukaitis.

Da fragt man sich, in wessen Auftrag der angebliche Gesundheitskommissar handelt, zumal beispielsweise eine Studie der University of Minnesota (UM) darauf hinweist, dass insbesondere ältere Menschen gar keinen Nutzen durch die Impfung gegen den Influenzavirus haben. Es stellte sich nämlich in dieser Metastudie – in der 12.000 Studien, Dokumente und Notizen der letzten 80 Jahre – heraus, dass gerade für jene, die das höchste Risiko für ernsthafte Grippefolgen aufweisen (ältere Menschen), zugleich die geringste Wahrscheinlichkeit gilt, aus der Impfung irgendeinen Nutzen zu ziehen. Nicht zuletzt liege das daran, dass sich Grippeerreger permanent verändern und auf diese Weise immer noch gefährlicher (virulenter) werden.

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Laut der Studie, die im Jahr 2011 im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, können bestenfalls nur 1,5 von 100 Erwachsenen, die eine Impfung gegen die Grippe erhalten, es tatsächlich vermeiden, an der Grippe zu erkranken. Da auch nur 2,7 von 100 Erwachsenen – unabhängig davon, ob sie eine Impfung erhielten oder nicht – überhaupt die Grippe bekommen, ist der Nutzen einer Impfung laut dieser Untersuchung statistisch gesehen eher zu vernachlässigen.

Der EU-Kommissar kündigte einen Vorschlag seiner Behörde bis zum Sommer an, um die Zusammenarbeit der Mitgliedsländer bei der Verbesserung von Impfraten zu stärken. Ziel sei dabei, "eine nachhaltige Impfpolitik in der EU umzusetzen". Es stünden viele Leben auf dem Spiel, betonte Andriukaitis: "Wir müssen unsere Bemühungen verstärken, um die Impfraten zu erhöhen." Dies könne nicht einigen wenigen Ländern überlassen werden. "Viren und Bakterien reisen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie zu einem EU-weiten Problem werden."

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