Trondheim, Norwegen.
Trondheim, Norwegen.

Norweger zu Trump: „Warum sollten wir kommen?“

Donald Trump will mehr Europäer, namentlich Norweger, in die USA einwandern sehen. Aber die wollen gar nicht dort hin.

Von Marco Maier

Eben erst forderte US-Präsident Trump eine Änderung der Immigranten-Struktur, indem er sagte: "Warum sollten wir all diese Leute aus Afrika hier haben wollen? Das sind Drecksloch-Länder… Wir sollten mehr Menschen aus Norwegen haben". Dies führte insbesondere bei der politischen Linken zu einem Aufruhr und zu Rassismus-Vorwürfen gegen das US-amerikanische Staatsoberhaupt.

Doch bei den Norwegern scheint man nicht gerade sehr erpicht darauf zu sein, in die Vereinigten Staaten von Amerika auszuwandern. Immerhin gilt das skandinavische Land als eines der reichsten der Welt, dessen Pensionssystem zudem von der staatlichen Ölindustrie mitfinanziert wird. Zudem gibt es im Gegensatz zu den USA einen gut ausgebauten Sozialstaat und umfangreiche Arbeitnehmerrechte, sowie hohe Einkommen.

Das Ergebnis: Während noch im 19. Jahrhundert hunderttausende Norweger in die USA auswanderten (und dafür sorgten, dass insbesondere in den nordwestlichen Bundesstaaten viele US-Amerikaner norwegische Wurzeln haben), zogen im Jahr 2016 laut der norwegischen Statistikbehörde gerade einmal 502 der rund 5,3 Millionen Einwohner in das "Land of the Free". Im Jahr 2015 waren es auch nur 561 Norweger, die es über den "großen Teich" zog.

Als die norwegischen Statistikbehörde in einem Tweet fragte, ob nach der Aussage Trumps mehr Norweger in die USA ziehen würden, war die Ablehnung durchaus zu spüren. So wurde gefragt, warum ein Norweger in die Vereinigten Staaten ziehen sollte, wo die Wahrscheinlichkeit erschossen zu werden viel höher ist, wo mehr Menschen in Armut leben, keine Gesundheitsversorgung erhalten weil sie arm sind und keinen bezahlten Elternurlaub erhalten.

In einem anderen Tweet hieß es sarkastisch: "Lustig dass Norwegen kein Drecksloch-Land ist, ungeachtet dessen, dass es dies begrüßt was Trump offensichtlich verabscheut: hohe Steuern, großer Staatseinfluss, liberale gesellschaftliche Werte, irgendetwas Sozialismus-Ähnliches".

Ein Norwegen-stämmiger Amerikaner schrieb: "Meine beiden Eltern kamen aus Norwegen, Gott lasse ihre Seelen ruhen. Wenn sie heute noch am Leben wären, würden sie es besser wissen. Sie wären in Norwegen geblieben oder hätten ein Land ausgesucht das weniger ein Drecksloch-Land ist. Zum Beispiel Simbabwe."

Im Grunde genommen ist es so, dass Menschen ihre Heimat dann verlassen, wenn sie sich in ihrem Zielland eine bessere Zukunft erwarten. Von Norwegen in die USA auszuwandern ist für die meisten Menschen dort eher ein Abstieg. Noch. Denn die aktuellen Entwicklungen lassen durchaus den Schluss zu, dass das Land (wenngleich auch nicht so schnell wie Schweden) bereits in ein paar Jahrzehnten auf dem Niveau eines Schwellenlandes sein könnte. Immerhin findet dort auch eine massive Zuwanderung in die Sozialsysteme statt und die Neuankömmlinge – zumeist aus Afrika und dem Nahen Osten – zeigen auch kaum Anstalten, sich in die Gesellschaft und das Arbeitsleben dort integrieren zu wollen.