Ein Wasserhahn in der Küche.

Ein Bericht erschüttert derzeit die USA: Mehr als 170 Millionen Amerikaner erhalten radioaktiv verseuchtes Trinkwasser aus der Wasserleitung. Hierbei handelt es sich vor allem um Radium.

Von Marco Maier

In einer großangelegten Untersuchung deckte die "Evironmental Working Group" (EWG) auf, dass mehr als 170 Millionen Amerikaner Leitungswasser erhalten, welches radioaktive Elemente enthält, die das Krebsrisiko dramatisch erhöhen. Dabei wurden von 2010 bis 2015 insgesamt 50.000 öffentliche Wasserversorgungssysteme quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika untersucht. Das Ergebnis: Mehr als 22.000 wiesen hierbei erhöhte Werte von Radium auf.

Radium selbst ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Element, welches jedoch vor allem infolge von Uranabbau und den Bohrungen nach Öl und Gas an die Erdoberfläche geholt wird. Dabei findet laut der EWG ein Ionisierungsprozess statt, der das Krebsrisiko noch weiter erhöht.

Laut dem Bericht fand die EWG in 258 öffentlichen Wasserversorgungssystemen die rund 276.000 Amerikaner in 27 Bundesstaaten versorgen Konzentrationen von Radium 226 und Radium 228, welche die in den USA geltenden Höchstwerte überschreiten. Allerdings sind die in den Vereinigten Staaten geltenden Trinkwasser-Standards bereits 41 Jahre alt und entsprechen schon längst nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Der Bundesstaat Kalifornien hat seine Standards angepasst und inzwischen in etwa hundert mal strengere Richtlinien eingeführt als sie in den restlichen Bundesstaaten nach Bundesrecht gelten. Nach diesen Standards sind es mehr als 170 Millionen Menschen, die mit zu hohen Dosen an Radioaktivität durch das Leitungswasser konfrontiert werden. Die leitende wissenschaftliche Beraterin der EWG, Olga Naidenko, sagte dazu: "Millionen Amerrikaner trinken Wasser mit potentiell schädlichen Levels von radioaktiven Elementen, aber die veralteten Bundesstandards bedeuten, dass viele Leute gar nichts über das Risiko wissen, wenn sie ihren Wasserhahn aufdrehen".

Die nachfolgende Karte (interaktive Version hier) für 1.850 kommunale Wasserversorgungssysteme die jeweils mehr als 10.000 Menschen versorgen und 1.620 solcher Versorger die zwischen 3.301 und 10.000 Kunden haben, verdeutlicht das ganze Ausmaß der radioaktiven Trinkwasserverseuchung in den Vereinigten Staaten:

Doch es stellt sich nun die Frage: Sorgt dieser Bericht dafür, dass sich etwas daran ändert? Wohl kaum. Profit geht nämlich über die Gesundheit.