Maurer

In der Nachkriegszeit hielten die Reallöhne mit der Produktivität mit. Doch dann, in den 70ern, kam der große Umbruch. Warum?

Von Marco Maier

Für rund dreißig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Welt für die breite Masse der Bevölkerung wirtschaftlich und finanziell in Ordnung. Die Reallöhne hielten mit der Produktivitätsentwicklung Schritt und dadurch konnte auch der einfache Arbeiter vom wachsenden Wohlstand der Gesellschaft profitieren. Eine gute Zeit für die breite Masse.

Doch dann, in den 1970er-Jahren, kam der große Schnitt. Das folgende graphische Beispiel aus den Vereinigten Staaten zeigt dies eindrücklich auf:

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Wie man deutlich erkennt, hat sich die Produktivität des produzierenden Sektors mit Basis 1973 (=100) bis zum Jahr 2010 verdoppelt. Die Reallöhne der Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe? Sie sanken sogar leicht und liegen seitdem stets unter dem Niveau des Basisjahres.

Vergleicht man dies mit der Entwicklung des realen Haushaltseinkommens, wird klar, wer am meisten von der Entwicklung ab Mitte der 1970er profitierte: Die oberen Einkommensschichten. Diese verdienen nicht nur in absoluten Zahlen deutlich mehr, auch die Wachstumsraten bei den Einkommen sind deutlich höher als bei jenen, die nur ein niedriges Einkommen erhalten. Dies zeigt die nachfolgende Grafik:

Nun kann man natürlich damit beginnen, verschiedene Dinge dafür verantwortlich zu machen. Zinssätze, Geldpolitik, Globalisierung, Automatisierung, das Internet… Partiell mag dies zutreffen. Doch wenn man genau hinblickt, liegt dies vor allem an einer Werteverschiebung. Gerade in den USA (und mit etwas Zeitverzögerung auch in Westeuropa abseits Großbritanniens).

Denn lange Zeit galt in den Vereinigten Staaten die Devise, dass man den "ehrlichen, hart arbeitenden Amerikaner" auch solide Entlohnen muss. Der Arbeiter musste seinen Anteil an der Wertschöpfung erhalten. Das gebot die Ethik, die nationale Moral. Und dann? Dann kam die Gier. Man könnte sagen, erst kam die moralische Veränderung, damit die soziale und infolge dessen die politische – bis es dann auch das Wirtschaftsleben traf.

Nicht mehr die Arbeit sollte zu Wohlstand führen, sondern der Besitz. Rendite, Zinsen, in den Himmel wachsende Managergehälter und dergleichen wurden opportun. Doch der zunehmende Griff der oberen Schichten in die reale Wertschöpfung führte dazu, dass den einfachen Arbeitern immer weniger blieb – und diese teilweise sogar zwei oder drei Jobs haben müssen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen.

Doch gerade den Ökonomen sollte klar sein, dass der Konsum auf Dauer nicht stärker wachsen kann als die Einkommen. Aber gerade die unteren Einkommensschichten sind jene, die einen deutlich größeren Anteil ihres verfügbaren Einkommens in den Konsum stecken (müssen) als jene, die über sehr hohe Einkommen verfügen. In den Vereinigten Staaten ist das sehr extrem ausgeprägt, doch auch in Europa (gerade in Deutschland und Österreich) geht es seit einiger Zeit in genau die selbe Richtung.

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17 KOMMENTARE

  1. Gut erkannt.

    Daran wird auch deutlich, wie verlogen die Propaganda der Altparteien ist, wenn behauptet wird, die Renten seien nicht mehr zu bezahlen.

    Tatsächlich ist die heutige Produktivität bzw. das BIP 300 % dessen, was wir 1970 hatten – die Deutsche Bevölkerung ist hingegen nahezu gleich geblieben – nur die Wirtschaftsflüchtlinge sind mehr geworden.

    1970 waren die Renten sicher – und heute mit einem drei mal so hohem BIP sollen sie es nicht mehr sein? Das ist glatter Betrug!

    ————————————————–

    Wie sehr die heutigen Reallöhne im Vergleich zu den 60ern und 70ern gesunken sind kann man auch daran erkennen, dass ein Maurer damals mit seinem Lohn eine Familie ernähren und ein Haus bauen konnte.

    Heute kann er bei einer Zeitarbeitsfirma mit Stundenlohn von 11,40 € noch nicht mal mehr die Miete für die Familie bezahlen und muß seine Frau noch arbeiten schicken.

    Und selbst einen solchen Ausbeuterjob bekommt er vielfach noch nicht mal, da die Regierung die Grenzen öffnet, damit die Zeitarbeitsfirmen Polen, Albaner und Ukrainer hier nach Deutschland reinkarren können, da man diese mit noch niedrigeren Löhnen ausbeuten kann. Arbeitsstellen-Diebstahl!

    Welch schändlicher Volksbetrug!

    Deutschland braucht keine neue Groko – Deutschland braucht einen radikalen Systemwechsel!

    •  

      Die große Blase wird bald platzen,

      viele tun jedoch noch ratzen.

      Ein bunter Luftballon das ist's gewesen,

      der Herrgott kommt bald mit dem Besen.

  2. Also so wie ich das sehe korreliert das mit dem Treffen von Bretton Woods und der Abkehr vom Goldstandard. D.h. ab hier wurden die Arbeiter nicht mehr mit realen Werten (Gold) entlohnt, sondern nur noch mit Papiergeld. Während die Industrie einfach bei Inflation die Preise anhebt ist der Arbeitnehmer bei dieser Entwicklung auf der Strecke geblieben. Als logische Konsequenz müsste man also eine Rückkehr zu Goldstandard fordern. Würde mich mal interessieren wie das Andere hier sehen?

    • Gold ist nicht nötig, da es ja nur ein Symbol für reale Werte ist.

      Die realen Werte, die eine Familie für ein Leben in Wohlstand braucht sind Haus, Auto, Nahrung usw.

      Folglich ist es völlig hinlänglich, die Geldmenge konsequent annähernd äquivalent zum BIP zu halten. Gold braucht kein Mensch. Geld ist ja nur ein Symbol für die Wertschöpfung – ein weiteres Symbol wie Gold ist völlig überflüssig.

      Geldmengen-Diziplin – darum geht es.

      Dafür ist es unabdingbar, dass das Volk die Geldmenge kontrolliert. Deshalb muß das Recht auf Geldschöpfung sowie die Kontrolle über die Zentralbank ausschließlich in der Hand des Volkes liegen -und nicht bei Bankstern oder korrupten Politikern.

  3. Wie haben die Trottel geheißen die die Deutschen so lieben? Willy Brandt und Helmut Schmidt.

    Der Rest ist leider nicht besser….

  4. Guter Artikel Herr Maier👍

    Mal die Entwicklung der US Militärausgaben über den obigen Chart legen. 😉

    Bretton Woods wurde ja bereits als Bremsklotz für das Imperium identifiziert.

  5. Paradigmawechsel .

    Konnte man bis in die 1970er Jahre mit guter Arbeit gutes Geld verdienen , sind extreme Arbeitsbedingungen ( Jobunsicherheit, Flexibilisierung, Arbeitskräfteeinsparung, exzessive Konkurrenz, Willkür) die Basis für den Einzelnen, in der neoliberalen Marktwirtschaft überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben .

    Blackrock&Co dominieren das Geld der Welt und damit die Politik . Ein Beitrag dazu aktuell von Jens Berger in den "Nachdenkseiten" .  Und wenn dies eine gute Analyse ist , verweigern Autoren wie Jens Berger die Schlußfolgerung , dass die Zerstörung der Staaten und Kulturen durch z.B. Massenzuwanderung nur ein Teil des Konzeptes des Internationalen Kapitals ist .

  6. Geiz ist geil!!!!!

    Im Fernsehen laufen Serien über Superreiche und klein Erna und der Michel schauen in die Welt der Reichen und Schönen.

    In der Bundesrepublik Deutschland kam der großer Einschnitt, als Willy Brandt zum Kanzler wurde und mit als erstes für seine Wiederwahl die Renten- und Sozialkassen plünderte. Offiziell mit Darleen wurden immense Gelder entnommen, die die Sozialkassen bis heute eigentlich Bankrott gemacht haben.

    Diese Gelder wurden verwendet um eine bestimmte Bevölkerungsschicht auf die Ziele der politischen Eliten einzuschwören und in einem besonderen Stand zu erheben.

    Im Zusammenhang mit der Ölkrise findest an, dass die Einkommen des durchschnittlichen Arbeitnehmer drastisch gesenkt wurden und die Einkommen gerade des öffentlichen Dienstes und der Eliten drastisch gestiegen ist.

    Diese Umverteilung ist natürlich geplant und das Ziel von einigen wenigen Menschen in der Welt, um deren Macht und Reichtum zu mehren und zu sichern sowie über Werbung und Schaffung neuer Moral neue Konsumenten zu bilden.

    Die von den Eliten geplante Bewegung des Feminismus ist einzig und allein in dieser ausgeprägten Form geschaffen wurden, um zum einen die Familie zu zerstören und zum anderen neue Konsumenten mit eigenem Einkommen und eigener Welt zu schaffen.

    Mit der Zerstörung der Familie wurde schon ab den Sechzigern die Basis geschaffen, die heute zu den Gutmenschen führt und die derzeitigen Verhältnisse geschaffen haben.

  7. Sehe ich anders, der große Bruch kam mit dem Teuro, von da an ging es bergab !

    Vorher zu D-Markt Zeiten konnte noch JEDER Familienvater seine Familie alleine ernähren – was jetzt nicht mehr möglich ist und von daher die Mütter mitarbeiten müssen was zu Folge ist – Geburtenrückgang ! 

    Aber genau das ist ja gewollt – die traditionellen Familien – Vater,Mutter,Kind sollen kaputt gemacht werden…….und das auch dadurch das die Mütter alle mitarbeiten sollen- diese Doppelbelastung ( arbeiten, Haushalt und Kindererziehung) aber viele Frauen und Ehepaare davon abhalten – Kinder in die Welt zusetzen. 

    Was Deutschland braucht, sind gute Löhne von denen Familien leben können und eine GUTE Familienpolitik die nicht alle Mütter praktisch zwingt mitarbeiten zu müssen ( zu mindestens die ersten 3 Jahre eines Kindes ) .

    Für mich ein Unding – Kleinkinder unter 3 Jahre in eine Kita stecken zu müssen !!!!!

  8. Nachtrag: 

    Wir haben doch nur einen Geburtenrückgang weil Familien oder diejenigen die Familien gründen wollen – statt ent- immer mehr belastet werden ( durch zu hohe Steuern und Abgaben und schlechte Löhne). 

    • Kommt drauf an, man muss sich nur gleich nach der Schule entscheiden. Möchte man ein Kind muss es eine fundierte Ausbildung sein, möchte man zwei ist eigetlich schon ein Studium Pflicht. Ab drei braucht man sich die Mühe nicht machen und läßt es gleich mit dem Arbeiten, weil man dann eh auf H4 Niveau ist.

  9. Ab zwei ist eigentlich schon ein Studium Pflicht !?

    Unsinn !!!

    50% brechen ihr Studium wieder ab, und das nur weil in der heutigen Zeit jeder meint studieren zu müssen. 

    Es gibt mehr als genug gute Berufe wo nicht ein Studium erforderlich ist – nur werden die nicht gefördert……..

     

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