Sind die ganzen Kursexplosionen nur das Resultat von Spekulation, Gier und billigem Zentralbankgeld?

Von Ernst Wolff

Zehn Jahre nach dem Beinahe-Zusammenbruch des globalen Finanzsystems gleicht die Wirtschafts- und Finanzwelt erneut einem Spielcasino. Der Grund: Die zur Rettung des Systems erzeugten und zu immer niedrigeren Zinssätzen vergebenen Geldmengen sind zum überwiegenden Teil nicht in die Realwirtschaft, sondern in den Finanzsektor geflossen.

Da das Geld von den Zentralbanken nicht verschenkt, sondern verliehen wird, haben wir es gegenwärtig mit der weltweit höchsten Verschuldung aller Zeiten zu tun. Und weil der größte Teil des Geldes in die Spekulation wandert, erleben Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkte zurzeit einen Kursrekord nach dem anderen.

Der Run auf die Krypto-Währungen

Die dadurch entstandene Stimmung an den Börsen führt einerseits dazu, dass immer neues Geld geliehen und eingesetzt wird, um am vermeintlichen Goldrausch teilzuhaben. Andererseits wird fieberhaft nach neuen Möglichkeiten gesucht, um vor dem Ende des Rausches noch weitere Gewinnmöglichkeiten zu schaffen.

Besonders erfolgreich sind dabei Geschäftsmodelle, die Investoren dazu bringen, die Kurse durch gegenseitiges Überbieten auf immer neue Rekordstände zu treiben. Ein extremes Beispiel hierfür bieten die Krypto-Währungen, allen voran Bitcoin.

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Bis vor einiger Zeit lehnten die Banken die Krypto-Währungen noch rundheraus ab. Sie fürchteten, die zugrunde liegende Blockchain-Technologie (die direkte Übermittlung eines geldwerten Datensatzes vom Absender zum Empfänger ohne den Weg über die Banken) könnte das Bankwesen überflüssig machen. Inzwischen aber haben die Banken ihre Strategie geändert und versuchen, am Bitcoin-Rausch mitzuverdienen. Selbst die Chicagoer Börse wird in das Geschäft einsteigen und zum Jahresende Bitcoin-basierte Derivate anbieten.

Das zeigt aber nur, dass der Spekulationswahn inzwischen keine Grenzen mehr kennt. Bei Bitcoin und anderen Krypto-Währungen handelt es sich nämlich keinesfalls um Währungen (also Gewährleistungen für einen Wert), sondern um künstlich erschaffene Spekulationsobjekte, die an keinen realen Wert (also einen mit Hilfe von menschlicher Arbeit erzeugten Gebrauchsgegenstand wie zum Beispiel eine Edelmetall-Münze) gebunden sind.

Ein Blick in die Geschichte

Es lohnt sich, zum Verständnis der Zusammenhänge auf die historische Entstehung von Währungen zurückzublicken: In grauer Vorzeit wurden auf Märkten ausschließlich Waren gegen Waren getauscht. Da das mit der Zeit zu aufwändig wurde, wurden Edelmetalle in Form von Münzen als Tauschmittel eingesetzt. Später wurde das Papiergeld eingeführt.

Sowohl Münzen, als auch Geldnoten hatten eines gemein: Sie repräsentierten reale Werte. Allerdings ermöglichte die Einführung des Papiergeldes die Erzeugung von mehr Geld als in Wirklichkeit durch Waren gedeckt war – die Geburtsstunde der Inflation. Sie führt dazu, dass sich die Kaufkraft der einzelnen Münze oder des einzelnen Geldscheines verringert, wenn ungedecktes neues Geld in Umlauf gebracht wird.

Seit der Einführung des elektronischen Zahlungsverkehrs sind der Geldschöpfung endgültig keine Grenzen mehr gesetzt. So sind seit der Krise von 2008 von den Zentralbanken weltweit zwischen 14 und 16 Billionen US-Dollar an ungedecktem neuen Geld geschaffen worden und zu einem großen Teil direkt ins Finanzcasino geflossen.

Im Finanzsektor werden keine Werte geschaffen

Hier aber liegt der Hund begraben: Im Finanzsektor werden nämlich keine Werte geschaffen. Hier wechselt nur Geld den Besitzer. Da das ganze System aber kreditgetrieben ist, wird zur Bedienung von Zinsen und zum Abtrag von Schulden ständig neues Geld benötigt. Wegen der seit Jahren weitgehend stagnierenden Weltwirtschaft und der daher sehr geringen Wertschöpfung springen seit 2008 die Zentralbanken ein und schaffen neues Geld – ohne jeden materiellen Gegenwert.

Dieser künstlich angeheizte Kreislauf führt zwangsläufig zu einer Entwertung des Geldes und schlussendlich in die Hyperinflation. Bisher zeigt sich diese – wegen der (vor allem durch die Austeritätspolitik bedingten) geringen Massenkaufkraft – allerdings kaum im Alltag, dafür aber umso mehr an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten, an denen die Kurse boomen.

Dass Bitcoin und die andere Krypto-Währungen gerade jetzt einen solch gigantischen Aufschwung erleben, liegt vor allem daran, dass sie die letzte und höchste Form der Finanzspekulation darstellen: Hatten Derivate ("abgeleitete" Finanzprodukte) zumindest noch einen indirekten Bezug zu realen Werten, so handelt es sich bei Krypto-Währungen um absolut synthetische Erzeugnisse, die nichts, aber auch gar nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun haben.

Krypto-Währungen sind also nichts anderes als die ultimative logische Konsequenz der Explosion des Finanzsektors. Je nachdem, wie lange das gegenwärtige auf totaler Manipulation durch die Zentralbanken basierende Finanzsystem noch existiert, kann ihr Kurs noch weiter in die Höhe schnellen und immer neue Rekorde aufstellen. Das zeigt aber nicht, wie wertvoll die Krypto-Währungen sind, sondern beweist, wie wenig unser Geld in Wirklichkeit noch wert ist.

Sobald das zurzeit noch mit Mühe von den Zentralbanken aufrecht erhaltene Kartenhaus des globalen Finanzsystems in sich zusammenfällt – und dazu wird es mit hundertprozentiger Sicherheit kommen – werden Bitcoin und Co. sowie der Rest der künstlichen Finanzprodukte auf ihren tatsächlichen Wert reduziert werden. Und dieser liegt – wegen der nicht vorhandenen Deckung durch einen realen Wert – bei Null.

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9 thoughts on “Der Spekulationswahn und die Krypto-Währungen”

  1. Guter Artikel über eines der brisantesten Themen und den grössten Witz unserer Zeit.

    Wer genau diese Krypto-Währung geschaffen hat kann keiner definitiv sagen…Künstliche Intelligenz, Robin Hood, die Russen, die Chinesen…??? Hier wird im Grunde das Börsen-Casino mit seinen primitiv gewinnstrebenden Spielsüchtigen richtig vorgeführt, aber auch die Banken und "Wärhungshüter", welche sich immer noch darüber echofieren, dass es sich bei der Krypto-Währung ja nicht um eine tatsächliche Währung in Münzen und Geldscheinen handelt…und das bei allen Diskussionen um die Abschaffung des Bargeldes und in Anbetracht dessen, dass auch die geläufigen Staatswährungen zu 90 % nur digital existieren?! Das gesamte Bankensystem hat eine Schein-Finanzwelt aufgebaut, welche durch die "Tulpenzwiebel" Bitcoin richtig vorgeführt bzw. offensichtlich wird…und offenbar weder von den (Rothschild-) Zentralbanken noch von den Staatstheatergruppen kontrolliert werden kann.

    Welches geniale menschliche oder künstliche Hirn diese Krypto-Währung auf den Börsen-Spieltisch gebracht hat, hat die einen Zeitzündervirus in das Finanzsystem eingepflanzt, den alle geldgeilen Banker und Eliten bereitwillig in ihr System geladen haben und weiterhin laden werden…bis der "Knopf" gedrückt wird und dann kannst Du nur noch Hase gegen Messer tauschen!

    1. Gut zusammen gefasst ! 🙂

      p.s.: Wenn´st dich in dem Thema Finanzwelt auskennst und du dir das ansiehst, hauts dir als Homo Sapiens, also als denkender Mensch, sowieso den Kuckuck raus ^^

      lol…eigentlich müsste ich alle meine Lehrbücher zum Thema Wirtschafts-u. Finanzbasics verbrennen wenn ich mir aktuell die Zentralbanken und die Kryptos ansehe . Mittlerweile ist ja unser ganzes "Geld" eine reine Luftnummer aber Krypto setzt dem noch eins drauf ^^

    2. Bin nicht sicher ob nicht eine der internationalen Grossbanken hinter Bitcoin steht . Es ist die breite und ungemein professionell PR, die Bitcoin ausmacht .  PR auch in allen MSM .

      ….. Die Kontrolle über die Spielregeln behalten, das Spiel dominieren .

       

       

       

       

       

  2. Der Wert der Einkommen der Bevölkerung hängt von der Konstanz der Geldmenge im Verhältnis zur Wertschöpfung ab, folglich muß die Bevölkerung immer im Besitz/Eigentum der Zentralbank sowie der Geldschöpfung sein.

    Andernfalls besteht die Gefahr, dass Bankster, oder Politiker, welche sich die Kontrolle über die Zentralbank/Geldschöpfung verschafft haben die Einkommen der Bevölkerung durch Geldmengenmanipulation vernichten.

    Bitcoins haben den gleichen Systemfehler wie das heutige Fiatmoney – sie stehen nicht unter der Kontrolle der Bevölkerung, folglich besteht auch hier die Gefahr des Betrugs.

    Man darf schon mal Wetten darüber abschließen, wann die nächste Skandal-Meldung kommt, dass Bitcoin-Besitzer auf einmal ihr Vermögen verloren haben.

    Das ganze stinkt sehr stark nach einem Betrugsmodel.

    Erst die Leute anlocken, täuschen und dann hereinlegen – immer die gleiche Masche.

  3. Ein wirklich guter Artikel.

    Oft hört man von (möglichen) Anlegern in Kryptowährungen, dass sie etwas haben möchten, wenn das herkömmliche Geldsystem kollabiert.

    Der Artikel sagt treffend, was sie dann haben, nichts.

    Die Herausgeber der Kryptowährungen werden dann schon längst ihre Gewinne in andere, solide Anlagemöglichkeiten transferiert haben.

    Das, einschließlich der umfassenden Werbung in den Medien und Info-Veranstaltungen, erinnert mich an die Schneeballsysteme vergangener Jahrzehnte. Eben nur, dem Zeitgeist entsprechend, auf modern getrimmt. Wurde früher nur an die Komponente menschliche Gier appelliert, kommt heute noch die Angst hinzu.

    Beide sind keine guten Ratgeber, da sie dominant die Logik unterdrücken.

     

    1. Allein die Fragestellung, wie etwas was es gar nicht gibt sich binnen 3 Monaten im Wert verdoppeln kann, sollte selbst einen Baumschüler aufhorchen lassen!

      Niemand, der noch nicht dement ist, würde instinktiv nur einen müden Cent hergeben, wenn er als Gegenleistung einen Code aus Nullen und Einsen auf einem unbekannten Rechner irgendwo in dieser Welt eingetragen bekommt. Einfach nur irre !

        1. Der kleine Unterschied ist, dass die Bank (oder deren Automat) mir auf Verlangen für "die Zahlen am Bildschirm" bare Münze ausspucken muss – gesetzlich verpflichtet (derzeit noch!)

          Aber wer gibt mir was für einen BitCoin? Nur jemand, der noch dämlicher ist als ich und dieses virtuelle Irgendwas unbedingt von mir haben will. Ich muss mir demnach selber einen Deppen suchen, der einen Wert in dieser künstlichen Zahlenkolonne sieht.

          Und "mein Vertrauen" in buntes Euro-Klopapier ist kein substanzielles oder gar natürliches. Nein! Eher ein pragmatisches. Lediglich die Tatsache, dass wir alle per Gesetz verpflichtet sind diese Dinger als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel anzuerkennen – also alle im selben Boot sitzen – verschafft eine gewisse Akzeptanz, 

          Der Goldschmied Fabian ist verpflichtetes Grundlagenwissen. Dennoch Danke!

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