Ukrainische Schrottreaktoren: Droht Europa ein neues „Tschernobyl“ in der Ukraine?

Der Winter naht und das ukrainische Energiesystem wird wieder stärker belastet. Inzwischen warnt man schon vor der Gefahr eines neuen Nukleardesasters in Zentraleuropa. Die GAU-Wahrscheinlichkeit bis 2020 liegt bei 80 Prozent!

Von Marco Maier

Laut Analysten vom "Energy Research & Social Science" (ERSS) gibt es eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent, dass es bei einem der ukrainischen Atomkraftwerke zu einem "ernsthaften Unfall" vor dem Jahr 2020 kommt. Grund dafür ist auch das Herunterfahren der Thermalkraftwerke, da aus dem Donbass keine Kohle mehr geliefert wird, und die AKW nun deutlich stärker in Anspruch genommen werden, um den Elektrizitätsbedarf der Ukraine zu decken.

Aber auch die Alterungsprozesse bei den Atommeilern aus Sowjetzeiten, sowie die katastrophale Unterfinanzierung der Atomenergiewirtschaft tragen dazu bei, dass die Anlagen immer maroder werden und so eine immense Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit der Menschen in Europa darstellen. Ein solcher Vorfall würde die EU nicht nur mit radioaktiver Strahlung konfrontieren, sondern infolge der kürzlich erfolgten Freigabe des Visa-freien Personenverkehrs auch mit einer Welle an Flüchtlingen aus den besonders stark von radioaktiver Verseuchung betroffenen Gebieten.

Angesichts dessen, dass zwölf der fünfzehn Reaktoren noch zu Sowjetzeiten in Betrieb genommen wurden und dem klassischen Typ der VVER-Nuklearreaktoren entsprechen, die in den 1960ern entworfen wurden, darf man sehr kritisch dazu sein. Immerhin rechnete man damals mit einer maximalen Lebensdauer von dreißig Jahren und zehn dieser Reaktoren haben dieses Alter bereits überschritten.

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Bedenkt man nun, dass zwei Drittel der Reaktoren überaltert sind und die Auslastung laut Energoatom von 65,5 Prozent im Gesamtjahr 2016 schon auf 77,6 Prozent im Januar 2017 hochgefahren werden musste, kann man sich vorstellen, wie es wohl in diesem Winter aussehen wird, wenn der Energiebedarf ansteigt und keine Kohle zum verfeuern mehr da ist. Alleine im ersten Halbjahr 2017 lag die Stromproduktion der ukrainischen AKW bei 45 Milliarden kWh und somit bei einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Und die Produktion wird wohl noch weiter erhöht werden müssen.

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Das heißt bildhaft gesprochen: Während die Ukraine verzweifelt die letzten Tropfen Strom aus den Sowjet-Ära-Atomkraftwerken herauszupressen versucht, wächst tagtäglich die Gefahr eines neuen nuklearen Desasters. Dafür greift man auch auf ein US-amerikanisches Substitut für den Nuklearbrennstoff zurück, nachdem man aufgrund politischer Verwerfungen mit Russland nicht das Orginal der russischen Firma TVEL nehmen will. Doch schon 1996 als im tschechischen AKW Temelín dieser US-Brennstoff verwendet wurde, gab es dort massive Probleme. 2007 erneut. Bis man dann im Jahr 2010 wieder auf den russischen Brennstoff umstieg. Wie soll das dann auf Dauer bei den ukrainischen Schrottreaktoren funktionieren?

Meldungen zufolge hab es seit dem Jahr 2015 mehrfach Probleme bei jenen Reaktoren, die den US-Nuklearbrennstoff zugeführt bekommen. Alleine in Saporischje (wir berichteten hier und hier über das Atomkraftwerk und das Versagen der ukrainischen Führung) gab es mindestens ein Dutzend Notabschaltungen! Im Atomkraftwerk Südukraine sieht es nicht wirklich besser aus. Da muss man nicht mehr lange auf einen nächsten GAU warten.

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18 Kommentare

    1. Ja laß die Stimmen laut werden. Dann kommt ein anderer Schrott. Oder glaubt hier jemand, das irgendwas anders wird?

      Redet Euch mal nichts ein. Deutschland ist im Arsch. Es wurde Euch nur noch nicht mitgeteilt. Aber die Stimmen und die Rufe werden schon laut. Lach. Es interessiert nur keinen.

        1.  

          Die Atomkraft is doch sicher,

          woher kommt nur dies Gekicher.

          Noch niemals is hier was passiert,

          heißt es doch ganz ungeniert.

          Und ist es halt mal doch geschehn,

          will man gar nich hin nur sehn.

          Auch die Baguette's sind voller Eier,

          jedoch machen die noch Heia.

      1. Glaube ich auch, leider!

        Nur was kann man tun?  Ich muss hier zwei Kinder irgendwie groß kriegen. Habe nur Angst, wie die sich später durchschlagen müssen. Dann werden sie ethnisch gesehen, in der Minderheit sein.

  1. In der Süddeutschen Zeitung hat die Spitzenkandidatin der Grünen, Frau Göring-Eckardt bereits Stellung zu diesem brisanten Thema genommen. Sie zeigte sich äussserst betroffen über den Zustand der Kernkraftwerke in der Ukraine. Wie sie der Zeitung mitteilte, wird in der grünen Fraktion bereits heftig über eine mögliche Lösung gestritten. Man warte aber erst einmal ab, bis die Koalitionsverhandlugen abgeschlossen sind, bevor man über  konkrete Massnahmen nachdenkt. Durchaus denkbar sei es, so Frau Göring-Eckardt, dass Deutschland eine Art Patenschaft für die Kernkraftwerle in der Ukraine übernimmt. Die neue Bundesregierung solle auf diesem Wege dafür sorgen, das die Kraftwerke entweder saniert oder fachgerecht abgerissen werden. Frau Göring-Eckardt gab aber zu bedenken, das so eine Aktion mit erheblichen Kosten verbunden ist. Ein hoher zweistelliger Milliardenbetrag sei durchaus realistisch. Man müsse sich also auch Gedanken über die Finanzierung machen. So könnte sie sich vorstellen, diese Hilfsmassnahmen durch eine schrittweise Erhöhung der Energiekosten zu finanzieren. Auch Kürzungen im Sozialbereich und bei den Renten wären machbare Optionen. Die Unterstützung der Flüchtlinge und deren Integration soll allerdings nicht davon berührt werden.

     

     

    1. Klar der deutsche Arbeiter soll also nun für die Modernisierung oder den Abriss für die unkrainischen Schrottmeiler und am besten noch die belgischen und französichen Schrottmeiler über seine Stromrechnung bezahlen, ganz toll!

      War da nicht was? Die rot-grüne Regierung hat doch mit der Agenda 2010 dafür gesorgt, dass man von seiner Arbeit bald nicht mehr leben kann, dann bleibt natürlich noch wahnsinnig viel übrig um den Gau vom arbeitdenden Volk bezahlen zu lassen.

      Absurdistan lässt grüßen! Alle Schrottmeiler gehören abgeschaltet und von den verantwortlichen Firmen fachgerecht demontiert. Weitere Hilfe wäre dann in erster Linie bei den eigenen Regierungen anzufordern, aber sicherlich nicht beim deutschen Stromkunden!

  2. Der Wahnsinn ist ja – Murks Merkel läutete die Abschaltung unserer KKW damals ein, hat aber wohl nicht drüber nachgedacht das Deutschland von anderen EU LÄNDERN mit KKW umzingelt ist und die im Traum nicht daran dachten den Merkel Kurs mitzugehen.

    Und der Hammer ist, das GB ein neues KKW baut mit Zustimmung von Deutschland und Brüssel ! 

      1.  

        Frau Dr.Ferkel hat befohl'n,

        den Deutschen soll der Teufel hol'n.

        Die Physik war einst ihr Steckenpferd,

        bis es krachte an dem Herd.

        Die Hähnchen flogen an die Decke,

        das Ferkel lag in einer Ecke.

        Auch der Herd fing an zu brennen,

        die Feuerwehr schien sie zu kennen.

        Die Morale der Geschicht:

        Ferkel kann es einfach nicht.

  3. Damals als Tschernobyl hoch gegangen ist haben wir uns bei Regen nicht mehr auf die Strasse getraut weil man warnte bei Regen und Wind nicht raus zu gehen. Es ist ungeheuerlich das man solche Schrotthaufen noch in Betrieb hat.

    1. a so a atomkroftwerk is wichtig,weil aus dem müll werden dann atombomben. allerdings braucht man nur einen kleinen teil davon…..

      a bisserl wos wird eh in jedem us krieg "entsorgt". des san oba nur die kleinen-. sprich dirty bombs (Irak Syndrom).

      des checkt oba a linka trampel nicht………………!!

      1.  

        So a Super-Gau

        liebt doch eine Ferkelsau.

        Im sauren Regen

        sich noch legen

        ein paar Strahlen auf den Brägen.

        Braungebrannt und gut verstrahlt,

        sich Ferkel auf dem Teller aalt.

  4.  

    Dr. Ferkel oder wie ich lernte die Kernschmelze zu lieben

     

    Die liebe Atomkraft ist schon allein deshalb unverzichtbar, weil ein ziviles Atomprogramm es erlaubt recht unauffällig ein militärisches zu betreiben und da die Atombombe ein zum unverzichtbaren Kleinod der staatlichen Selbstständigkeit geworden ist, sollte man sich diese Möglichkeit immer offen halten. Andernfalls ergeht es dem Staat nämlich ähnlich schlimm wie dem streitbaren Japan, dessen Anstrengungen zur Abwehr der VS-amerikanischen Invasion durch die Atombombe zunichte gemacht wurden, weshalb die Japaner nun das ungesunde Schnellessen der VS-Amerikaner essen müssen.

    Wobei freilich die Kernkraft zur Energiegewinnung nicht zu verachten ist und deren Ersetzung durch Wind- und Sonnenstrom nicht so ohne weiteres gelingen dürfte und der Versuch dazu bisher nur den Kohlekraftwerken eine höhere Auslastung beschert hat, schließlich kann die Industrie mit der Produktion nicht warten bis die Sonne scheint oder der Wind weht. Der Ausstieg aus der Kernkraft ist also eine ziemliche Dummheit.

     

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

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