Während die Schuldenberge explodieren, lösen sich die Gewinne der weltweit größten Ölkonzerne in Luft auf. Wie lange geht das noch gut?

Von Marco Maier

Die Bilanzen der weltweit größten Ölkonzerne sind in Schieflage. Sie kämpfen mit höheren Kosten, fallenden Profiten und extrem stark ansteigenden langfristigen Schulden. Vor allem zeigt die Entwicklung auch auf: Die Zeit der mächtigen, finanzstarken Ölindustrie ist vorbei. Kein Wunder, dass sich selbst die Rockefellers aus ihrem einstigen Stammgeschäft sukzessive zurückziehen (offiziell aus "moralischen Gründen", in WIrklichkeit jedoch eher deshalb, weil sich das Geschäft nicht mehr wirklich lohnt).

Als Beispiel: Noch im Jahr 1997, als der Ölpreis bei 19 Dollar pro Fass lang, konnte Chevron anständige Gewinne einfahren. Knapp zwanzig Jahre später, 2016, bei einem Preis von rund 44 Dollar pro Fass, gab es massive Probleme. In absoluten Zahlen: 1997 machte Chevron 3,2 Milliarden Dollar netto Gewinn bei 42 Milliarden Dollar Umsatz. 2016 hingegen hagelte es einen Verlust von 497 Millionen Dollar bei 114 Milliarden Dollar Umsatz.

Faktisch alle großen Ölkonzerne sind von den steigenden Kosten und der Ausweitung der Schulden betroffen. Als Beispiel: Im Jahr 2013 machten die sieben größten Ölkonzerne (Petrobras, Shell, BP, Total, Chevron, Exxon und Statoil) zusammen einen Gewinn von 213 Milliarden Dollar. Doch dem standen Barausgaben in Höhe von 230 Milliarden Dollar gegenüber. Netto ein Minus von 17 Milliarden Dollar. Und das inkludiert noch nicht einmal die 44 Milliarden Dollar an Dividenden, die sie ihren Aktionären damals ausbezahlten. Und damals lag der Ölpreis noch im Schnitt bei 109 Dollar pro Fass. Insgesamt wuchsen ihre Langzeitschulden nach allem zusammen damals um ganze 45 Milliarden Dollar an. Faktisch heißt dies: Die Schulden wurden aufgenommen, um die Dividenden zu bezahlen…

Wie die nachfolgende Grafik von SRSrocco Report zeigt, stiegen die langfristigen Schulden der sieben größten Ölkonzerne in den letzten Zehn Jahren von 84 auf 379 Milliarden Dollar an. Am schlimmsten erwischt hat es hierbei den in Korruptionsskandalen verwickelten brasilianischen Ölkonzern Petrobras, dessen Zinskosten von 793 Millionen Dollar im Jahr 2008 auf ganze 6 Milliarden Dollar im letzten Jahr stiegen. Die Schulden stiegen im selben Zeitraum von 21 auf 109 Milliarden Dollar. An Dividenden wurden in diesem Zeitraum trotz operativen Verlusten immerhin 34 Milliarden Dollar ausbezahlt.

Wie dramatisch sich die Gewinne (vor Kosten für Dividenden und Investitionen) entwickelten, zeigt die nächste Grafik, die das Jahr 2004 mit dem Jahr 2016 vergleicht, als der Ölpreis im Schnitt etwa gleich hoch war: Er ist auf etwa ein Zehntel geschrumpft. Und während jeder der großen Ölkonzerne bei rund 38 Dollar pro Fass noch Gewinne schrieb, rutschten 2016 schon drei (Petrobras, Statoil und Chevron) in die roten Zahlen. BP schaffte gerade noch so eine schwarze Null.

Über kurz oder lang muss das ganze System zusammenbrechen, weil selbst bei hohen Ölpreisen faktisch keine Gewinne mehr gemacht werden. Die Ölindustrie befindet sich faktisch auf dem absteigenden Ast und die steigenden Schulden samt wachsenden Zinskosten werden ihnen selbst bei wieder anziehenden Preisen einfach über den Kopf wachsen. Wer nicht gerade die Staatskasse im Hintergrund hat, wird wohl verlieren.

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5 KOMMENTARE

  1. Der Ölpreissturz dürfte durchaus künstlicher Natur sein

     

    Die Mundstücke, Sophisten und Strategiekoryphäen der VSA lassen wenig Zweifel aufkommen, daß der gegenwärtige Ölpreissturz künstlich herbeigeführt wurde und keinesfalls von Dauer sein wird: Zwei bis drei Jahre nennt man als Zeitraum. Sinn und Zweck der Übung scheint der Sturz der Regierungen in den unbotmäßigen Ölländern – Rußland, Persien und Venezuela – zu sein, wobei mancher Begleitschaden wie etwa Nigeria gerne in Kauf genommen wird. Der vorgeschützte Grund, wonach die saudischen Ölgötzen mit dem Ölpreissturz die Bohrlochfragmentierungen bei den nordamerikanischen Wilden ruinieren wollten, klingt wenig glaubhaft. Da die Saudis von ihrem Öl noch lange leben müssen und diese daher an einer möglichst geringen Förderungen bei einem hohen Ölpreis interessiert sind. Zudem sind diese ganz und gar von der Gnade der VSA abhängig und würden daher niemals wagen deren mächtige Ölindustrie und die dahinterstehenden Banken derart in die Parade zu fahren. So fest stehen die Saudis nämlich nicht.

     

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  2. Dieses Thema ist vom Autor gut recherchiert und im Artikel verständlich komprimiert. Allerdings finde ich die Schlussfolgerung einer "Notlage" falsch.

    Zum einen werden bei der Betrachtung die stetig steigenden "staatlichen Eingriffe" (= Subventionstätigkeiten) in den Ölsektor unbeachtet gelassen. Weiterhin werden vom Autor die der Industrie verfügbaren Marktsteuerungs- und Reaktionsmechanismen ignoriert. Das reicht von buchhalterischer Gestaltung (= arm rechnen) bis zur Angebotsreduzierung (= Preise steigern bei gleichzeitiger Kostensenkung). Zuletzt suggeriert der Autor, die derzeit niedrigeren Ölpreise seien in Beton gegossen.

    Niemand "verschenkt" an den Konsumenten Öl oder Dividende auf Kredit!
    Und als wären die Rockefellers mit dem caritativen Ziel angetreten, die Welt (koste, was es wolle) mit Öl zu versorgen…! Blödsinn, Herr Mayer.

    Öl wird weniger, damit teurer in der Förderung, noch sehr viel teurer im Verkauf, damit immer unattraktiver beim Käufer, die Nachfragemengen gehen zurück, der Profit für Anbieter sinkt… bis am langen Ende die Anbieterseite konsolidiert (schrumpft). Na und? So läuft das eben!

    Wenngleich man nie völlig auf Öl verzichten können wird (Kunststoffproduktion usw.), nimmt die Substituierbarkeit von Öl stetig zu. Nicht nur beim "Heizölkäufer" oder "Autofahrer", auch in der chemischen Industrie reduziert sich zunehmend die Abhängigkeit.

    FAZIT:
    Wenn sich aktuelle Verwerfungen, ausgelöst durch Fehlallokationen (Fracking ect.), bereinigt haben, wird Öl langfristig weiter teurer. Damit auch die Öl-Substitute. Der Ölmarkt konsollidiert auf wenige Anbieter, welche noch in der Lage sind, die verbleibenden Reserven zu fördern und zu vermarkten – also auch die Macht zur "profitablen" Preisgestaltung wiedererlangen. Parallel dazu werden die Profite der Ölanbieter agressiver in die Substitutmärkte gelenkt werden, um die durch Ölpreissteigerungen rückläufigen Gewinne an anderer Stelle einzufahren. LINKE TASCHE – RECHTE TASCHE!

    Also: Kein Grund für Mitleid!

  3. Es wurde viel zuviel Öl gefördert, weil auch die USA mit ihrem Fracking so aktiv waren und es dadurch ein Überangebot gab ( wovon wir natürlich nichts gemerkt haben ) deswegen sind die Saudis auch einen Deal eingegangen – weniger fördern – fürs gleiche Geld ! 

    Linke Tasche – Rechte Tasche !

    Das war auch der Grund warum hier die Preise nicht purzelten. 

    Denn wenn einer dran verdienen soll, sind es die Ölkonzerne und nicht wir – denn wir zahlen eh jeden Literpreis ! 

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