Neokonservative kidnappen Trumps Syrienpolitik

Heftige Kritik an der US-Syrienpolitik kommt erneut von Ron Paul. Die ständige Einmischung in die internen Angelegenheiten anderer Länder müsse endlich ein Ende finden.

Von Ron Paul / Antikrieg

Hat jemand in der Trump-Administration einen Anhaltspunkt über unsere Syrienpolitik? Im März schien sich Staatssekretär Rex Tillerson endlich von Präsident Obamas katastrophaler "Assad muss gehen" -Position zurückzuziehen, die nichts anderes getan hat, als das Elend in Syrien zu verlängern. Damals sagte Tillerson: der "längerfristige Status von Präsident Assad wird vom syrischen Volk beschlossen werden".

Diejenigen von uns, die an die nationale Souveränität glauben, würden sagen, dass das auf das Offensichtliche hinweist. Dennoch war es ein gutes Zeichen, dass die US-Intervention in Syrien – so illegal sie auch sein mag – nicht länger einen Regimewechsel anstreben, sondern sich an den Kampf gegen ISIS halten würde.

Dann – aus dem Blauen heraus – machte Tillerson in der letzten Woche eine weitere politische Wendung um 180 Grad und erklärte einer UN-Zuhörerschaft in Genf, dass "die Herrschaft der Assad-Familie zu Ende geht. Die einzige Frage ist, wie das bewerkstelligt werden kann."

Die offensichtliche Frage ist, was es uns eigentlich angeht, wer Syrien führt, aber vielleicht ist das zu offensichtlich. Washingtons Interventionisten haben lange Zeit geglaubt, dass sie das einseitige Recht haben, zu bestimmen, wer die Führung fremder Länder übernehmen darf. Ihre Erfolgsbilanz bei der Platzierung "unseres Mannes" in Übersee ist erschreckend, aber das scheint sie nicht aufzuhalten. Es wurde uns versprochen, dass die Beseitigung von Menschen wie Saddam Hussein und Gaddafi das Feuer der Freiheit und Demokratie im Nahen Osten entzünden würde. Stattdessen hat sie nichts als Tod und Elend verursacht – und spektakuläre Profite für die Waffenhersteller, die die neokonservativen Denkfabriken finanzieren.

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In Syrien wurde Assad als Beschützer von Christen und anderen Minderheiten gegen den Angriff von in vielen Fällen durch die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützten Dschihadisten betrachtet, die seinen Sturz anstreben. Während das syrische System offensichtlich keine Demokratie nach Schweizer Muster ist, werden im Gegensatz zu unserem großen "Verbündeten" Saudi-Arabien zumindest Wahlen von verschiedenen politischen Parteien abgehalten und religiöse und andere Minderheiten sind voll in die Gesellschaft integriert.

Warum hat die Trump-Verwaltung wieder auf "Assad muss gehen" umgestellt? Ein Grund mag darin liegen, dass die Neokonservativen, die Trump während der Kampagne am lautesten entgegentraten, sich selbst und ihre Freunde in Machtpositionen in seiner Verwaltung wiedergefunden haben. Die Neokonservativen sind großartig darin, zu gewinnen und gleichzeitig zu verlieren.

Die wahre Geschichte hinter Washingtons fortwährender Entschlossenheit, die syrische Regierung zu stürzen, ist noch beunruhigender. In einem Interview in der vergangenen Woche, das wie eine Bombe hochging, gestand ein ehemaliger Premierminister von Katar, dass sein Land zusammen mit Saudi-Arabien, der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika ab dem Moment, als 2011 die syrischen Unruhen begannen, Waffen an Dschihadisten lieferte. Der gut vernetzte ehemalige katarische Minister versuchte darauf hinzuweisen, dass sein Land nicht allein bei der Unterstützung von Al-Qaida und sogar des ISIS in Syrien war. Im Zuge der Verteidigung seines Landes gegen die von Saudi-Arabien erhobenen Terroranschuldigungen plauderte er die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten von Amerika mit ihren angeblichen Erzfeinden aus. Wie in Afghanistan in den 1980er Jahren unterstützte die CIA den radikalen islamistischen Terrorismus in Syrien.

Haben wir in Syrien nicht schon genug Schaden angerichtet? Müssen wir wirklich wieder zurück ins Jahr 2011 gehen und das Land noch einmal zerstören? Die Neokonservativen geben nie einen Fehler zu und ändern nie den Kurs, aber ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Amerikaner unterstützt, dass sie die Syrienpolitik von Präsident Trump kidnappen. Es ist schon längst überfällig, dass die Vereinigten Staaten von Amerika Syrien in Ruhe lassen. Keine Militärbasen, keine Sondereinsatzkräfte, keine CIA-Mordteams, keine Manipulation des Wahlsystems. Wir müssen nur einfach nach Hause kommen.

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7 Kommentare

  1. Der Krieg gegen Syrien wurde "vom Zaun gebrochen", a.) um den Globalisten einen Korriodor für Pipelines vom kaspischen Raum via Mittelmeer zu gewährleisten und b.) gleichzeitiug die nördliche Außengrenze von Erez Israel abzustecken.

  2. Der Welt ginge es besser, wenn es mehr von der Sorte Ron Paul geben würde und Kriegstreiber zur Verantwortung gezogen werden würden.

    Auch die Aussage, das Länder sich aus interne Angelegenheiten anderer Länder rauszuhalten haben und ein für allemal beendet werden sollte, ist nur zuzustimmen ! 

     

  3. Aktuelle Lage in und um Syrien unzensiert (Vortrag von Vital Burger vom 30.9.2017)
    http://www.kla.tv/11372
    Vital Burger, Schweizer Journalist, Rechtsanwalt und Ökonom sowie Präsident des Vereins „Freundeskreis Schweiz-Iran“, ist viel in der Welt herumgekommen und hat sich so ein eigenes Bild gemacht. In einem Vortrag, den er am 30. Sept. 2017 in Zürich hielt, sprach er darüber, was im Moment aktuell in und um Syrien herum geschieht. Lassen Sie sich in eine Vogelperspektive hineinnehmen, um in dem Wirrwarr der Horror- und Krisenberichte wieder Zusammenhänge erkennen zu können.      

  4. Ob sich die Russen und Amerikaner wegen Syrien wohl in die Haare bekommen werden?

     

    Syrien ist ein wenig ein Rätsel. Sicher ist nur, daß sowohl die VS-Amerikaner als auch die Russen ein recht erhebliches Interesse an dem Land haben. Die beiden Streithähne haben nämlich ihre Truppen nach Syrien entsandt, um ihre jeweiligen Parteigänger gegen deren örtliche Widersacher zu unterstützen. Unklar ist, ob die beiden ihre Truppen auch aufeinander losgehen lassen, wenn deren syrische Parteigänger vernichtend geschlagen werden sollten. Das hängt wohl vom Wert Syriens für beide Seiten ab und dieser ist fraglich. Weder strategisch noch wirtschaftlich ist Syrien für beide Seiten einen Krieg miteinander wert – so schön ein Mittelmeerhafen auch für die russische Flotte ist und so einträglich eine Gasleitung durch Syrien auch für die VS-amerikanischen Ölunternehmen wäre. Zum Kampf kann es aber trotzdem kommen, denn beide Seiten haben recht umfangreiche Streitkräfte um Syrien zusammengezogen und ein Zwischenfall könnte da ähnlich wirken wie ein Streichholz an der Tankstelle…

     

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

  5. Entweder Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, oder er ist es nicht. Wenn er nicht in der Lage ist ein klares Profi seiner Politik zu zeigen und zu verfolgen, dann sollte er besser gehen. Die brutalen Aktionen seiner Luftwaffe, in Syrien und die Rettung der IS- Führer mittels US- Hubschraubern, kann er niemandem in die Schuhe schieben. Es sei denn, er lässt diesen Jemand verhaften. Dieser Jemand unterstützt nämlich Terroristen und den Terrorismus.

     

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