Collage: "Gedient!" von Thomas Frei, Hintergrundbild: Honecker auf Truppenbesuch bei der NVA. Bundesarchiv, Bild 183-1984-0621-025 / CC-BY-SA 3.0
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Achtzehn Monate – einige Leser können sich vielleicht noch an diese Zeit erinnern – der Freiheit entnommen. Kein Gefängnis, im eigentlichen Sinn. Dennoch: umzäunt, ummauert, unfrei. Von diesen 18 Monaten handelt der teilautobiographische Roman „Gedient!“ von Thomas Frei. Der Untertitel erklärt: „Ein NVA-Soldat erzählt“, er kommt aus dem Osten.

Gerade deshalb ist ein Eintauchen in dieses Buch spannend, belustigend und vor allem erhellend, für Ossis wie Wessis. Für 1964 Geborene, wie für 2000 Geborene. Denn das Buch kommt ohne Horrorgeschichten und ohne Ostalgie aus. Selten genug für Geschichten aus der DDR-Zeit.

Thomas Frei sagte uns im Interview bei der Buchvorstellung im Landkreis Lüneburg:

Der Grundwehrdienst ist ein Teil der Biographie eines jeden Sachsen und „Ossis“ der zwischen 1939 und 1972 geboren wurde. Ich habe dieses Buch mit 37 Jahren Abstand, ohne Zorn, aber auch ohne Glorifizierung geschrieben. Das heißt, es ist weder eine „Abrechnung“ mit, noch eine Hommage an die DDR. Dieses Buch ist einfach eine Schilderung all der Ängste, Sorgen, Nöte, aber auch all der lehrreichen, lustigen Momente, die im Leben eines jeden jungen Mannes in der DDR eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.

Bisher sah ich dieses Thema bislang in keinster Weise adäquat aufgearbeitet. Es existieren nur Sachberichte und ein Film („NVA“), der eher in Richtung Komödie geht, ohne Bezug auf die tatsächlichen Gewissensnöte und Befindlichkeiten junger Menschen in der DDR einzugehen.“

Thomas Frei lebt mittlerweile in den USA. Vielleicht ist es wirklich der Abstand, zeitlich wie geographisch, der das Buch so real und vorwurfsfrei erscheinen lässt.

Der Roman erscheint am 7.10.2017, nicht zufällig also am theoretischen „DDR-Geburtstag“. Eine Leseprobe gibt es bei Romowe.

9 KOMMENTARE

  1. Auf jeden Fall war das noch EINE ARMEE! Da kamen in der Regel MÄNNER mit Eiern raus und keine verweichlichte, wegen Mückenstich bei einem Marsch "Voll Traumatisierte"! Und mein Panzer hatte eine funktionsfähige Kanone mit ausreichend Munition und keinen schwarz angemalten Besenstiel!! Und meine Kalaschnikow hatte nie einen verbogenen Lauf nach dem Schießen und traf immer wenn ich gut gezielt hatte!! Ja, es war nicht immer leicht, war ja auch kein Ferienlager. Aber schöne Stunden gab es auch zur Genüge!!

  2. Die Zeit hatte ich gehasst.

     

    Muss aber bestätigen, bin ohne Eier rein und mit Eier rausgekommen. Für Durchsetzungsvermögen und Erfahrung in Umgang mit Menschen finde ich die Zeit unersetzlich.

     

    Einiges habe ich Jahrzehnte später verstanden. Im Kriegszustand sind alle Gesetze des Umgangs von Menschen miteinander abgeschaltet. Eine Isolation um die 10 Gebote zu "Vergessen" ist wohl erforderlich. Und Anderes auch, um auf Befehl in den sicheren Tod zu gehen.

     

    Eine Armee war Es, im Unterschied zu Uschis Karnevalverein.

  3. Unsere Jungs haben die NVA ernst genommen und sogar bewundert.

    Wir hatten einen in der Klasse, sein Vater war Chaffeur eines Industrie-Chefs, er fuhr regelmäßig zu Verwandten in die DDR und brachte immer die neueste NVA-Zeitschrift mit. Unsere Jungs waren immer sehr gespannt, neugierig, begeistert und stolz auf "die deutschen Soldaten auf der anderen Seite".

    Das Gleiche war auch bei Weltmeisterschaften und Olympia der Fall. Wir alle waren immer stolz auf die DDRler.

    "Wenigstens die machen was".

    "Stellt Euch vor, wir wären eins, wir wären immer an erster Stelle".

    Wenn unsere Schlaffis mal wieder rumgurkten, kam ein strammer DDRler und hat das Ding gerettet. So war es in Bayern und so war es während unserer Zeit im Ausland.

    DDRler, wir waren und sind ungemein stolz auf Euch! Ihr habt und hattet es noch viel härter als wir.

  4. Ehre den Deutschen der NVA

    Youtube, reinkopieren:

    Desfile militar de la NVA – 7 de octubre de 1987 [RDA] NVA-Musikkorps Ehrenparade

    Katarina Witt Wins Gold – Sarajevo 1984 Winter Olympics

  5. Ich habe vor meinem Studium von 64-67 bei der Volksmarine erst auf einem MLR-Typ Krake gedient  bis Januar 65,dann ging es auf den U-Jäger  V 81 und dann auf die U-Jägerserie Hai.

    Es waren 3 entbehrungsreiche Jahre,aber diese 3 Jahre haben mich für mein späteres Leben geprägt.

    Ich bin stolz darauf bei der Volksmarine gedient zu haben.Leider hat uns die Partei missbraucht,aber die NVA war eine Armee,welche aus dem Volk und für das Volk stand.Man konnte es bei der friedlichen Revolution 89 sehen,wo diese Armee keinen Schuss auf das Volk abgegeben hat,weil die Armeeführung dies nicht befohlen hat.

    Ich weine der DDR keine Träne nach,aber ich bedaure es immer wieder,dass diese Armee

    Vergangenheit ist und von Luschen aus der Bundeswehr aufgelöst wurde.Wenn ich mir heute die Führung der BW anschaue,dann kann ich nur sagen,hoffentlich muss diese BW nicht ihre Heimat verteidigen,dann aber —- gute Nacht Deutschland.

    Die NVA war eine echte  deutsche Armee und keine Kriegertruppe und Söldnertruppe von Gnaden der USA.

    ala Bundeswehr.

    • Hallo Herr Dr.Petermann,

      Ihr Kommentar spricht mir aus der Seele. Ich kann Ihnen eines versichern: Mit genau diesen gemischten Gefühlen, einerseits der DDR keine Träne nachzuweinen, zu wissen, dass man trotz SED-Einfluss eine Volksarmee war, andererseits trotz allem sein Beszes gegeben hat, in einer Armee, die diese Bezeichnung noch verdient hat! – mit dieser Intention hab ich dieses Buch geschrieben! Meine „Testleser“ haben mur bestätigt, dass das auch rüberkommt!

      Liebe Grüße in die Heimat

      Der Autor

  6. Tja..jab mal ne Zeit da fing der Mensch erst an beim tragen einer Uniform..lang ist's her…und der Buckel war noch jrade.

    Im bunten Deutschland wird jede Uniform als ''Nazibefleckt'' schnell ins Museum versteckt.

    Nun ja..dekadente Zeiten eben.

    Würde aber darauf wetten das die Zeiten sich wieder ändern werden.

     

    Aus Tränen und Asch bin ich geboren,

    zum Sieger einst erkoren.

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