Facebook-Werbung: US-Wahlkampfposse um angebliche „russische Propaganda“

Während sich die USA selbst in vielen Ländern in die Wahlen und die Politik einmischen, bleibt Russland weiterhin im medialen Fokus. Werbung auf Facebook zur "Beeinflussung" der US-Präsidentenwahl ist wichtiger als tatsächliche US-Regime-Changes.

Von Marco Maier

Anders als "antirussische Hysterie" kann man das derzeitige Medienspektakel um offenbar aus Russland gekaufte Facebook-Werbung in den USA während des Präsidentschaftswahlkampfes nicht bezeichnen. Zwar sollen angeblich bis zu 126 Millionen US-amerikanische Facebook-Nutzer von der russischen "Internet Research Agency" beworbene Artikel gesehen haben, doch der Einfluss dürfte recht gering gewesen sein. Immerhin scrollen die meisten Menschen ja über die Werbung hinweg.

Doch wo die Russen möglicherweise (!) einen kleinen Einfluss auf die Wahlergebnisse gehabt haben könnten, sehen wir im Gegensatz jedoch immer wieder eine direkte Einflussnahme der Amerikaner in die Wahlen anderer Länder – darunter auch massivst in Russland selbst. So wurde beispielsweise Boris Jelzin nur Dank der umfangreichen Unterstützung aus den USA russischer Präsident (und hatte dafür das Land beinahe für einen Appel und ein Ei an die US-Finanzoligarchie verscherbelt). Und auch jetzt werden sogenannte "oppositionelle Kandidaten" für die nächste russische Präsidentenwahl im kommenden Jahr unterstützt.

Zwar darf der in den westlichen Medien immer wieder als "Kreml-Kritiker" bezeichnete US-Agent Alexej Nawalny nicht kandidieren (und hätte wahrscheinlich ohnehin nur drei bis vier Prozent der Stimmen erhalten), doch nun könnte die "liberale" TV-Moderatorin Ksenja Sobtschak als "unabhängige Kandidatin" antreten. Auch hier stellt sich die Frage, ob sie nicht – wie der Nationalist Nawalny – ebenfalls US-Unterstützung erhält.

Insgesamt jedoch muss man konstatieren: Etwas Scheinheiligeres als die US-Politik und die Presstituierten der Konzernmedien gibt es nicht. Während man nämlich über eine "mögliche" Einflussnahme Russlands in den US-Präsidentschaftswahlkampf sinniert, haben die Vereinigten Staaten selbst nämlich tatsächlich die Wahlen anderer Länder manipuliert und mehr als genügend Regime-Changes organisiert. Aber das spielt in der heutigen medialen Berichterstattung keine Rolle.

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