“Wie Bitcoin”: Indien will eigene Kryptowährung ausgeben und die Rupien sukzessive Ersetzen

Indiens Regierung gilt als bargeldfeindlich. Nun überrascht es nicht, dass Neu Delhi eine eigene Kryptowährung herausgeben will. Die indische Zentralbank zeigt sich allerdings noch reserviert.

Von Marco Maier

Erst Ende letzten Jahres versetzte die indische Regierung mit der Wertloserklärung der 500- und 1.000-Rupien-Noten (und der fehlenden Vorbereitung durch den Druck von genügend Ersatz-Banknoten in Höhe von 1.000 und 2.000 Rupien) der eigenen – stark auf Bargeld basierenden – Wirtschaft einen massiven Schlag. Das Ziel, Bargeld aus dem Wirtschaftskreislauf möglichst zu verbannen, schlug jedoch fehl.

Nun will Neu Delhi einen neuen Versuch zur Demonetisierung des Landes versuchen – und zwar mit der Einführung einer eigenen Kryptowährung, die ähnlich wie die Bitcoin funktionieren soll. Diese soll bald schon eingeführt werden, während die indischen Gesetzgeber bereits an einem gesetzlichen Rahmenwerk arbeiten, um die derzeit kursierenden Kryptowährungen faktisch zu alternativen Zahlungsmitteln neben der Rupie zu machen.

Demnach wird die indische Zentralbank, die Reserve Bank of India (RBI), die neue Kryptowährung herausgeben, welche den Namen "Lakshmi" tragen soll – der Hindu-Götting für Wohlstand, Glück und Fortschritt. Damit folgt Indien der Volksrepublik China, die ebenfalls an der Einführung einer eigenen Kryptowährung arbeitet.

Bei den indischen Zentralbankern selbst stößt der Vorschlag einer "Nicht-Fiat-Kryptowährung" analog zur Bitcoin nicht auf viel Zustimmung – man fühle sich damit nicht wohl, hieß es. Der Geschäftsführer der RBI, Sudarshan Sen, sagte zur möglichen Einführung einer "staatlichen Bitcoin" für Indien: "Derzeit haben wir eine Gruppe von Leuten die nach Fiat-Kryptowährungen sehen. Irgendwas, das eine Alternative zur indischen Rupie darstellt, sozusagen. Wir beobachten das genau".

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5 Kommentare

  1. Ich kann nur wiederholen, eine Währung die bestehen will bedarf eines tiefen Vertrauens durch die Nutzer.

    Ansonsten kommt es zu Parallelwährungen im eigenen Hoheitsgebiet. Diese Parallelwährungen sind dann meist Währungen anderer Staaten, deren Geldsystem eine gewisse Berechenbarkeit und Stabilität aufweist, oder aber als "Weltwährung" gilt.

    Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Keines ist, nach meinem Kenntnisstand, davon zum eigenen Nutzen des jeweiligen Staates ausgegangen.

    Indien hat nun gerade erst selbst das Vertrauen in seine eigene Währung tief erschüttert. Dieser Schock ist noch nicht überwunden und schon kommt man mit einer staatlichen Kryptowährung. Also einer Währung, in die noch weniger Vertrauen vorhanden ist und die gerade in einem Staat wie Indien, durch die verschiedensten Naturkatastrophen und Ausnahmezustände gekennzeichnet, zu einem Totalverlust der Zahlungsfähigkeit, wenn auch nur vorübergehend, führen wird.

    Besser kann man sein eigenes Volk nicht gegen sich aufbringen und die eigene Währung untergraben.

     

  2. Die Abschaffung des Bargeldes beinhaltet die Möglichkeit zur totalen Kontrolle . Geld zu nehmen und auszugeben ist die alltägliche Handlung . Diese wäre bei digitalisiertem Geld den Machthabern/Banken zugänglich und kontrollierbar . Jede geschäftliche Handlung abseits der Kontrolle durch die Machthaber wäre unmöglich .

    Hat der Steuerzahler in einem funktionierenden Sozialsystem Verständnis für Abgaben, so werden diese Abgaben in totalitären Regiemen für Machterhalt und ideologische Programme verwendet . Es bedarf immer drastischer werdender Methoden, um die Steuerleistung der Untertanen auch einbringen zu können .

    Die indische Regierung hat, wie jede, Machtinteressen . Indien ist hoch Bürokratisiert , aber noch nicht digital . Wer Indien ein wenig kennt , wird feststellen , dass eine digitale Währung für die Masse der Bevölkerung nicht durchsetzbar ist . Nach der letzten Währungsumstellung hat der Schwarzmarkt über Restriktionen hinweggeholfen .

    Warum Indien besonderes Interesse an einer Digitalisierung hat, dürfte an den vielen Konflikten in diesem Großreich verschiedenster Religionen und Ethnien liegen und dem Versuch diese Differenzen zentral zu kontrollieren , weiters natürlich auch , um die Einnahmen zu erhöhen .

     

    1. @brücke

      hauptsächlich dürfte es der Kontroll- und Überwachungswahn sein, der diesen Großstaat mit einer immensen Bevölkerung, zu dieser selbstzerstörerischen Aktion führt.

      Überall dort, wo der Sachverstand durch politische Interessen abgelöst wird, kommt es zu unverhältnismäßigen Reaktionen/Überreaktionen.

      Wir brauchen deshalb gar nicht in die Ferne schweifen. Das, was wir alle momentan in Europa erleben ist kein Deut besser.

      Man kann Indien kritisieren, sollte aber nie den reflexiven Blick vernachlässigen.

  3. Indien ist ein Feld-Experiment, um mit relativ wenig Flurschaden herauszufinden, wieviel Widerstand die Bevölkerungsmasse leistet. Weiterhin hätte man beim Gelingen des Versuches gleich im ersten Wurf bereits ein gutes Siebtel der Weltbevölkerung unter Kontrolle.

    Echt guter Plan!

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