Was machen die Amerikaner eigentlich immer noch in Afghanistan?

Seit dem Jahr 2001 befinden sich die US-Truppen bereits in Afghanistan. Doch warum? Geht es nur um Mineralien und Opium? Oder doch vor allem um eine Destabilisierung der Region?

Von Marco Maier

Donald Trump sendet mehr Soldaten nach Afghanistan, um den längsten US-Krieg der Geschichte weiterzuführen – und das wohl noch für Jahrzehnte. Ein Krieg, der einerseits bereits einige Todesopfer auf Seiten der Amerikaner und deren Alliierten forderte, jedoch deutlich mehr bei der einheimischen Bevölkerung. Doch warum besetzen die US-Truppen das zentralasiatische Land eigentlich?

Eines ist klar: Der "Kampf gegen die Taliban" war und ist nur eine Farce. Zwar wurden die islamistischen Kämpfer aus der offiziellen Regierung entfernt, doch heute kontrollieren sie einen größeren Teil des Landes als damals, bevor die USA samt NATO-Alliierten einmarschierten. Man kann also sagen: Dieses Ziel wurde in 16 Jahren nicht erreicht. Im Gegenteil: Die islamistischen Milizen insgesamt wurden deutlich stärker – der "War on Terror" sorgte nur für noch mehr "Terroristen". Zudem ist das Land nicht demokratischer als zuvor: Clans, Warlords und diverse Milizen geben im Land den Ton an. Die Macht der Zentralregierung in Kabul ist äußerst limitiert und selbst die afghanische Armee ist so von Korruption durchzogen, dass die US-Hilfsgelder größtenteils in dunklen Kanälen versickern.

Nun fragt man sich: Was ist mit den enormen mineralischen Ressourcen, die Afghanistan besitzt? Immerhin handelt es sich hierbei (auch) um sogenannte "seltene Erden" wie Neodymium, Indium, Gallium und Lanthanum, die unter anderem für Computerchips, Smartphones usw. benötigt werden. Klar, diese Ressourcen liegen ganz gewiss im Fokus der US-Politik. Aber alleine dafür lohnt sich dieser ganze Aufwand in Billionenhöhe mit ungewissem Ausgang eigentlich kaum.

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Aber es gibt ja auch noch die Schlafmohnfelder für die Opium-Produktion. Unter der Herrschaft der Taliban ging der Anbau dieser Pflanzen stark zurück, doch als die Amerikaner kamen, bauten die Landwirte wieder verstärkt ihren Mohn an. Dass die CIA dabei ihre Finger im Spiel hat, ist ein offenes Geheimnis. Immerhin lässt sich damit einerseits viel Geld für die "schwarzen Kassen" (Gelder für Operationen ohne Berichte an den Kongress und den Präsidenten) verdienen, andererseits geht es hierbei auch um die Schwächung der "Feinde". Zum Beispiel den Iran. Einem Bericht von 2006 zufolge waren acht Prozent aller Erwachsenen im Iran Drogenabhängig, einem anderen Bericht zufolge werden jährlich 130.000 Iraner neu drogensüchtig.
Dies ist mit ein Grund dafür, warum die iranischen Revolutionsgarden versuchen, den Zufluss von Heroin aus dem benachbarten Afghanistan zu stoppen. Zudem gibt es auf der iranischen Seite der Grenze noch viele sunnitische Muslime, die zwar ihre Form des islamischen Glaubens ausleben dürfen, jedoch keine eigenen unabhängigen Moscheen besitzen. Die sunnitische Terrorgruppe Jundallah, die von Afghanistan aus grenzüberschreitend agiert, handelt nicht nur mit dem Heroin für den Iran, sondern hat es sich auch zum Ziel gesetzt, die schiitische Führung des Landes zu stürzen und die Iraner zu (radikalen) Sunniten zu machen. Auch bei dieser Gruppe ist die CIA aktiv.

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Doch der Iran ist nicht das einzige Ziel. Ein Blick auf die Landkarte genügt um zu sehen, dass auch Russland und China direkte Nachbarn Afghanistans sind. China, welches bereits im Jahr 1900 die "Boxer-Aufstände" (bei denen die Opium-Dealer gelyncht wurden) hatte, was eine militärische Intervention der USA zur Folge hatte. Auch die Briten führten "Opium-Kriege" gegen China, weil sie am Handel mit dem Suchtmittel viel Geld verdienten. Heute versucht China den Import von Drogen mit allen Mitteln zu verhindern. Und wer einen Blick auf die Verurteilungen zum Tode in der Volksrepublik wirft, wird erkennen: es handelt sich vorwiegend um Drogenschmuggler. Und auch die Uiguren im Westen Chinas, die seit Jahrzehnten immer wieder gegen die Zentralmacht aufbegehren, leben direkt im Grenzgebiet zu Afghanistan und haben einen starken Zulauf zum "Islamischen Staat".

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Ein dauerhaft instabiles Afghanistan ist ein langfristiger Konfliktherd für die Region und auch automatisch ein Gefahrenherd für die (von den USA als feindlich betrachteten) Nachbarländer Iran, Russland und China. Diese haben so stets mit Bedrohungen für die innere Sicherheit zu rechnen und müssen dafür teils enorme Ressourcen aufwenden. Hinzu kommt, dass man so auch diese drei Länder zu destabilisieren versucht. Die interne Stabilität dieser Staaten ist es ja, was sie zu einer potentiellen Gefahr für die USA macht. Starke, stabile Staaten können nicht unter Kontrolle gehalten werden, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Und das dürfte der Hauptgrund dafür sein, warum die USA immer noch in Afghanistan sind. Die Ausbeutung von Ressourcen ist hierbei nur ein angenehmer Nebeneffekt.

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20 Kommentare

  1. Der Artikel liefert eine präzsise Analyse, der ich nichts hinzuzufügen habe, außer vielleicht, dass sich von Afghanistan aus auch der pakistanisch-indische Konflikt bestens schüren und ggf. lenken lässt.Die RF, Iran und die VR China wären gut beraten, je eigene Milizen mit High Tech-Gerät gegen die US-Besatzer einzusetzen, damit der Preis für den Erhalt dieser geostrategisch so wertvollen Basis auch angemessen in die Höhe getrieben wird. Die US-Einheiten wären zugleich ein geeignetes Ziel, um neue Waffensystem zu testen.

  2. 1965/66 waren wir für ein Jahr mit unserem VW-Käfer Vorderasien und im Nahen Osten unterwegs. Türkei, Afganistan, Persien, Irak, Syren, Jordanien und Israel. Die Menschen in diesen Ländern waren dort alle sehr freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend und extrem gastfreundlich. Man mußte weder Angst um Leib und Leben haben und in der ganzen Zeit wurde auch nichts entwendet oder man erlebte eine ablehnende Haltung oder andere unfreundliche Akte. Im Gegenteil, unser Käfer wurde einmal sogar 3 Stunden von 2 Eseln über Land gezogen, weil der Treibstoff ausging und der Besitzer wollte dafür keinen Pfennig haben, was wir natürlich nicht akzeptierten und ihn entsprechend entlohnten. Das die Menschen über viele Jahrzehnte zum Teil anders geworden sind, kann nach meinem Eindruck nur mit dem Einfluß der westlichen Hemmissphäre zusammenhängen, denn das war der Spaltpilz der orientalischen Gesellschaft und dies zieht sich durch wie ein roter Faden bis in die heutige Zeit. Nun wollen sie aufgrund vieler unerträglicher Zustände zu uns nach Europa kommen, was natürlich in der Vielzahl nicht geht, aber trotzdem sind wir alle schuld an dieser Entwicklung und wie wir da unbeschadet herauskommen, das steht in den Sternen.

  3. Was die deutsche Politik dort macht ist klar : Sie bohrt Brunnen und baut Schulen für unterdrückte Frauen .— natürlich mit Militär – wie denn sonst ?  VdL bahnt den Weg in die Zukunft , nachdem das deutsche Militär vor Stalingrad vergeblich Brunnen bohrte und die Freiheit schützte .

  4. Turkmenisches Öl – der primäre Grund für die US-Invasion

    Turkmenistan im Norden Afghanistan hat große Ölvorkommen und eines der größten Erdgasfelder der Welt aber ein Problem – seine geographische Lage.

    Eine Pipeline durch den Iran zwecks Verkauf der Öl/Gas-Vorkommen auf dem Weltmarkt wird vom Iran blockiert, da der Iran keine US-Ölfirmen unterstützen will, die mit turkmenischem Öl ein Geschäft machen wollen.

    Also bleibt nur eine Pipeline durch Afghanistan und Pakistan zum Indischen Ozean.

    1996 – Damals beherrschten die Taliban weite Teile Afghanistans, deshalb hofierte die US-Administration unter Ronald Reagan die Taliban und unterstützte sie finanziell um sie willig zu machen, einer Pipeline des us-amerikanischen Öl-Multis Unocal zuzustimmen. Hamid Karsai, der heutige Präsident Afghanistan arbeitete damals für die Unocal als Berater, was er heute bestreitet.

    Die Taliban wurden jedoch von Osama Bin Laden davon überzeugt, die Konzession lieber an die argentinische Öl-Firma Bridas zu vergeben, da diese den Taliban ein lukrativeres Angebot machte.

    Das verärgerte die US-Administration und die Unocol, welche von Rockefellers Chevron aufgekauft wurde erheblich. Die US-Propaganda brachte daraufhin die Taliban in einen Zusammenhang mit Terroranschlägen in aller Welt und bereitete so eine US-Invasion in Afghanistan propagandistisch vor.

    Condoleezza Rice, Sicherheitsberaterin des Weißen Hauses war Direktorin bei Chevron und konnte im Weißen Haus Lobbyarbeit für Chevron betreiben.

    Sechs Monate vor dem 9/11ten beschloß die US-Administration unter George W. Bush Afghanistan zu besetzen, die Taliban zu vertreiben und Chevron die militärische Rückendeckung für den Pipeline-Bau von Turkmenistan zum Indischen Ozean zu gewährleisten. Hamid Karsai wurde von den USA als Statthalter eingesetzt.

    Die Anschläge vom 9/11 waren also der Vorwand für Krieg auf zwei Ölquellen – der Irakischen und der Turkmensichen.

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    Das Scheitern des US-Plans

    Der Plan funktionierte aber nicht, da die Taliban mit Anschlägen den Bau der Pipeline bis heute umöglich machten. Es sieht stark danach aus, dass sie Waffenlieferungen von außerhalb bekommen. Vermutlich vom Iran, von Pakistan oder Indien.

    Und das aus folgendem Grund:

    Das iranische Pipeline-Projekt

    Der Iran hat ein Konkurrenzprojekt zur Chevron-Pipeline laufen. Dazu hat er mit Pakistan und Indien einen Vertrag über eine Pipeline unterschrieben, die alle drei Staaten miteinander verbinden soll. Die USA unter Bill Clinton haben Pakistan schon mit Krieg gedroht, sollte die Pipeline gebaut werden.

    Diese iranische Pipeline macht die Pipeline von Chevron fast sinnlos, da Chevron dann nicht mehr der Alleinlieferant von Pakistan und Indien ist, sondern der Iran das Hauptgeschäft macht und zugleich die US-Sanktionen durchbricht.

    Es ist also anzunehmen, dass der Iran die Chevron-Pipeline durch Waffenlieferungen an die Taliban torpediert.

    ————————————————–

    Trumps neuer Versuch:

    Offenbar glaubt Trump, Chevrons Interessen doch noch militärisch durchsetzen zu können und erhöht die US-Truppen-Präsenz in Afghanistan.

    Doch das wird vorausichtlich genausowenig funktionieren wie in Vietnam – ein nie endender Krieg.

     

    1. Die Deutsche Rolle in Afghanistan

      Soltle Rockefellers Chevron-Pipeline zustande kommen, wird Turkmenistan durch den Verkauf von Gas und Öl extrem reich werden und im Ausland Industriegüter einkaufen.

      Zur Zeit sind dort bereits Deutsche Konzerne wie Siemens, Deutsche Bank, Wintershall und Daimler AG tätig. So wird z.B. das dortige Telefonnetz von Siemens gebaut.

      Sollte Turkmenistan also reich werden, so werden diese Konzerne mit ziemlicher Sicherheit deutlich mehr Aufträge von der turkmensichen Regierung bekommen, da die Deutsche Bundeswehr mitgeholfen hat, die Pipeline für Turkmenistan militärisch zu erzwingen.

      Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat sich vor ein paar Jahren diesbezüglich vor laufenden Kameras verplappert, als er sagte:

      "…im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege,…"

      Woraufhin er für diese Indiskretion umgehend aus dem Amt gejagt wurde.

      Die Bundeswehr kämpft in Afghanistan also im Prinzip für die Gewinnerwartungen von Siemens und Deutsche Bank.

      Aber das erzählt man der Bevölkerung in Deutschland natürlich nicht…

      1. Nee, ich bin da mehr bei der CIA-Opium-Connection des Autors!

        Die Taliban haben gerade die Opiumproduktion unterbunden, deswegen wurden sie bekämpft.

        Und die Bundeswehr durfte nicht mal Opiumfelder zerstören.

        So viel zum US-Kampf "war against drugs"…

         

  5. Irgendein Profit wird schon dabei rausschauen. Öl, Drogen…… Wo leben denn die Amerikaner am liebsten? Überall in allen Ländern der Erde, wollen die ihr eigenes Land wahrscheinlich schonen und dort an allem mitnaschen. Schonen damit ihr eigenes Land damit.

    1. Der Profit bzw. Mehrwert liegt darin Mitbewerbern selbigen zu vereiteln. Das läuft unter dem Oberbegriff Marktbereinigung und läuft solang bis es a. zu teuer wird oder b. der andere nen neuen Weg gefunden hat. ? Dann zieht die gesamte Karawane weiter zum nächsten "Brennpunkt" der die Welt in Atem hält.?

  6. Die Frage sollte eher heißen, was machen unsere Leute ( Soldaten) eigentlich immer noch in Afghanistan ?! 

    Was die Amis machen interessiert mich weniger denn für mich zählt " Deutschland zuerst" !

  7. @Willi 14:17

    hat dieser Brauch zufällig was mit kleinere Jungens zu tun – die gerne abends vernascht werden – und viele Politiker deshalb schon mal gerne dahin fliegen ?! 

    Hab da mal was drüber gelesen ………. was davon Realität ist – keine Ahnung ! 

    Aber ist nicht alles möglich, was wir früher nicht für möglich gehalten haben ?! 

  8. @Willi 

    Unfassbar, habe gerade mal " Bacha Bazi " gegoogelt und bin mehr als erschrocken. Auch deswegen weil der Brauch sich in Deutschland und Schweden auch schon verbreitet. 

    Guckst du : Google: Bacha Bazi – auch ein Thema was in Deutschland ignoriert wird – weil sich niemand traut das Thema anzusprechen.

  9. Fakt ist,  mit den Millionenfachen, illegalen Grenzübertritten werden auch Sitten und Bräuche importiert auf die wir alle in Europa gut verzichten können – die, man uns aber sozusagen aufzwIngt- von daher wählt Sonntag BLAU und das mit beide Stimmen ! 

    1. Ja, natürlich! Je mehr 3. Welt wir importieren, desto mehr wird sich das Leben in Deutschland der 3. Welt annähern. :-///

      Ich wähle am Sonntag auch die blaue Alternative mit Erst- und Zweitstimme!

       

  10. was machen die da, was machen die da ?

    Die ( USrael ) halten Israel ( und uns ) den Islam klein – und das kostet, logisch, dass das von den Koranverseuchten zum Teil selbst bezahlt werden muss !

    Der Islam wird von seinem Erfinder ( den Juden ) gesteuert, mal hierhin, mal dorthin entsandt, aber in der Region zur eigenen Sicherheit auf Sparflamme gehalten.

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