John Mearsheimer ruft USA zu „realistischer Außenpolitik“ auf

Der renommierte US-Politikwissenschaftler John Mearsheimer gilt als Vertreter des politischen "offensiven Realismus". Er fordert eine massive Kursänderung der US-Außenpolitik ein.

Von Marco Maier

John J. Mearsheimer, ein Politikwissenschaftler mit Fokus auf die internationale Politik und kurzzeitig auch Mitarbeiter beim berüchtigten Council on Foreign Relations, sowie Autor mehrerer Bücher (darunter: "The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy"), gilt als Vertreter eines politischen "Neorealismus". In einem Artikel für "The National Interest" rechnet er in Sachen US-Außenpolitik mit der US-Politik generell, aber auch mit der Trump-Administration ab.

Die Kernaussagen für die Eckpunkte einer "realistischen Außenpolitik" lauten demnach:

  • Zu akzeptieren, dass der US-amerikanische Versuch des 'nation building' in Afghanistan, Ägypten, dem Irak, dem Jemen, Libyen und Syrien "ein erbärmlicher Fehler war".
  • "Washington sollte die Souveränität von anderen Staaten respektieren, auch wen es mit deren Innenpolitik nicht einverstanden ist."
  • Zu verstehen, dass "Amerikas Terrorismusproblem … teilweise durch die militärische Präsenz in den arabischen Territorien, sowie durch die endlosen Kriege welche die Vereinigten Staaten im Nahen Osten begannen, angeheizt wird."
  • "Die Trump-Administration soll die lokalen Mächte den IS bekämpfen lassen."
  • Sich zu erinnern, dass Russland keine reale Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt: "Selbst wenn Russland seine Wirtschaft modernisiert und dessen Bevölkerung in den kommenden Jahren wächst – große wenns – wird es nicht in der Lage sein, eine signifikante militärische Macht außerhalb Osteuropas zu werden."
  • "Ein Syrien regiert von Assad stellt keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar."
  • "Der neue Präsident sollte auch daran arbeiten, die Beziehungen zum Iran zu verbessern."
  • "Die Europäer zu ermutigen, selbst Verantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen, während man die verbliebenen US-Truppen dort schrittweise reduziert."
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Man muss nicht alle seiner Kernaussagen gutheißen und darf (z.B. in Sachen Aufrüstung Europas oder der künftigen Rolle Russlands) durchaus andere Standpunkte einnehmen, doch mit seinen Vorschlägen vertritt Mearsheimer durchaus vernünftige Positionen in Sachen US-Außenpolitik. Dabei gehört der Politikprofessor zur Opposition der sogenannten "liberalen Hegemonie", die von William Ruger so zusammengefasst wird:

"Die liberale Hegemonie ist eine aktivistische Hauptstrategie, die ausdrücklich darauf abzielt, die US-Dominanz und das 'unipolare Moment' im Dienste des Liberalismus und der nationalen Sicherheit aufrecht zu erhalten." Dies sei, so Barry Posen, die Hauptstrategie der Vereinigten Staaten seit dem Ende des Kalten Krieges und beinhaltet auch den konsensuellen Blick des Establishments beider großer Parteien (den liberalen Internationalisten und den Neokonservativen) auf die Außenpolitik des Landes.

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12 Kommentare

  1. Dabei gehört der Politikprofessor zur Opposition der sogenannten "liberalen Hegemonie"

    —–

    Was wiederum kein Wunder ist, gehört er doch zum Volk der 'fallen ones', die an einer Vormachtstellung von US-rael interessiert sind.

    Macht aber nix, gehört er doch zu den lautesten Kritikern der von der AIPAC und anderen Pressure Grps. in den USA inszenierten 'pro Israel' Politik. 

    Das macht in sympathisch!

  2. Passt – Unipolarismus – Faschismus – die Realität des Westens

    Nach meiner überzeugung kann der unipolare Anspruch, der mit der auflösung der UDSSR den USA zurecht zu viel, selbst mit grösster Anstrengung und aggressivster Aussenpolitik nicht aufrechterhalten werden. Ebensowenig wie die Liberale Hegemonie, was im übrigen ein widerspruch in sich ist.

    Das Problem bei den ganzen phantasterrein liegt im Inneren. Was noch keiner auf dem Schirm hat, die eigene Bevölkerung. Der Vorsprung des Establishments, der in ihrer Geschlossenheit liegt, dem eine orientierungslose Multikulti Bevölkerung gegenüber steht, die in jede gewünschte Richtung geschoben werden kann, wird verschwinden. Die Manipulationen und damit der Führungsanspruch werden verloren gehen. Es wird aussen und innenpolitisch zu einer Spirale der exzesiven Gewalt kommen. Die Ursachen dafür liegen im vorherrschenden Wirtschsfts, Finanzsystem bei Globalem Handel. Im Augenblick dienen die Drittweltländer und der Nahe Osten als Generator für den Westen. Und selbst wenn es gelingt Russland zu überfahren und zu assimilieren, dannach ist Schluss mit liberaler Hegemonie. Es kommt zu einer immer schnelleren Abfolge von Wirtschaftskrise, inneren Unruhen, Aufständen, Bürgerkriegen und Seperationsbemühungen.

    Das wird so nix, die Zukunft sieht im Augenblick für keinen gut aus.

    1. Die Kluft zwischen Erzählung und Wirklichkeit ist zu groß .

      Die Erzählung von Menschenrechten Toleranz Hilfe Demokratie , von der Behauptung die Wähler würden den Lauf der Gesellschaft bestimmen

      und der Realität , in der eine kleine Herrscherschicht die Vorgaben durchsetzt , der Mensch als Individuum marginalisiert ist , in keiner Weise fähig ist abseits der Vorgaben der Herrscherschicht zu handeln .

      Die Erzählung von Freiheit und Demokratie überdeckt die real vollständige Abhängigkeit des Einzelnen und die Handlungsunfähigkeit auch regionaler Gemeinschaften . Die Erzählung ist Liberal die Realität Faschistisch . Dieser Widerspruch wird sich , wie sie schreiben , vermutlich in Gewalt auflösen .

      1. Entweder in offenen Widerstand und Gewalt oder in Resignation, Unterwerfung und Gesellschaftlichen Stillstand auf allen Ebenen.

        Ich vermute letzteres ist die Hoffnung, der Zufluchtshort und einzig realistisch verbliebene Option und Motivation der "Bessereliten". Kurswechsel sind jedenfalls nicht wirklich ersichtlich und eine Vision kann in solch einem Umfeld auch nicht heranreifen.Ziemlich festgefahren, die Kiste.

  3. Wunschdenken hilft nicht weiter! Die Forderungen des Herrn US-Politikwissenschaftlers John Mearsheimer lassen erkennen, wie tief die US-Regierung gesunken ist und wie hoffnungslos verstrickt sie sich hat im Geld- und Ressourcen-Kassieren bzw. -Stehlen über Jahrzehnte, und so richtete sie sich mit unglaublichem Selbstverständnis über lange Zeiträume ein, als wären sie die ewig Auserwählten. Von dort ist nichts Positives zu erwarten, schon gar nicht, dass sich die US-Mächtigen zur Vernunft bringen lassen, DIE werden von Gier und besessenem Machtwahn getrieben. Psychotische Menschen sind bis an ihr Lebensende psychotisch, daran wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern. Es wird zwangsläufig zu westlichen Aufständen der Bevölkerungen gegen ihre Regierungen kommen.

    1. @ Elisa

      Wir sollten davon ausgehen, daß bei eventuellen Aufständen der indigenen Bevölkerung andere Maßstäbe angesetzt werden wie bei den "Zugereisten". Die letztgenannten will man garnicht verhindern und deshalb auch keine Maßnahmen in Bezug auf Unterbindung der illegalen Grenzüberschreitung. Anders sieht es dann bei der nationalen Bevölkerung aus und da wird man im Ernstfall keine Hemmungen zeigen, denn wer aus deren Sicht nicht dafür ist ist dagegen und somit Störfaktor, den man dann mit allen Mitteln ausschaltet, denn wo kommen wir denn hin, wenn man angeblich richtige Entscheidungen anzweifelt und dagegen aufbegehrt, das kann man keinesfalls zulassen und deshalb auch schon bestimmte Gesetzesveränderung, wie z.Bsp. Einsatz der Bundeswehr im Inneren, Spezialeinheiten als schnelle Eingreiftruppe usw.. Da spielen dann unschöne Bilder keine Rolle mehr, hauptsache es hilft.

  4. Der häufig wiedergewählte ehemalige US-Kongress-Volksvertreter Ron Paul bekennt sich zu ähnlichen Denkansätzen und Zielen.

    Sein neues Buch "Schwerter zu Pflugscharen" rechnet mit 200 Jahren Verfassungsbruch seitens anmaßender US-Regierungen ab und ist auch als Quelle (Sicht eines kritischen intern Dabeigewesenen) für zeitgeschichtliche und gegenwärtige globalistische US-Praktiken wertvoll.

    Der Titel ist allerdings ein Missgriff: Er ist der hebräischen Mythologie entnommen (Prophetenbuch Micha 4); der Kontext fordert von den Hebräern, über andere Völker zu herrschen und zu richten; erst wenn diese Oberherrschaft errungen sei, dürfen demnach die Hebräer den anderen Völkern Frieden gewähren.

    Die hebräische Mythologie tendiert durchgängig (bei einem selbstbezogen extrem völkisch-nationalistischen) zu einem universalistischen und größenwahnsinnigen, heute  als "neokonservativ" bezeichneten Denken, das den erklärten nichtinterventionistischen Zielen von Ron Paul wie auch den meisten der hier skizzierten Empfehlungen von John Mearsheimer zuwiderläuft.

  5. Sehr sachliche und vernünftige Aussagen!

    In Amerika scheint es doch noch intelligentes Leben zu geben! Wenn man bei der Analyse das Wort USA durch EU ersetzt kommt man zu erstaunlichen Übereinstimmungen. Also das Papier sollte auch mal die Wahnsinnigen in Brüssel, Berlin, Paris und London lesen…

  6. Die Vorschläge von John Mearsheimer sind eine Selbstlüge und ein verdrehen der Tatsachen.

     

    "Washington sollte die Souveränität von anderen Staaten respektieren, auch wen es mit deren Innenpolitik nicht einverstanden ist."

     

    Es geht gar nicht um Innenpolitik bei Syrien, sondern um den Handel und Handelswege und die sind nicht nur Innenpolitik sonder auch Außenpolitik.

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