In der Eurozone sind Politik und teile der Wirtschaft von den niedrigen Zinsen abhängig. Erhöht die EZB die Zinssätze, wird es erneut kritisch.

Von Marco Maier

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrer Entscheidung, die Zinssätze quasi an den Nullpunkt zu drücken, eine fatale Entwicklung in Gang gesetzt. Es haben sich dadurch Menschen und Unternehmen (höher) verschuldet, als sie unter normalen Umständen überhaupt die Möglichkeit gehabt hätten. Inzwischen spricht man ja schon von einem Anteil von 10 Prozent an "Zombiefirmen" – jenen Unternehmen, die ohne die billigen Kredite schon längst nicht mehr existieren würden.

Doch daran hängt ein Rattenschwanz: Beschäftigte (mit Krediten), Zulieferer (mit Krediten) und so weiter. Geht es mit den Zinssätzen wieder hoch, werden viele dieser Unternehmen in die Insolvenz schlittern und dann den europäischen Banken Probleme bereiten, sowie generell der Wirtschaft. Darüber kann die angeblich so gute Konjunktur in Deutschland auch nicht hinwegkommen.

So lange solche Umstände bestehen, kann die EZB die Zinsätze gar nicht wieder anheben – außer sie will tatsächlich eine neue Banken- und Wirtschaftskrise auslösen. Noch strengere Regeln für die Kreditvergabe der Banken werden das Problem allerdings auch nicht wirklich lösen, da schon jetzt (je nach finanzieller Lage der Bank) viele Unternehmen keinen Kredit mehr bekommen, bei denen es noch vor wenigen Jahren trotz ähnlicher wirtschaftlicher Lage kein Problem war.

Für die EZB selbst ist dies ein Dilemma. Man weiß genau, dass es so wie jetzt nicht ewig weitergehen kann. Doch wenn infolge einer Anhebung der Zinssätze Privathaushalte und Unternehmen plötzlich mit höheren Kosten für die Schuldentilgung konfrontiert werden und auch die (schwächeren und hoch verschuldeten) Euroländer Probleme mit der Refinanzierung ihrer Altschulden sowie bei der Aufnahme neuer Kredite haben, wäre dies ein Desaster.

Loading...

Damit stehen die Europäer vor demselben Problem wie die Amerikaner. Auch die Fed kann die Zinssätze nicht einfach so wieder stark anziehen, ohne damit eine neue Wirtschafts- und Finanzkrise auszulösen. Die ökonomischen Zauberlehrlinge haben sich massiv verzockt.

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

4 thoughts on “Die EZB kann die Zinssätze gar nicht erhöhen”

  1. " Es haben sich dadurch Menschen und Unternehmen (höher) verschuldet, als sie unter normalen Umständen überhaupt die Möglichkeit gehabt hätten. "

     

    Das stimmt ja einfach nicht. Die ausstehenden Unternehmensschulden sind in der Eurozone von 2009 bis 2015 gesunken und seitdem konstant.

     

    Zudem liegen die Durchschnittszinsen der ausstehenden Schulden nach wie vor weit über den aktuellen Marktzinsen. Die Zinsen müssten also zunächst einmal kräftig steigen, ehe Refinanzierungen bestehender Schulden teurer würden.

     

    Abgesehen davon, ist es ja ein lustiges Argument zu sagen, man sollte die Konjunkur erst gar nicht ankurbeln, weil es dann schwierig ist, wieder zu normalisieren…

  2. Welche Stellung hat der Mensch unter gegebenen Bedingungen ?

    War seit der Renaissance der Mensch im Mittelpunkt des Interesses ist es nun das Kapital, um das sich alle Mühe und Sorge und Weltanschauung formiert .

    Der Mensch mit seiner vielfältigen Existenz ist kein "Gegenstand" der Betrachtung mehr , das System Kapital ( Gottgleich mit : too big to fail ) hat alle Betrachtung auf sich gezogen .

  3. Mario Draghi hat 'Europa' in ein Junkieparadies verwandelt, indem er mit seiner Niedrigzinspolitik die Selbstheilungskräfte der Märkte nach 2008 ausschaltete und die noch gesunden Volkswirtschaften dorgenabhängig machte. Angefangen hat das mit Südeuropa, welches als erste der Droge des billigen Geldes verfiel, und um vernünftigerweise den Entzug zu organisieren, besorgte die EZB Ersatzdrogen. Als der normale Zustrom von Drogen inform privater Kapitalzuflüsse versiegte, versuchte man den einfachsten Weg zu gehen und fing an Geld zu drucken, womit de EZB mit einer Ausweitung ihres ELA und QE Programms eine Zombielandschaft schuf, bei dem der angebliche Hexenmeister Mario Dragie zum Lehrling wurde, der nun auf einem Haufen von wertlosen Staatspapieren sitzt, bei dem die EZB nicht einmal mehr zu wissen scheint, was sie da eigentliche eingekauft hat, was sie in ihren Depots hat und sie dafür keine Käufer findet, da diese offensichtlich besser rechnen können, als die EZB jemals dazu in der Lage sein wird.. So würde mit einer Zinserhöhung, allein wenn man die Immobilienblase Europas betrachtet, selbst die EZB ein Opfer ihrer eigenen 'Tüchtigkeit' werden, wobei wir alle gespannt sein werden wie ein solches Insolvenzverfahren aussehen wird, was jeglichen bisher bekannten Rahmen von einer Zahlungsunfähigkeit sprengen wird, wofür am Ende der deutsche Steuerzahler einzustehen hat.

  4. Zinsen? Am Arscx

    Richtet euch auf dauerhafte Minuszinsen ein und lernt was wirkliche Investitionen sind oder es gibt totalverlust.

    Ein Bauer schließt 100 Kühe im Stall ein. Nach einem Jahr schließt er wieder auf und….. genau. Er erwartet nicht etwa 100 tote Tiere nöö er erwartert 106 Gesunde kräftige Tiere.

    Lassen sie ihr Geld arbeiten.?

     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.