Moskau und Neu-Delhi sind seit Jahrzehnten gute Parter. Doch in den letzten Jahren kam es zu geopolitischen Verschiebungen.

Von Marco Maier

Seit rund 70 Jahren schon gibt es eine gut funktionierende Kooperation zwischen Moskau und Neu-Delhi. Doch die Zeiten ändern sich. Während die Hindu-nationalistische Regierung Indiens inzwischen die engere Zusammenarbeit mit den USA sucht, arbeitet Russland seit einiger Zeit viel enger mit China und Pakistan zusammen – beides Rivalen Indiens.

Das macht die Lage – zumindest aus indischer Sicht – durchaus etwas komplizierter, da die Regierung einerseits auf die antipakistanischen und antichinesischen Ressentiments der Bevölkerung achten muss, andererseits jedoch nicht die wirtschaftliche Entwicklung des Landes außer Acht lassen darf.

So scheint man in Neu-Delhi durchaus gewillt zu sein, an den Beziehungen zu Moskau festzuhalten, was sich auch an gemeinsamen Militärübungen und dem Ausbau der wirtschaftlichen Kontakte zeigt, aber auch mit Peking scheint man seitens der indischen Regierung ein besseres Verhältnis zu suchen. Immerhin haben die Chinesen extra für Indien und für Pakistan eigene Wirtschaftskorridore errichtet, um den Regierungen beider Länder die Kooperation zu erleichtern.

Man darf annehmen, dass man in Neu-Delhi den Verkauf von russischen Mi-35M-Helikoptern an Pakistan im Jahr 2015 durchaus mit Argwohn betrachtete und auch der damals in Angriff genommene Bau einer zwei Milliarden Dollar teuren Gas-Pipeline von Russland nach Pakistan nicht gerade Freudentaumel in Indien verursachte. Und noch weniger Grund zur Freude verursachte die russisch-pakistanische Anti-Terror-Militärübung "Friendship-2016", die von Moskau auch als Reaktion auf die wachsenden indisch-amerikanischen Beziehungen forciert wurden. Dennoch zeigte Moskau mit der weitaus größeren Militärübung "INDRA-2016" in Indien, dass man weiterhin an der Pflege der binationalen Beziehungen interessiert ist.

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Auch deshalb trafen sich Präsident Putin und Premierminister Modi am 1. Juni 2017 beim 18. jährlichen Russland-Indien-Gipfel, bei dem die beiden Spitzenpolitiker den Ausbau des Handels und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit bekräftigten, sowie ankündigten, den bilateralen Handel bis zum Jahr 2025 auf 30 Milliarden Dollar zu erhöhen. Zudem stimmte man zu, die enge Zusammenarbeit in Sachen Energiesektor, Wissenschaft und Technologie auszubauen und an einer "Russisch-indischen Energiebrücke" zu arbeiten.

Vielleicht schafft es Russland ja gemeinsam mit China, die beiden Rivalen Indien und Pakistan zu versöhnen. Immerhin konnten die Spitzendiplomaten erreichen, dass beide Länder zusammen während des Treffens vom 8. bis 10. Juni in der kasachischen Hauptstadt Astana Mitglied der "Shanghai Cooperation Organization" (SCO) wurden, der auch der Iran beitreten möchte.

Wie es aussieht, wird Indien wohl auch weiterhin ein wichtiger Partner Russlands bleiben, auch wenn die indische Regierung immer wieder in Richtung USA ausbricht und so unter Umständen auch zu einem trojanischen Pferd für SCO, BRICS & Co avancieren könnte. Für die gesamte asiatische Region ist die derzeitige Entwicklung jedoch ein Gewinn.

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6 thoughts on “Wird Indien weiterhin ein Partner Russlands bleiben?”

  1. Ich verstehe die Politik Putins in manchen Bereichen nicht mehr.

    Dazu gehört die Annäherung an die Türkei, die ihr osmanisches Reich errichten will, dem Syrien zum Opfer fallen würde!

    Natürlich weiß Putin wesentlich viel mehr als die Menschen, die hier diskutieren, aber ist der Einsatz da nicht etwas hoch?

    Denn alle dieser Länder im Nahen Osten kochen ihr eigenes Süppchen und tun sich mit Großmächten zusammen, um ihren Vorteil daraus zu schlagen.

    Indien führt den bargeldlosen Zahlungsverkehr ein, ein Schritt in die NWO, die Russland nicht gouttieren kann?

    Die Strategie ds Aufbrechens der US dominierten Phalanx, die Amerika weltweit aufbauen will, kann auch in ein nicht berechenbares und nicht kontrollierbares Abenteuer führen, denn das Spiel heißt in Wirklichkeit "Jeder gegen Jeden"!

    Und gegen die Bevölkerungen. Da sind sich die meisten Regierungen einig!

     

     

  2. Nur Diplomatie darf das einzige Mittel der Verständigung sein. Das Kapitel der Gewalt, Unterdrückung, Unterjochung soll abgeschlossen werden. Sofern sehe ich in der russischen Politik Zukunft für uns alle auf diesem Globus.

  3. Indien entwickelt sich zum bevölkerungsgrößten Land der Erde. Das muss die Regierung im Blick behalten, zumal die ethnischen Probleme schon heute kaum im Griff der Obrigkeit sind.

    Den Indern ist es noch immer gut in Erinnerung, dass die "Hilfe" in Sowjetzeiten nicht sehr viel taugte und den Eindruck hinterließ, dass man ihnen nur überzähligen Ramsch lieferte.

    Wenn die Russen nun wieder nur auf die militärische Karte setzen wollen, werden sie sich aber sehr anstrengen müssen, um einen Punkt zu erlangen. 

  4. Russland  müsste das geknechtete Volk der  Germanen befreien  ! Erst  dann, und nur dann  wird es eine menschliche  Weiterentwicklung  geben  ! Alles  Andere ist zionistische  (nicht jüdische ) Versklavung  !

  5. Modi ist in meinen Augen ein us-serviler hinterhältiger Depp, der es fertig gebracht hat, seiner Bevölkerung das Bargeld wegzunehmen und weite Teile in den Hunger zu treiben. Ein Regierender, der so etwas im Auftrag der USrael-Oberclique mit seiner Bevölkerung macht, gehört fristlos abgesetzt. Wenn ich da an Duterte denke, DER hätte dem „Hurensohn“ nach derartigen Anweisungen gleich mal die Ohren geputzt und die Kappe gewaschen, und passiert wäre in punkto Bargeld nichts dergleichen. So wird das gemacht, und nicht anders, wenn ein Regierender sein Volk schützt.

    Eine Woche ohne Bargeld: Chaos nach Indiens Blitzreform
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Eine-Woche-ohne-Bargeld-Chaos-nach-Indiens-Blitzreform-3484165.html

  6. Das macht die Lage – zumindest aus indischer Sicht – durchaus etwas komplizierter, …

    ausgewogene wortwahl – heruzlichen dank! 🙂  

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