Jedermann-Szene bei den Salzburger Festspielen 2014. Bild: Wikimedia / Francisco Peralta Torrejón CC BY 3.0
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Die Salzburger Festspiele werden am 21.07.2017 eröffnet – es sind die 96. Salzburger Festspiele. Nicht alles aber doch einiges ist neu.

Von Viribus Unitis

Dieses Jahr gibt es zwei Highlights. Einmal wie immer ein Opernhighlight, AIDA mit Anna Netrebko, und zweitens die Neu-Inszenierung des Jedermann, wobei sowohl die Inszenierung als auch die Besetzung des Jedermanns wechselte.

Der alte Jedermann, mit Cornelius Obonya, wurde aus dem Verkehr gezogen. Sowohl die Inszenierung wie auch die Hauptrolle bekamen neue Besetzungen. Michael Sturminger übernahm die Regie von zwei US-Amerikanern, die man über den großen Teich zurücksandte.

Diese alte Inszenierung war eine Besonderheit. Die Buhlschaft fuhr – mit Gefolge – per Fahrrad an die Bühne, ließ es theatralisch fallen, und dort lag das arme Rad dann auch die ganze Aufführung über. Nachdem die Buhlschaft ihre 30 Sätze gesprochen hatte, sank sie auf einen bereitstehenden Leiterwagen, der mit Heu und Blumen bedeckt war. Ob die Buhlschaft nur in Ohnmacht war, oder das gesegnet hat, was man gemeinhin das Zeitliche nennt, bleibt für den Betrachter offen. Die Buhlschaft lag für den Rest der Aufführung auf dem Leiterwagen.

Fahrräder (mit der die Buhlschaft und Begleitung gekommen waren) lagen herum, die Buhlschaft lag auf dem Leiterwagen, und daneben tanzte Obonya im Broadway-Stil vor der monumentalen Kulisse des Salzburger Doms. Der mondäne Lebemann wird so zum substanzlosen Frontgaukler. Wer glaubt, hier eine gut inszenierte Satire zu sehen, irrt – die meinten das ernst. Diese Inszenierung ist Geschichte – Gott schütze jene, die dem Publikum diesen Dienst erwiesen haben.

Der neue Jedermann mit Tobias Moretti als Hauptdarsteller, geht mit vielen Vorschusslorbeeren ins Rennen. Die Vorstellungen sind seit Monaten ausverkauft, und die Neugierde auf Moretti als Jedermann und die neue Inszenierung ist groß. Ob wieder Fahrräder und die Buhlschaft in der Gegend herumliegen weiß man aktuell noch nicht.

Die Aufführungen der AIDA teilen sich in jene Aufführungen die Anna Netrebko singt, und jene die von der Südkoreanerin Vittoria Yeo gesungen werden. Stimmlich sind beide Damen ohne Makel, wobei „Die Netrebko“ ein gewaltiges Image hat, Frau Yeos Image ist noch nicht so poliert.

Eine seit Mortiers Zeiten übliche Unsitte haben die Festspiele noch nicht abgeschafft – die Erziehung des Publikums mit Sandwich-Programmgestaltung. Gemeint ist, dass moderne Klassik beim Publikum nicht beliebt ist. Um trotzdem moderne Klassiker spielen zu können, wird das moderne Stück so eingebaut, dass es vom Konzertbesucher gehört werden muss. Ein Konzertabend besteht meist aus drei Stücken, 1. Stück, 2. Stück, dann kommt eine Pause, und danach das 3. Stück.

Meist wird als 1. Stück ein beliebter Klassiker gesetzt, als 2. das moderne Stück und nach der Pause als 3. Stück kommt wieder ein beliebter Klassiker. Würden die Konzertplaner das moderne Stück ans Ende setzen, also nach der Pause spielen lassen, so hätte dies unabsehbare Folgen. Wer geht nach der Pause noch rein um sich Modernes anzuhören? Nur sehr sehr wenige. Um diese Zuschauer-Massenflucht zu umgehen, wird das moderne Stück meist als 2. Stück eingebaut – die Zuschauer werden so ausgetrickst – wenn sie schöne Klassik hören wollen, müssen sie auch die Dissonanz und Atonalität ertragen. Das ist nicht nett von den Verantwortlichen, aber der Zuschauer ist diesem Hinterhalt hilflos ausgeliefert.

Der Schreiber dieser Zeilen könnte nun Glückseligkeit heucheln, ob der Verzückung über die Dissonanzen, Kontrapunkte und Atonalitäten die bei modernen Stücken vom Orchester ausgesandt, sein Ohr erreichen. Ehrlicherweise muss er zugeben, er steht solchen Lärmbelästigung mit Durchhaltevermögen gegenüber. Meditation ist ein Mittel, um diese Musik zu überstehen, aber auch sonstige Aktivitäten, wie das Zählen der Orchestermusiker (Gesamtzahl, wie viele Frauen, wie viele Männer, etc.), haben sich als gute Überbrückung dieser harten Zeit herausgestellt.

Dann ist endlich Pause, und man geht in den Pausenraum um dort den Festspielwein – ein gutes Tröpfchen – zu genießen. Der Festspielsommelier hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er einen guten Gaumen hat – die Weine (ein Roter, ein Weißer) sind erstklassig.

Nach der Pause bekommt man wieder klassischen Genuss, und der Abend klingt aus, wie er ausklingen sollte. In angenehmer Schwingung verlässt man die Spielstätte.

Wenn Sie in Salzburg sind, und Sie haben keine Karte für den Jedermann, dann haben sie trotzdem noch Chancen. Am Residenzplatz – in einem kleinen grauen Hüttchen sitzend – verkauft eine Abendkassen-Dame der Festspiele noch Rest-Karten für die Sitzplätze – wenn welche verfügbar sind. In der Franziskanergasse steht auch noch so ein kleines graues Hüttchen, dort werden die 200 Stehplätze verkauft, die meist verfügbar sind und aktuell 10 Euro kosten.

Ehemals damals gab es vor diesen Hüttchen tumultartige Szenen – in jenen Zeiten, als Peter Simonischek Jedermann war und Veronika Ferres die Buhlschaft. Diese Kartenhype war bei der jetzt abgesetzten Inszenierung nicht zu bemerken, kann aber wieder kommen, wenn die neue Inszenierung einschlägt.

Genießen Sie Salzburg und die Salzburger Festspiele, jenem Festival, das in regelmäßigen Abständen von Fachpersonen zum „Besten Festival der Welt“ gewählt wird.

4 KOMMENTARE

  1. KLASSE!

    Salzburger Festspiele: AIDA mit Netrebko und der Jedermann mit Moretti in Neu-Inszenierung.

     

    Dann kommt die Knazlerin und zeigt scheinbar unbeabsichtigt ihren weich, warmen Busen mit lasziven Blick im blauen Kleid zur Kamera. Darauf wurden die Festspiele sofort abgesagt.

     

  2.  

    Die Spiele müßen weitergehn,

    der eine oder and're sogar stehn.

    Da lob ich mir mein kleines Bett,

    bevor ich mich an Lärm noch kett.

    Ein schöner Schmöker noch zur Hand,

    wär doch nur Murksel aus dem Land.

  3. Ob ein Hartz4er eine Eintrittskarte bekommt ist allerdings fraglich, da müsste er erst einen Antrag stellen beim Sozialamt für die Kosten einer passenden Kleidung 🙂

  4. Was ist los am 20. Juli, dem Tag der Kofferbomber? Keine Feier mehr erwünscht in der BRDDR?

    Welche Bomber sind aktuell die politsch korrekten Bomber? Die von 33 bis 45 oder die von 48 bis 17? Bis vor wenigen Jahren bestand noch BRDDR-Einigkeit darin, daß Onkel Addis Bomber eindeutig zu den Heiligen gehörten. Gut, der wollte überleben, und er hat auch überlebt. Damit war er gar kein heilig zu sprechender Märtyrer. Nun, da die Muselheimsuchung mit ihren eigenen Bomberheiligen aufwarten kann, die zudem noch wahre Märtyrer sind; denn sie sprengen sich selbst in die Luft, ist die BRDDR vorsichtig geworden mit der Glorifizierung von Widerstand per tragbaren Bomben!

    Angesichts des neuen Zeitgeistes sollte Flintenmuschi sofort Kasernen nach dem Pionier Klinke benennen! Dieser sprengte sich selbstlos mitsamt der Düppeler Schanzen in die Luft und verschaffte Preußen den Sieg. Aber solche Deutsche will man in der Bunten-Wehr nicht mehr!

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Klinke

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Klinke

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