Katars Außenminister war in Peking und wollte dort wohl Unterstützung für Katar organisieren. Peking blieb sehr zur Überraschung der Kataris – und der internationalen Beobacher – strikt neutral.

Von Viribus Unitis

Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani hat sich mit Chinas Außenminister Wang Yi in Peking getroffen. Die Chinesen meinten – wie die meisten andren Staaten auch – die arabischen Staaten sollten miteinander reden, und dahingehend die Probleme lösen. Peking sieht für sich keine Rolle in dem Konflikt, ist aber zu Maßnahmen bereit, die das Problem lösen helfen. Peking ist also bereit neutraler Vermittler zu sein, wenn von den Staaten (nicht nur Katar) gefordert, ergreift aber nicht Partei für Katar oder die Blockadestaaten.

Die Chinesen ergriffen nicht Partei für Katar, wie im Westen erwartet worden war, sondern blieben strikt neutral. Man hatte im Westen vermutet, Russen und Chinesen würden die gute Gelegenheit ergreifen und Katar in ihren Asien-Verbund, die aktuell 3,2 Milliarden Einwohner bzw. Kosumenten umfassende SCO einladen, in der die Türkei bereits als Dialogpartner Teil-Mitglied ist. In der SCO gibt es eine dreistufige Mitgliedschaft. Zuerst wird man Dialogpartner, dann kann man Beobachter werden und erst dann Vollmitglied. Die SCO ist die mächtigste Wirtschaftsorganisation der Welt. Zum Vergleich, die West- G7 haben nur 1,036 Milliarden Einwohner bzw. Konsumenten, die SCO hat 3,2 Milliarden (Mitglieder unter anderen auch China, Indien, Russland, Pakistan und andere).

Aber die Chinesen haben die gleichen Probleme wie der Westen – nämlich Terrorismus. Und die Chinesen sind strikte Gegner der Moslembrüder, also jener Organisation, die von Katar finanziert und durch die Türkei und Erdogan vertreten, verteidigt und unterstützt wird. Die Moslembrüder und ihre Terror-Aktivisten können von China kein Mitnaschen an der chinesischen Reisschale erwarten, höchstens eine Verbrennung durch das Feuer des chinesischen Drachens.

Für Interessierte: Hier die Erklärung des chinesischen Außenministeriums zum Besuch des katarischen Außenministers, und hier ein arabischer Bericht darüber (beides in englisch).

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International: Moslembruder Erdogan weiter tief drin, Russen angeblich draußen

Mittlerweile hat der türkische Vize-Premierminister Numan Kurtulmus Saudi-Arabien aufgefordert, die 13-Punkte-Forderung zurückzuziehen. Des weiteren wird der türkische Präsident Erdogan am 24. und 25. Juli eine Reise nach Saudi-Arabien, Kuwait und Katar machen.

Katar meint auch, die Blockadestaaten hätte kein Recht, die Schließung der gerade in Katar in Bau befindlichen türkischen Militärbasis zu fordern. Khalid bin Mohamed al-Attiyah, Katars Verteidigungsminster meinte, die Blockadestaaten "did choose the time so they cannot come and ask us to close a base where everybody knows about it from a long time back and this is considered a relation between two sovereign state countries"

Katar-Hacking: Wer war es wirklich? Neben der Washington Post hat nun auch NBC die VAE beschuldigt, die katarische Nachrichtenagentur gehackt zu haben. Das ist auch genau das, was die Kataris seit Wochen sagen. Das ist aber genau das Gegenteil von dem, was die sonstige internationale Presse sagt. In den Mainstream-Medien werden nicht müde, die Russen für das Hacking der katarischen Nachrichtenagentur verantwortlich zu machen – allgemeine Mainstreammedien mit Russland als Schuldigen, oder Katar und Washington Post und NBC mit VAE als Schuldigen – wer es nun wirklich war ist weiterhin völlig unklar.

Internationale Gemeinschaft: Geldmachen ist kein Nachgeben

Manche internationale Beobachter sahen schon ein Ende der Katar-Blockade nahen. Der Grund: Missdeutung von Aktivitäten.

So hatte US-Außenminister Tillerson mitgeteilt, das vor kurzem mit Katar geschlossene Abkommen über Terrorismusbekämpfung wäre durchaus positiv. Die VAE hatten daraufhin erklärt, das Abkommen zwischen den USA und Katar gehe nicht weit genug. Konkret hatten die USA ein Anti-Terrorismus-Abkommen mit Katar geschlossen, das aber nicht den Punkt berührt, der die Araber am meisten stört – nämlich dass Katar sich nicht in die inneren Angelegenheiten der anderen arabischen Länder einmischen solle.

Katar solle die Unterstützung von Oppositionsgruppen in den anderen arabischen Ländern einstellen und auch die Berichterstattung von Al Jazeera sollte nicht mehr subversiv die Regierungen der anderen arabischen Staaten unterminieren. Das alles ist im Abkommen der USA mit Katar nicht enthalten. Genau das wollen die Araber aber geregelt sehen.

In der internationalen Gemeinschaft werden manche Aktivitäten mißdeutet. So gehört zum katarischen Medien-Imperium auch das BeIN Sports Network, eine Sammlung englischsprachiger kostenpflichtiger Sportkanäle. Die VAE hatten BeIN vom Netz genommen, weil eben aus Katar. Nun meinten die VAE, bei Sportberichterstattung könnte Katar wohl nicht manipulieren, und gaben den Empfang von BeIN in den VAE wieder frei. Somit können VAE-Firmen wie Etisalat wieder Geschäfte machen mit katarischen Fernsehprodukten, die ja kostenpflichtig sind und von Konsumenten bezahlt werden müssen. Die Araber sind durchaus sehr pragmatisch, wenn man Geld machen kann, dann tun wir es doch – so das Credo.

Am Abend des 22. Juli 2017 erklärte Anwar Gargash, der Staatsminister der VAE (Vereinigten Arabischen Emirate) für Auswärtige Angelegenheiten sagte, der Ruf dass man mit dem Emir von Katar in Dialog treten solle, sei willkommen, so ein Dialog könne aber erst dann begonnen werden, wenn Katar seine Politik ändert. Gargash dazu auch auf Twitter (Original um Verfälschungen zu vermeiden): „Dialogue is necessary and needed but its backbone has to be revision," Gargash zeigte sich auch enttäuscht bezüglich einer von Sheikh Tamim, dem Emir von Katar gehaltenen Rede von vergangenem Freitag. "I had hoped that the speech of Sheikh Tamim would be an initiative for revision,"

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