Katar-Blockade: Katar stellt Bedingungen, Mogherini war auch da und Erdogan knickt ein

Erdogan und Mogherini waren in der Region unterwegs. Beide Katar-Freunde stärkten Doha den Rücken – und dieses stellt nun die Bedingung, der Beendigung der Blockade, sonst würde sie keinen Verhandlungen zustimmen.

Von Viribus Unitis

Die Katar-Blockade geht weiter. Die Fronten wurden von Seiten Katars verschärft und als Antwort darauf von Seiten der Blockadestaaten eben diese Blockade verhärtet.

Erdogans Golf-Trip: Erdogan knickt vor den Saudis ein

Erdogan machte seine Reise in Begleitung des türkischen Außenministers Mevlut Cavusoglu, Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci, Energie- und Rohstoff-Minister Berat Albayrak, Verteidigungsminister Nurettin Canikli, Armee-Generalstabschef Hulusi Akar und dem Chef der türkischen Geheimdienste, Hakan Fidan. Das war nicht nur eine Delegation die da mitreiste, das war die Creme de la Creme der türkischen Politik. Mehr geht nicht.

Erdogan traf Saudi-Arabiens König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman, jeweils Einzelgespräche, am ersten Punkt seiner Golf-Tour im saudischen Jeddah. Da keine Ergebnisse bekannt gegeben wurden und Erdogan auch keine Erfolgsnachrichten darbrachte, darf man annehmen, dass die Gespräche das brachten was vorher schon feststand – die Blockade läuft weiter wie bisher.

Erdogan flog weiter nach Kuwait. Er sprach eine Stunde im Dar Salwa Palast mit dem Emir von Kuwait. Auch hier, das nette Zusammensein war nur kurz, und nachher gab es keine Erfolgsmeldungen.

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Erdogan in Katar. Erdogan traf sich mit Katars Emir Scheich Tamim, wobei die Vermittlungstätigkeit des Emirs von Kuwait außerordentlich gelobt wurde. Und auch hier – keine Erfolgsmeldungen. Selbst der sonst sein eigenes Tun so positiv in Szene setzende Erdogan schaffte es nicht, Positives öffentlich darzustellen. Erdogan bestieg sein Flugzeug und flog heim nach Ankara. Die Medien blieben ahnungs- und ratlos sich selbst überlassen zurück.

Nach seiner Rückkehr in die Türkei teilte Erdogan vor Parlamentariern seiner AKP-Partei mit, seine Tour wäre „produktiv und erfolgreich“ gewesen. Beispiele für die Produktivität und die Erfolge nannte er nicht.

Eine bedeutende Neuerung ist aber, was Erdogan im Rahmen eines Medien-Statements in Saudi-Arabien sagte: „Saudi Arabia is the biggest country among the golf brothers, and therefor, will have the biggest means in resolving the crisis in the golf. As I said repetetly, the coustodian of this two holy mosques, King Salman, is the first nam,e to have the means, to resolve the crisis in the golf.“

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Erdogan hat die letzten Jahre damit zugebracht, am Stuhl der Saudi-Könige zu sägen, ihnen das Wasser in jeder Weise abzugraben, um selbst die Führung im arabischen Raum zu erobern. Nun muss er vor den Saudis öffentlich zugeben, dass die Saudis im Rahmen der Golf-Staaten, und damit ist der ganze arabische Raum gemeint, jene sind, die die Führung haben und den Fortgang bestimmen. Moslembruder "doch-nicht Sultan" Erdogan ist gerade mitten in seiner ganz persönlichen Götterdämmerung.

Katar und Russland: Aussage-Differenzen und Hacking-Unklarheit

Katars Staatsminister für Verteidigungsangelegenheiten, Dr. Khalid bin Mohammad Al Attiyah, gab dem russischen Fernsehsender RT ein Interview. In diesem lobte er den russischen Standpunkt, der angeblich die Aufhebung der Blockade gegen Katar forderte und daran anschließend Dialog zwischen allen Beteiligten.

Der russische Außenminister Lawrow sieht dies nicht ganz so. In einem Interview mit dem kurdischen TV-Sender Rudaw erklärte er sinngemäß, dass Russland die Mediations-Aktivitäten des Emirs von Kuwait unterstütze, dass Russland ein Interesse daran habe, dass die Krise so schnell als möglich gelöst werde und zwar mit Lösungen, die für alle Seiten akzeptabel wären, und dass Russland – sollte es solche Anfragen erhalten – alles tun werde, um eben einen solchen Prozess positiv zu unterstützen.

Russland drängt also keineswegs die Blockadestaaten zur Aufhebung der Blockade, sondern möchtet wie auch China an Verhandlungen zwischen den Parteien, die als Ergebnis ein Ende der Krise und der Blockade haben. 

Grunsätzlich scheinen die Kataris aber ein gutes Verhältnis zu den Russen zu haben. Seltsam. Die westlichen Medien werden nicht müde darzustellen, dass es die Russen waren, die die katarische Nachrichtenagentur gehackt und somit die ganze Krise angezettelt haben. 

Seit Wochen verbreiten die Kataris aber die Nachricht, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hätten gehackt. Diese Darstellung wird zwischenzeitlich auch von der Washington Post und vom US-Sender NBC vertreten. Wer nun lügt – die West-Medien-Mehrheit, oder Katar und seine beiden Medien-Unterstützer ist unklar. Waren es nun die Russen oder die VAE? Wer lügt?

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Mogherini: Die EU-Außenbeauftragte kam, sprach und ging – ohne Eindruck zu hinterlassen

EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini war in Kuwait. Mogherini drängte auf rasche Gespräche zwischen allen Parteien, sie forderte "all the parties to enter into negotiations to agree clear principles and a roadmap for a swift resolution of the crisis". Mogherini forderte, was aber keinen Eindruck bei den Arabern hinterließ. Sie war auch da, und das wars. Die Macht der EU, die manche EU-Bürger als unendlich sehen, ist in Wahrheit ein PR-Image ohne Substanz. Bei den Arabern ist Mogherini einfach eine Euro-Maus die mal kurz vorbeikam, auf klug und wichtig machte, und die man am besten schnell vergisst. 

Es war eine Götterdämmung für Mogherini, die falsch beraten geglaubt hatte, das Ende der Blockade sei nahe, die Blockadestaaten würden einbrechen, und sie könne nun mit einem Express-Besuch Verhandlungen anordnen, und dann darauf hinweisen, sie die EU-Außenbeauftragte habe Kraft ihrer Geschicklichkeit und der Autorität der EU die Krisenlösung auf den Weg gebracht. Mogherinis Berater(innen) sind offensichtlich von gleicher Qualität wie jene von Merkel und Gabriel.

Im Schlepptau von Mogherini war auch eine 16-Personen-Delegation der in Brüssel ansässigen Menschenrechtsorganisation „Alliance for freedom and Dignity“. Sie besuchte allerdings nicht wie Mogherini Kuwait, sondern flog nach Doha, also nach Katar. Sie forderte die Blockadestaaten auf, die Sanktionen umgehend aufzuheben, um das Leiden der katarischen Bevölkerung zu beenden.

Schon interessant, Katar behauptet ständig, die Blockade habe keine Auswirkungen auf die Bevölkerung, die Lebensmittelversorgung sei gewährleistet und ansonsten gehe alles seinen gewohnten Gang. Katar könnte diese Blockade noch jahrelang durchhalten. Und nun kommt diese Organisation und beklagt die Leiden der katarischen Bevölkerung wegen der Blockade. Wer lügt nun – die Kataris, oder die Gutmenschen von der Allianz?

Katar stellt Bedingungen und Blockadestaaten Antworten mit Bestätigung des Status quo

Das Lob kam wie erwartet. Die UN und Großbritannien lobten Katar für seine Dialogbereitschaft und seine Offenheit für Verhandlungen. 

Dann kam das: Die Blockadestaaten erweiterten ihre „Terror- Liste“ um 18 Personen und Gruppen. Es handelt sich dabei um Personen und Gruppen aus Libyen, dem Jemen, Kuwait und Katar, denen vorgeworfen wird direkte Kontakte zu katarischen Regierungsstellen zu haben.

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Die Kataris antworteten auf die Erweiterung der Liste damit, dass der Verteidigungsminster von Katar, Khalid bin Mohammed al-Attiyah, mitteilte, jeder Beginn eines Dialogs, jeder Verhandlung müsse vorausgehen, dass zuerst die Blockade gegen Katar aufgehoben werde. Also, zuerst Blockade aufheben, und dann können wir verhandeln, so die Vorgabe aus Katar.

Vier Stunden und zehn Minuten später kam die Antwort auf diese Bedingung aus Ägypten bzw. eigentlich Brüssel. Der Außenminister von Ägypten, Sameh Shoukry, sagte nach einem Gespräch mit der EU-Außenbeauftragten Mogherini in Brüssel, Katar müsse alle Bedingungen der Blockadestaaten erfüllen. Shoukry auf der Pressekonferenz: "It is not an issue of compromise, we cannot compromise with any form of terrorism, we cannot compromise or enter into any form of negotiations,"

Warum antwortete ausgerechnet Ägypten? Seltsamkeiten geschehen. Im ägyptischen Badeort Hurghada passierte das vor zwei Wochen: Bei einem Messerangriff im ägyptischen Hurghada wurden sechs Touristinnen niedergestochen. Es gab zwei Tote, die anscheinend deutscher Nationalität sind. Der Angreifer schwamm über das Meer zum privaten Strand einer Hotelanlage und griff dort an.

Als Täter wurde ein Islam-Fanatiker verhaftet. Man darf sich fragen, ist dieser Täter Moslembruder wie Erdogan auch und wie der Emir von Katar, die die Brüder finanziert? War das ein Zeichen für Ägyptens Sisi, dass die Moslembrüder nicht glücklich sind über die Blockade-Haltung Ägyptens gegenüber Katar?

Bemerken sollte man auch, dass zwei Wochen vorher zwei Touristinnen in einem Markt in Tunesien von einem fanatischen Islamisten niedergestochen wurden. Wie heißt es doch so treffend: Honi soit qui mal y pense.

Wieder ein paar Stunden später bekräftigte der Außenminister von Katar die Bedingung des Verteidigungsministers von ein paar Stunden zuvor. Zuerst Aufhebung der Blockade und dann erst Gespräche. Weitergehend wurden in diesem Statement die arabischen Staaten kritisiert, sie druch ihre Aktivitäten Gespräche verhindern oder unterminieren.

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7 Kommentare

  1. Der 3. Weltkrieg ist einen Schritt näher gerückt und die Spannungen mit der Entscheidung Washingtons gestiegen, die Ukraine mit "lethal weapons" auszustatten, mit tödlichen Waffen. Putin hat darauf geantwortet und mit militärischen Gegenmassnahmen gedroht.

    Sollten US-Waffen an die Ukraine geliefert werden, um sie an der Front gegen Donbass einzusetzen, dann wird das gravierende Konsequenzen haben, sagt der Kreml.
     

    Ich möchte daran erinnern, das Kaiserreich Japan hat deshalb Pearl Harbour angegriffen, weil Amerika Japan komplett mit einem Wirtschaftsembargo eingeschnürt hatte. Tokio hatte nur zwei Optionen, entweder sich Washington zu unterwerfen oder einen Befreiungsschlag ausführen.

    Und jetzt Katar—fuck die USA mit Merkel und dem Franzosen und deren Handlanger!!

    1. @Austriak.  Danke für den Link. Dem ist wenig hinzuzufügen. Klare Worte. Nach dem Clip weiß jeder, wo`s entlang geht.

      Gute Frage: wer regiert uns?

    1. Ein toter Nazi ist ein guter Nazi. Das einzige was du von denen gelernt hast war klug sein aber nicht sehr klug ????? @Walter, ich fahre die Woche nach Dresden und komischerweise mögen die Frauen dort die Moslems ?? bringt wohl mehr beschnitten zu sein.

      1. … was genau soll'n das in dem Zusammenhang bringen ? Glaub nicht, dass Du da mitreden kannst, es sei denn Du bist 'ne Schwuchtel !

  2. "Russland drängt also keineswegs die Blockadestaaten zur Aufhebung der Blockade, sondern möchtet wie auch China an Verhandlungen zwischen den Parteien, die als Ergebnis ein Ende der Krise und der Blockade haben."

    Achso, Russland will also nicht die Aufhebung der Blockade, sondern ein Ende der Blockade?!

     

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