Iran.

Große militärische Konflikte haben meistens eine lange Geschichte. Jener zwischen dem Iran und den Arabern gehört dazu.

Von Marco Maier

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die beiden großen Weltkriege ihre Ursachen auch in jahrhundertealten Rivalitäten der europäischen Völker hatten. Auch der erste iranisch-arabische Konflikt ist alt – so alt wie der Islam selbst. Denn als die Mohammedaner im Jahr 632 Persien attackieren, war das zoroastrische Reich schon durch einen dreißigjährigen Krieg mit dem Oströmischen Reich geschwächt und sah sich einem Bürgerkrieg um den sassanidischen Thron gegenüber.

Zwar konvertierten die Iraner – wenngleich auch nur langsam – schlussendlich zum Islam, doch es stellte sich schnell heraus, dass die iranische Kultur deutlich kultivierter und komplexer war als jene, die von den neuen Herrschern mitgebracht wurde. Und so, im Jahr 850, brachen die iranischen Dynastien mit den Arabern und lösten sich von der Führung des arabischen Kalifs in Bagdad. Eine Schmach, die man den Iranern noch heute übel nimmt.

Als dann später mit den Seldschuken im 11. Jahrhundert ein neuer großer Mitspieler im innerislamischen Machtgefüge aufkam, sich das alte persische Reich einverleibte und selbst der arabische Kalif der Abbasiden-Dynastie ein Vasall der Osmanen wurde, gab es die nächste Niederlage für die Araber. Die Türken beherrschten einen großen Teil der osmanischen Welt faktisch bis zum Ersten Weltkrieg hin.

Danach scheiterte der Versuch der Wiedervereinigung der arabischen Welt an der Trennung in Sunniten und Schiiten, sowie an lokalen Herrscherdynastien, die ihre neue Macht als Staatenherrscher nicht abgeben wollten. Und die Perser? Sie wurden wieder Herrscher über ihr eigenes Reich und hatten dann wieder mit Invasoren zu kämpfen – und zwar mit den Briten und Russen (und später auch Amerikanern).

Aber: Während die Iraner von der Monarchie zur Theokratie und die Türken von der Monarchie zu einer säkularen Republik übergingen, konnten sich die Araber einfach nicht auf einen gemeinsamen Führer einigen. Auch die arabisch-sozialistische Baath-Partei (Baath steht für Wiedererweckung), die neben dem Irak (1963-2003) auch in Syrien (bis heute) die Regierung stellt(e), scheiterte daran. Deren Ideologie basiert auf dem arabischen Nationalismus, der Loslösung von den Kolonialherren und eines auf die Araber zugeschnittenen Sozialismus'. Dabei geht es dem Baathismus entsprechend um die nationale Einheit aller Araber – egal welcher Religion sie angehören.

Der irakisch-iranische Krieg, der von den Amerikanen nach der "islamischen Revolution" und der Flucht des Schahs forciert wurde, indem man seitens der USA den Irak unter Saddam Hussein (der ebenfalls der Baath-Partei angehörte, die 1963 durch einen von der CIA unterstützten blutigen Putsch im Irak an die Macht kam) dazu drängte – und ihm versprach, sämtliche Gebietsgewinne behalten zu dürfen. Doch die Iraner wehrten den neuerlichen arabischen Unterwerfungsversuch – an dem sich auch Ägypten beteiligte – ab.

Während sich die sunnitischen Türken und Kataris, sowie die mittlerweile schiitische Führung des Iraks inzwischen jedoch mit dem Iran zu verstehen scheinen, ist die Rivalität zwischen der von Saudi-Arabien geführten sunnitisch-arabischen Welt und dem schiitischen Iran nach wie vor existent. Der aktuelle Katar-Konflikt ist nur ein weiterer Vorwand der saudischen Seite, um gegen den Iran zu opponieren, zumal Doha und Teheran wirtschaftlich zusammenarbeiten. Auch der Krieg im Jemen ist so ein Fall, genauso wie jener in Syrien. Inzwischen breiten sich die Stellvertreterkriege zwischen den beide islamischen Mächten wie Metastasen aus und könnten dazu führen, dass das Pulverfass Naher Osten tatsächlich noch explodiert.

5 KOMMENTARE

  1. Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten geht wohl die Zeit kurz nach Mohammeds tot zurück. Damals war nicht klar, wer Mohammeds Nachfolger, also Kalif werden sollte. Ein möglicher Nachfolger war sein Verwandter Ali. Dieser wurde aber von einer Gegengruppe ermordet. Die Schiiten verehrten weiterhin Ali, die Sunniten hingegen die Gegengruppe.

    So hat sich über die Jahrhunderte eine gespaltene islamische Gesellschaft gebildet.

    Aktuell versuchen die USA diese Gruppen gegeneinander aufzuhetzen, um Staaten, die nicht nach der US-Pfeife tanzen, also Iran und Syrien, mit Krieg zu überziehen.

    Hinzu kommt noch, dass der schiitische Iran die Hisbollah im Libanon via Syrien unterstützt, die gegen den israelischen Besatzer kämpft, womit der Iran zum Feind Usraels wird.

    Die aktuelle Verschärfung des arabisch-iranischen Gegensatzes geht in erster Linie auf us-amerikanischer Anheizung zurück. Die USA wollen den Israel-Feind Iran ausschalten und dessen Ölvorkommen stehlen.

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