Anstatt die Staatsschulden in Relation zur Wirtschaftsleistung zu setzen, müsste man sie mit dem tatsächlichen Staatseinkommen vergleichen. Doch da sieht es düster aus.

Von Marco Maier

Einmal angenommen, Sie gehen zur Bank um einen Kredit aufzunehmen. Der Banker fragt nach Ihrem Einkommen und Sie geben ihm jene Summe an, die Sie vor Steuern und Sozialabgaben bezahlen. Was denken Sie, was der Banker machen wird? Natürlich: Er wird den Kopf schütteln und sich auf Ihr Nettoeinkommen beziehen. Immerhin ist das Ihr Budget, von dem sie all Ihre Ausgaben – inklusive der Schuldentilgung – bestreiten müssen.

Doch wenn es um die Staatsschulden geht, wird diese Summe stets mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) verglichen. Das ist allerdings ein Unding, zumal jeder einzelne Staat einen unterschiedlichen Anteil an der Wirtschaftsleistung einnimmt. Von diesem Geld muss das Staatswesen auch den Schuldendienst bestreiten und nicht von der gesamten Wirtschaftsleistung. Bei den Steuern und Sozialabgaben in Prozent des BIP geht dies beispielsweise innerhalb der EU von 24,6 Prozent in Irland bis hin zu 47,5 Prozent in Frankreich.

Um bei den beiden Extrembeispielen Irland und Frankreich zu bleiben: Die "grüne Insel" hat demnach in diesem Jahr eine Staatsschuldenquote im Vergleich zum BIP von 178,8 Prozent, die "Grande Nation" eine von 96,4 Prozent. Vergleicht man dies jedoch mit den staatlichen Einnahmen, liegt das Verhältnis von Schulden zu Einkommen in Irland bei 7,26 zu 1, in Frankreich bei 2,03 zu 1. Das heißt: Die irischen Staatsschulden liegen bei mehr als dem Siebenfachen der Staatseinnahmen, während dies bei den Franzosen lediglich beim Zweifachen liegt. Im Vergleich zum BIP liegt das Verhältnis "nur" bei 1,79 zu 1 bzw. 0,96 zu 1.

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Im Falle Deutschlands sieht es so aus: Die öffentlichen Schulden liegen in diesem Jahr den Prognosen zufolge bei 65,8 Prozent des BIP. Bei einer Abgabenquote von 40,7 Prozent heißt dies, dass das Verhältnis bei 1,62 zu 1 liegt. Österreich hat bei einer Abgabenquote von 43,1 Prozent eine Schuldenquote von 82,8 Prozent – also ein Verhältnis von 1,92 zu 1 zu den Einnahmen und damit nur unwesentlich besser als bei Frankreich.

Die gesamte Eurozone (19 Länder) weist bei einem Verschuldungsgrad von 89,0 Prozent des BIP eine Abgabenquote von 41,6 Prozent auf. Hier liegt das Verhältnis bei 2,14 zu 1. In der gesamten EU (28 Länder) liegt die Abgabenquote bei 40,1 Prozent, die Staatsschuldenquote bei 84,8 Prozent, womit das Verhältnis mit 2,10 zu 1 insgesamt betrachtet auf demselben Niveau liegt. Hier als Vergleich die USA, die mit 107,8 Prozent des BIP (wobei dieses anders berechnet wird als in Europa, wodurch die Zahlen nur bedingt vergleichbar sind) verschuldet sind und eine Abgabenquote von 26,5 Prozent aufweisen. Dies entspricht einem Verhältnis von 4,07 zu 1 – also in etwa dem Doppelten dessen, was die EU bzw. die Eurozone vorweisen.

Wie man anhand dieser beispielhaften Zahlenvergleiche deutlich sieht, sorgt die Methode der Gegenüberstellung von öffentlichen Schulden zur Wirtschaftsleistung eine gewaltige Verzerrung dar. Viel aussagekräftiger ist der Vergleich der Staatseinnahmen mit den Staatsschulden, da auch der Schuldendienst daraus bestritten werden muss. Immerhin kann ein Staat ja nicht so einfach die Steuern beliebig erhöhen, ohne damit negative Auswirkungen auf die Wirtschaft zu schaffen, wie es die Austeritätspolitik in Griechenland, aber auch in Spanien und Portugal verdeutlichte.

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9 KOMMENTARE

  1. Der Artikel vergisst zu erwähnen, bei WEM sich hier regelmäßig verschuldet wird. Die Namen der größten Gläubiger fehlen. Dann wäre auch deutlicher, wo das "geliehene Geld" her kommt… nämlich aus dem Nichts! Und daraus würde sich die Frage aufdrängen, wie man bei NICHTS mit NICHTS verschuldet sein kann, aber dennoch mit volkseigenen Sachwerten haftet… gegenüber dem privaten Finanzjud*ntum.

    Eine solche Debatte wäre dem Steuerzahler = Zinszahler = Schuldner sicher sehr erhellend.

    • Richtig, das trifft den Kern des Problems.

      Die Staatsschulden sind eigentlich nichtig, da die Kreditgelder von FED-Banken wie Citygroup, Meryll-Lynch, Morgan-Stanley, J.P.Morgan und GoldmanSachs einfach erfunden wurden, sogenanntes "Fiat-Money".

      Im moralischem Sinn haben diese Wallstreetbanken den Staaten also keinerlei echten Wert gegeben, folglich können sie den auch nicht in Form von Tilgung oder Zinsen zurück verlangen.

      Konsequent wäre es, wenn die Staaten mit den FED-Banken einen Schuldenschnitt machen und sich so entschulden. Doch das wird bisher vom US-Militär, dem Inkassomann der FED-Banken verhindert. Hitler entschuldete sich übrigens so und hatte prompt eine Kriegserklärung der USA im Briefkasten.

      Ergo: Eine Entschuldung setzt ein starkes Militärbündnis voraus, dass das US-Militär auf Abstand hält. Ein solches Bündnis würde aktuell nur mit Rußland funktionieren.

      • Somit ist nun auch erklärt, warum die Bewohner des deutschen Staatsgebietes von deren Politikern so hochtrabend edel als BÜRGER bezeichnet werden. Sie bürgen für deren Geschäfte mit der Wallstreet mit ihrer Arbeitskraft und ihrem Vermögen.

        Das ist das Grundübel unserer Zeit! Und kein Politiker – auch nicht die Afd – hat jemals diesen Umstand thematisiert !!!

  2. Da gibt es im alltäglichen viele Beispiele dafür, dass man so nicht rechnen kann. Die Gegenüberstellung von Staatsschulden und BIP dient ja auch nur der Verschleierung, die Bürger sollen einfach nicht wissen, wie schlecht es um sie bestellt ist.

    Kein normaler Mensch rechnet so, nur Regierungen und Banker rechnen so, mit der Methode kann man einfach besser betrügen.

    Der ganze Schwachsinn gehört von hinten nach vorne aufgerollt !

  3. Im Gegensatz zu Privathaushalten kann der Staat seine Einnahmen aber durch eigene Maßnahmen leicht erhöhen und als Besteuerungsmasse steht eben das BIP zur Verfügung. Darüber hinaus haben die meisten Häulsebauer auch deutlich mehr Schulden als nur ein Jahreseinkommen. Der von Contra hier vorgenommene Vergleich hinkt also gewaltig.

    • Das System basiert einzig allein auf Schulden. Würde jemand auf die Idee kommen, Schulden abzubauen ohne neue Schulden aufzunehmen (= Umschuldung), wäre das System sofort am Ende. Darum sind alle Bemühungen dahingehend ausgerichtet, dass zur Umschuldung immer jährlich noch ein kleiner Teil (optimal 3% vom BIP) zusätzliche Schulden (= Neuverschuldung) auf die Uhr kommt. Das verringert die Gefahr der Entschuldung einer Volkswirtschaft und manifestiert zugleich das System.

      Wenn "Schulsystem-Hirngewaschenen" das nicht einleuchten will, sollten jene sich zuerst die Frage gestellen, wieso in den letzten 50 Jahren im Staatshaushalt der Mittelbedarf jährlich kontinuierlich ansteigend war? Dann stellt man fest, dass regelmäßig "neue Ausgaben" erfunden und ältere Erfindungen aufbudgetiert wurden. Nun folgt die Frage nach dem WIESO? Und spätestens jetzt setzt die "Volksschulbildung" aus, allerdings nicht, weil alles so kompliziert wäre. Im Gegenteil. Die Antworten sind simpel – aber würden den Steuerzahlerdeppen zu stark erschrecken.  

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