Bhutan-Straßenbau-Disput: Soldaten von China und Indien schussbereit auf Konfrontationskurs

Ein Straßenbau-Projekt Chinas hat zu schweren Differenzen zwischen China und Bhutan, sowie China und Bhutans Schutzmacht Indien geführt.

Von Viribus Unitis

Auf dem Doklam-Plateau in Bhutan – im dem das Chumbi-Tal liegt – stehen sich jeweils 300 Soldaten aus China und Indien kampfbereit in 150 Metern Entfernung gegenüber. Die Truppenpräsenz wird von beiden Seiten ausgebaut.

China will eine Straße ausbauen. Eine Straße die derzeit im chinesischen Yadong in der Region Donglang endet, soll südwärts auf dem Doklam-Plateau weitergeführt werden. Diese Straße würde so nur ungefähr zwei Kilometer entfernt von der Zompelri-Kaserne Bhutans vorbeiführen. Die Straße verläuft am Jampheri-Kamm, den China als Grenze sieht, den Bhutan aber als Ganzes für sich als Staatsgebiet reklamiert. Die Chinesen sehen die Kammlinie – also die Bergrücken – als Grenzlinie, die Bhutaner das Kamm-Ende, also das Tal nach dem Kamm als Grenze.

Der Jampheri-Kamm hat für Indien strategische Bedeutung, weil er sich bis hin zum für Indien strategisch wichtigen indischen Siliguri-Korridor hinzieht. Ob also Bhutan den Jampheri-Kamm ganz unter Kontrolle hat, oder nur die obere Kammlinie, ist auch für die mit Bhutan verbündeten Inder militärisch wichtig.

Damals in 1890 hatten die Briten mit der kaiserlichen chinesischen Regierung den Grenzverlauf im Chumbi-Tal, zu dem das Doklam- Plateau gehört, festgelegt. Der Grenzverlauf war damals in der „Convention of Calcutta“ schriftlich dargelegt worden – was heute Freiraum für Interpretationen lässt.

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Von 1984 bis 1998 hatten China und die königliche Regierung von Bhutan – mit Beteiligung der indischen Regierung – in 24 Runden versucht, die alten britischen Regelungen durch klare Fixierungen zu ergänzen. Abkommen wurden 1988 und 1998 geschlossen, wobei, so wurde festgelegt, die Grenze gültig sei, die vor dem März 1959 gegolten habe. Auch hier wurden wiederum Unschärfen gelassen, weil man sich nicht auf präzise Fixierungen einigen konnte.

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Vereinbart wurde auch, dass beide Seiten auf einseitige Aktionen verzichten, um die Region zu verändern. Nun bauten die Chinesen in ihrem Teil des Gebietes eine Straße, um das Gebiet zu erschließen. Eigentlich undiskutierbar, denn wenn ein Staat auf seinem Staatsgebiet eine Straße baut, ist das eigentlich seine Sache.

Butan sah das nicht so. Für Butan ist dieser Straßenbau eine einseitige Veränderung des Status quo in dem Gebiet, vor allem aber die Nichtbeachtung seiner Grenzlinie, und damit Vertragsbruch bezogen auf die Verträge von 1988 und 1998. Bhutan hat deswegen seine Schutzmacht Indien gegen China zu Hilfe gerufen.

In einem Vertrag von 1949 hatte Bhutan zugestimmt, dass seine Außen- und Verteidigungspolitik von Indien geführt werden solle. Dieser alte Vertrag wurde 2007 von einem Freundschaftsvertrag abgelöst, wobei diese Lenkung der Außen- und Verteidigungspolitik mit Indien neu definiert wurde – Artikel 2 (Originaltext um Verfälschungen zu vermeiden): “In keeping with the abiding ties of close friendship and cooperation between Bhutan and India, the Government of the Kingdom of Bhutan and the Government of the Republic of India shall cooperate closely with each other on issues relating to their national interests.”

Indien stützt die Darstellung Bhutans bezogen auf den Grenzverlauf, und die Chinesen wiederum sehen Ihre Grenzdarstellung als richtig. Nebenbei wollen die Chinesen nicht anerkennen, dass Indien überhaupt eine Rolle spielt, in einem Gebiet, in dem Indien gar keine Gebietsinteressen hat, weil indisches Gebiet gar nicht betroffen ist. Es geht rein um den Grenzverlauf von Bhutan zu China – Indien ist eigentlich nicht beteiligt.

China und Indien haben eine 3.500 km lange gemeinsame Grenze, wobei viele Grenzabschnitte wegen unklarer – zu grob definierter – Grenzziehung durch die Briten unklar sind. Dies führte auch schon zu einem blutigen Grenzkrieg in 1962, dem Sino-Indischen-Krieg. In dem einen Monat dauernden Krieg gewannen die Chinesen, die Inder mussten sich zurückziehen.

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Der nationale Sicherheitsberater Indiens, Ajit Doval, wird noch diese Woche zu einem am 27. und 28. 7. stattfindenden Sicherheitsforum im Rahmen der BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) nach Peking reisen. Allgemein wird erwartet, dass Doval mit seinem chinesischen Gegenüber die Krise bespricht, und Entspannungsmöglichkeiten ausgearbeitet werden. Nach letzten Meldungen hat China jedoch Gespräche über dieses Thema am BRICS-Sicherheitsgipfel ausgeschlossen. 

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lu Kang, dazu: “Despite the fact that China and India enjoy smooth diplomatic channel, the crux now is that India border troops illegally stayed on Chinese territory.”

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7 Kommentare

  1. …und wenn in China ein Sack Reis umfällt?

    …dann gibt's sicher noch 999 Probleme, die uns mehr am Sack jucken sollten!

    Von A (wie Atommüll)… über B (wie Bargeldabschaffung… oder M (wie Merkel)… bis Z (Zinseszinssystem)

    Aber ein Straßenbau im Mini-Königreich ist sicher immer eine Schlagzeile wert 🙂 

  2. Sehr unwahrscheinlich das dies zu einem größeren Disput oder gar Krieg ausartet.

    Der Nachbarstaat Nepal zb.hat sich auch öfters in der Wolle mit Indien(Ausbleibende Kraftstofflieferungen etc.)

    Bisher jedenfalls blieb die Vernunft Sieger.

    Bhutan is übrigens ein sehr schönes Land.

  3. Tja, wenn se keine Panda Bärchen verleihen sind se damit beschäftigt ihre Regionale Dominanz auszubauen. Wenn die eines Tages wirklich die USA beerben sollten wird's deutlich ungemütlicher für uns.

  4. Ein weiteres Beispiel, wieviel Sche.sse die Briten in ihrer Geschichte "mit ihrerlei selbstlosen Auslegeungen" von Recht und Gesetz" hinterlassen haben !!

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