Die Volksrepublik China baut ihre wirtschaftliche Vormachtstellung in Eurasien aus. Doch das birgt enorme Risiken.

Von Marco Maier

Die chinesischen Ambitionen, mittels der "Neuen Seidenstraße" (offiziell: One Belt, One Road, OBOR) die wirtschaftliche Vorherrschaft des Landes auf dem eurasischen Kontinent zu sichern, könnten etwas übermotiviert sein. Denn auch wenn die US-Bonds, die vorrangig für solche Zwecke verwendet werden, zumindest längerfristig keine gute Anlage sind, so tauscht Peking damit liquide Mittel in inliquide.

Vor allem der Umstand, dass viele Staatsunternehmen (State Owned Enterprises, SOE) ihre Schulden bei den chinesischen Banken kaum bedienen können, könnte unter Umständen damit zusammenfallen, dass auch die ausländischen Geldnehmer (z.B. erhielt Venezuela hohe Kredite von China) zahlungsunfähig werden.

Auch der staatliche Vermögensfonds "China Investment Corporation (CIC), der im Jahr 2007 etabliert wurde, investiert das Geld zwar weltweit, doch im Notfall wird es schwierig, an die 800 Milliarden Dollar an Anlagen zu kommen, die sich über Aktien, Unternehmensanleihen, Hedgefonds-Anteile, private und gewerbliche Immobilien und auch diverse Unternehmen (z.B. Goldminen in Simbabwe) erstrecken.

Dort wo sich die Amerikaner mit ihren weltweit verstreuten Basen militärisch überdehnen, scheint das Reich der Mitte dies finanziell zu tun. Unzählige Investments und großzügige Kreditlinien an befreundete Länder mögen zwar unter Umständen gute Profite bringen und sich die Freundschaft anderer Völker sichern, doch was macht Peking, wenn es wirklich eng wird und neben Misinvestments noch größere Zahlungsausfälle im Ausland zusammenkommen? Denn da müssen zur Not recht schnell größere liquide Mittel bereitstehen.

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5 thoughts on “Neue Seidenstraße: Übernimmt sich China?”

  1. „… und sich die Freundschaft anderer Völker sichern…“
    Besser: „…und sich die Abhängigkeit anderer Völker sichern…“
    Als Freunde werden die Chinesen nirgendwo gesehen.
    Immerhin aber sind sie gut als Türöffner für die Globalisierung. Wer dann letztendlich profitiert, bleibt abzuwarten. Auf keinen Fall die, die die Schulden bezahlen dürfen und gleichzeitig weltweit mit anderen Niedriglöhnern konkurieren.

    1. chinesische firmen, konzerne und privatpersonen bieten auf ebay elektrogeräte zu sehr günstigen preisen – EXPLIZIT NUR, wenn ich die lieferadresse des käufer in "deutschland" befindet. leute wie du, sehen die chinesen nicht als freunde. dafür wissen aber die chinesen um euren kriegsgefangenenstatus und helfen den kriegsgefangenen – unabhängig davon, ob sie von euch hürbeln als freunde (an-)erkannt werden oder nicht. 

  2. Gucken wir doch mal, wie China sich in Australien hineindrängt. Und Australien ist Erste Welt.
    Australische News von heute:
    Google „abc.net.au the labor party the chinese developer and seat in nsw parliament“.

    1. Marco hat hier einen Umkehrschluss gezogen, doch leider in die falsche Richtung 🙂

      Was soll China mit Billionen an wertlosen Dollarschuldscheinen machen ? Natürlich kaufen wo und was geht, denn der $-Knall kommt unweigerlich und wenn es dann so weit ist, haben sie $ raus aus ihrem Portefeuille und stehen mit ihrem Goldgedeckten Renminbi gut da.

      Hätten sie es (die $-Anleihen) alles auf einen Schlag verkauft, dann wären sie mitgerissen worden bei dem weltweiten Abflug, doch so drehen sie den $ noch allen anderen an und die dürfen sich dann mit der Schmarotzer-Währung rumärgern.

      Der Fehler im Artikel liegt einfach daran, dass ihm die Denkweise und Vorgehensweise des Westens zugrunde liegt; nur genau so funktioniert die Chinesische Wirtschaftsphilosophie eben nicht.

      2014 hat an der FH-OÖ in Steyer der Forscher und Professor der Pekinger UIBE (Business und Economics Uni) Xiaohu Feng einen Vortrag zu dem unterschiedlichen Wirtschaftsdenken zwischen dem Westen und China gehalten :

      Die Philosophie: „Mach die anderen Völker reicher und du wirst selbst reich bleiben.“

      Viele Manager müssten ihr Kirchturmdenken ablegen, teilen und damit die anderen (über)leben lassen. „Man wird stärker, indem man gibt und nicht nur nimmt“, ist der Chinese überzeugt. Passiert das nicht, werde das Wirtschaftssystem der ungleichen Verteilung wegen eines nicht allzu fernen Tages kollabieren. „In China streben wir daher nach Kooperationen und suchen die Harmonie. Wenn wir manchmal auch nur eine Scheinharmonie aufbauen können, ist diese noch immer besser, als sich gegenseitig zu vernichten“, erklärt Xiaohu Feng.

      Wir reden hier von einer 2500 Jahre alten Philosophie, welche auf wirklich langfristigen Denkweisen beruht, im völligen Gegensatz zum Hochfrequenzhandel des Westens.

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