Gaddafis Einigungsversuch für Afrika kostete ihn das Leben

Erst wurde Gaddafi von Sarkozy hofiert, dann eiskalt abserviert. Grund dafür: Er hätte Paris Frankreichs Ex-Kolonien entrissen. Auch stand er den Interessen Washigtons und Londons im Weg.

Von Marco Maier

Es waren vor allem das Tandem Hillary Clinton und Nicoas Sarkozy, die schlussendlich alles in Bewegung setzten, um Muammar al-Gaddafi zu Fall zu bringen. Und das, obwohl der libyische Staatschef lange Zeit ein gern gesehener Gast in Paris war, der auch immer wieder ordentlich Rüstungsgüter dort einkaufte.

Doch seine Bestrebungen, den afrikanischen Kontinent wirtschaftlich und politisch zu einen und so ein Gegengewicht zu den Europäern und Amerikanern zu schaffen, welches auch bei den Verhandlungen zu Wirtschaftsabkommen und Freihandelsvertägen eine deutlich bessere Position einnehmen kann, kostete ihn wahrscheinlich schlussendlich das Leben.

Dazu gehört auch eine afrikanische Währungsunion, die ab 2011 mittels dreier Institutionen verwirklicht werden sollte:

1.) Die Gründung einer afrikanischen Investitionsbank (Sitz in Libyen).
2.) Die Gründung eines afrikanischen Währungsfonds mit 42 Milliarden Dollar an Startkapital (Sitz in Kamerun).
3.) Die Gründung einer afrikanischen Zentralbank (Sitz in Nigeria), die eine gemeinsame afrikanische Währung etablieren sollte. Dazu wollte Gaddafi auch die Guthaben der libyischen Zentralbank in Höhe von rund 30 Milliarden Dollar einsetzen.

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Frankreich jedoch kontrolliert mit dem Franc CFA den Großteil seiner ehemaligen Kolonien mit. Bei aller "Freundschaft" Sarkozys mit Gaddafi – das ging gar nicht. Immerhin entscheidet Paris über den Wechselkurs dieser beiden – früher an den Französischen Franc, heute an den Euro gebundenen – Währungen (im CFA-System der Franc BCEAO in Westafrika und der Franc BEAC in Zentralafrika), was Paris natürlich einen enormen Einfluss auf die dortigen Märkte garantiert. Faktisch bestimmt Frankreich so nämlich darüber, zu welchem Preis es die Rohstoffe aus diesen Ländern kaufen kann.

Die geopolitischen Interessen von Briten und Amerikanern, die postkolonialen und wirtschaftlichen Interessen Frankreichs, sowie die Partikularinteressen der Arabischen Liga kosteten Muammar al-Gaddafi schlussendlich das Leben und stürzten damit nicht nur Libyen selbst ins Chaos, sondern verhinderten so auch eine Einigung Afrikas als Gegengewicht zu den einflussreichen Kräften in Europa und Nordamerika.

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12 Kommentare

  1. Ganz Afrika hat eine geringere Wirtschaftsleistung als Frankreich. Es ist völlig abwegig, zu glauben, der Anführer eines nordafrikansiches Wüstenstaates könne ganz Afrika erst einen und dann zu einem gigantischen Aufschwung verhelfen, der den Kontinent tatsächlich zu einem Gegengewicht zu Europa machen würde  – mal ganz abgesehen davon, dass vor allem europäische Unternehmen von Wirtschaftswachstum in Afrika profitieren würden.

  2. Dieser Bericht ist sowas von  von gut analysiert, daß man wirklich nichts mehr ergänzend hinzufügen müßte. Ist überhaupt verwunderlich, wie die Franzosen es im Gegensatz zu den Amerikanern geschafft haben, trotz ihrer Kriege nach 1945 sich aus dem internationalen Focus im negativen Sinne herauszuhalten, obwohl sie den Amerikanern mit ihrer agressiven und nicht legitimierten Politik in vielen Fällen nicht nachstanden. Das ist auch eine Kunst, aber nicht verwunderlich, wo wir doch mittlerweile in Europa alle Freunde sind.

  3. Was mir bei der Zerstörung Libyens aufgefallen ist: Das fand statt vor Unmengen von Kameras, jeder hatte schon Zugang zum Internet. Und trotzdem wurde jeden Tag eskaliert, ohne im Westen auf Widerstand zu stoßen. Von wegen Internet und Information. Bei vollständig verblödeten Völkern nutzt das nichts. Weder damals, noch heute, noch in der Zukunft.

    Was Gaddafi und seine Pläne angeht, traue ich mir kein Urteil zu. Vielleicht war er ja allein schon deshalb eine Gefahr, weil er langfristig dachte und andere damit hätte anstecken können.

  4. Es kommt noch schlimmer: Gaddafi hatte seinerzeit seinem späteren Mörder Sarkozy sogar noch seinen Präsidentschaftswahlkampf finanziert! Der Philosoph Bernard-Henri Levy und Sorkozy waren die treibenden Kräfte zur Eliminierung Gaddafis und der Zerstörung Libyens, dass das mit Abstand reichste Land Afrikas war!

    Nach Schätzungen von Wirtschaftsexperten bezieht Frankreich auch mit Hilfe des CFA-Systems in West- und Zentral Afrika jährlich etwa 500 Mrd. Euro aus Afrika! Frankreich hat in den letzten Jahrzehnten nahezu jede demokratische Bewegung in diesen Teilen Afrikas durch Interventionen und Geheimdienstaktionen zerstört. Gerade diese demokratischen Bewegungen hatten sich immer für eine Loslösung aus dem CFA-System und eine von Frankreich unabhängige Position ausgesprochen!

    Frankreich betreibt im Grunde übelsten Kolonialismus und möchte den Status Quo dort unbedingt aufrechterhalten!

    Man muß es immer und immer wieder sagen: unsere "Verbündeten" seien es Frankreich, GB oder die USA verursachen die schlimmsten Krisen und Kriege in der europäischen Nachbarschaft und Deutschland und andere Länder dürfen die Folgen dieser Politik in Form von Aufnahme von Millionen von Flüchtlingen / Ausgebombten ausbaden!

    Die Krönung im Jahre 2011 war, dass unsere "lieben Verbündeten" die Teilnahme Deutschlands an der Bombadierung Libyens in vorzivilsatorische Zustände forderten! Da war Deutschland noch bei Sinnen und hat diesen Verbrechern eine Abfuhr erteilt!

    Inswzischen werden deutsche Soldaten für die Interessen Frankreichs in Mali im Namen des "Kriegs gegen den Terror" zweckentfremdet! Deutsche Ressourcen und deutsches Militär werden für den ungestörten Geldfluss an unsere "Verbündeten" eingesetzt! Damit macht sich Deutschland ohne Not zur Zielscheibe fundamentalistischer Anschläge im eigenen Land! Der sogenannte Krieg gegen den Terror ist nichts als ein brutalster Wirtschaftskrieg, der ohne die geringsten Skrupel durchgezogen wird!

    1. – Zum CFA-System Frankreichs –
      Auf die schnnelle habe ich diesen Link von den DWN aus deren besseren Zeiten gefunden.
      https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/03/15/frankreich-kann-seinen-status-nur-mit-ausbeutung-der-ehemaligen-kolonien-halten/

      Da ist von 440 Milliarden Euro jährlich die Rede.
      Selbst diese Summe ist kaum zu fassen, das sind rund 6500 Euro pro Einwohner pro Jahr.
      Als Vergleich: die Slowakei erhielt 2015 als Nettoempfänger aus dem EU-Haushalt pro Kopf 571 Euro.

      Da kann man auch ein paar Milliarden an die EU abrücken und sich als Nettozahler feiern lassen, steht ja keine Arbeit dahinter, zumindest nicht die der Franzmänner. Man stelle sich Frankreich ohne diese Einnahmen vor.
      Und alle zerreißen sich das Maul über die Deutschen mit ihren Exporten.

      1. Fakt ist, dass nicht Frankreich Afrika mit ein paar Entwicklungsmilliarden hilft, sondern dass Afrika Frankreich finanziert! Frankreich ist mittlerweile von diesen Zahlungen abhängig.

        Daher waren sie die ersten, die auf Libyen losgegangen sind! Die Konsequenzen mit der damit ausgelösten Massenflucht aus Afrika kennen wird.

        Man darf auch mal die Frage stellen, ob die luxuriöse Writschafts- und Sozialstruktur Frankreichs mit 35 Std. Woche und Rente mit 60, auf Kosten der Afrikaner ermöglicht wurde!

  5. wären die westlichen "eliten" keine schwerverbrecher, keine mörder (massen- und volksmörder) und hätte Gaddafi wenigstens ein drittel seines programms umgesetzt, würde die migrantenflut in vllt. schon 5-10 jahren in die umgekehrte richtung gehen – von europa nach afrika! wobei – ist ja alles latte – der 12 inch-dildo mit der AfD-aufschrift im anus wird es schon richten. 

  6. Das ist leider die Wahrheit, Gier und Unmenschlichkeit der Giganten… Naivität eines zerstörten Volkes…. es war schon von Anfang an klar ,,,, aber die Mehrheit ließ sich durch Medien und besonders durch Facebook Manipulieren… nun baden die auf grausamste Art ab, und der Teufel lacht sich kaputt… und saugt deren Blut….ohne Gnade… und er hat es natürlich für die Demokratie getan, davon strebt ja kein Profit… alles ehrenamtlich…

    leider die Naivität der Menschen haben vom bitteren Beispiel irak nicht gelernt und glauben weiterhin alles

     

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